Symbolbild: Auf dem Banner bei einer Ausbildungsmesse steht "Azubis gesucht" (2019)

Immer mehr junge Menschen setzen auf eine Ausbildung.

Trendwende bei jungen Menschen Ausbildung beliebter als Studium

Stand:

Immer mehr junge Menschen setzen laut einer neuen Bertelsmann-Studie nach dem Schulabschluss auf eine Ausbildung. Erstmals liegt die Ausbildung in der Befragung deutlich vor dem Studium: 76 Prozent können sich eine Ausbildung vorstellen, 66 Prozent ein Studium. Trotzdem bleiben viele Ausbildungsstellen in Unternehmen unbesetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für viele Jugendliche ist eine Ausbildung attraktiver als ein Studium.
  • 9 von 10 Azubis sind zufrieden und würden ihren Beruf wieder wählen.
  • Trotz hoher Wertschätzung bleiben viele Ausbildungsplätze unbesetzt.

Eine Bertelsmann-Studie aus dem vergangenen Jahr zeigte bereits, dass Ausbildung für viele Jugendliche attraktiver ist als ein Studium. Mit etwas anderer Fragestellung war das Ergebnis hier, dass 43 Prozent eine Ausbildung anstreben, 40 Prozent die Hochschule. Die neue Befragung bestätigt diesen Trend.

Die aktuelle Studie zeigt außerdem: Die Berufsausbildung wird wertgeschätzt. Knapp neun von zehn Befragten sehen die Ausbildung als gute Basis für die berufliche Karriere. Mehr als jede siebte befragte Person geht außerdem davon aus, sich mit einer Berufsausbildung später ein gutes Leben leisten zu können.

Studien-Boom vorbei?

Vor ein paar Jahren sah das noch anders aus: Im Jahr 2011 war das Studium das Nonplusultra für junge Menschen nach dem Schulabschluss. Dort erreichte die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger in Deutschland mit 519.000 ihren bisher höchsten Stand, so das Statistische Bundesamt.

Ringen um Studierende nach G9 Umstellung

2011 gab es laut Statistischem Bundesamt die meisten Studienanfängerinnen und -anfänger in Deutschland.

Azubis größtenteils zufrieden mit ihrer Ausbildung

Unter den Auszubildenden sind laut Studie neun von zehn Befragten mit ihrer Ausbildung zufrieden. Rund 87 Prozent würden sich noch einmal für ihren Ausbildungsberuf entscheiden. Besonders positiv bewertet wird von 86 Prozent der Befragten die Atmosphäre in ihrem Team.

Eine Auszubildende zur Metallbauerin arbeitet im AusbildungsCampus Butzweilerhof in Köln mit einem Schleifgerät (Archivfoto vom 03.03.2026)

Die Auszubildenden schätzen laut der Studie besonders die Atmosphäre in ihrem Team.

Fast genauso viele geben an, regelmäßig Neues zu lernen und ihre Aufgaben als sinnvoll zu empfinden. 79 Prozent sagen, sie hätten häufig oder fast immer Spaß bei der Arbeit und beim Lernen.

"Die Berufsausbildung bekommt von den Auszubildenden ein sehr gutes Zeugnis. Das ist eine erfreuliche Nachricht für die jungen Menschen und für die Betriebe. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten bietet eine gute Ausbildung eine tragfähige Grundlage für den weiteren Berufsweg", sagt Fabian Schaffer, Experte der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung.

Befragung unter Schülern und Auszubildenden

Für die Studie haben die Autoren im Frühjahr 1.763 junge Menschen im Alter von 14 bis 25 Jahren sowie 1.325 Auszubildende im Alter von 15 bis 25 Jahren befragt. Rund ein Drittel der befragten Schüler sagt, sie wollen nach dem Abschluss eine Ausbildung anfangen.

Viele Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt

Trotz des guten Rufs der Ausbildung bleiben viele Stellen unbesetzt. 2025 haben laut Berufsausbildungsbericht rund 84.000 Bewerberinnen und Bewerber keinen Ausbildungsplatz bekommen, ein Anstieg von rund 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig blieben 54.400 Ausbildungsstellen unbesetzt.

Eine junge Frau mit blauen Gummihandschuhen und weißer Kleidung sticht einem älteren Herren mit eine Lanzette in den Finger, um seinen Blutzucker zu messen.

Ausbildungsplätze gibt es zum Beispiel in der Pflege.

Laut Bertelsmann-Studie hat das verschiedene Gründe: Stellen und Bewerber befänden sich nicht immer in derselben Region oder würden in berufsfachlicher Hinsicht nicht zusammenpassen. Hinzu kommen Auswahlverfahren, bei denen Schulnoten wichtiger sind als Motivation und praktische Fähigkeiten.

Schüler mit schlechten Noten sind pessimistisch

Die Befragung zeigt auch, dass vor allem junge Menschen mit einem niedrigeren Schulabschluss ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt pessimistisch sehen: 38 Prozent von ihnen glauben nicht daran oder sind sich nicht sicher, dass sie einen Ausbildungsplatz finden werden.

Die Autoren sehen das problematisch, weil eine Ausbildung für diese jungen Menschen der beste Weg für den Einstieg ins Berufsleben ist. 2025 habe die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss bei 21 Prozent gelegen.

Was muss passieren?

Die Bertelsmann-Stiftung empfiehlt Unternehmen, den Einstieg in ihr Unternehmen für junge Menschen zu erleichtern. Zum Beispiel durch längere Praktika oder die Möglichkeit, eine assistierte Ausbildung zu machen. Zudem sollten Schulnoten nicht allein über Zu- oder Absage entscheiden.

"Um die Ungelerntenquote zu senken und dem Fachkräftemangel zu begegnen, muss der Einstieg in die Ausbildung so niedrigschwellig wie möglich gestaltet sein." Fabian Schaffer, Experte der Bertelsmann Stiftung für berufliche Bildung

Auch die berufliche Orientierung, also der Prozess, in dem junge Menschen herausfinden, was für einen Beruf sie lernen wollen, müsse verbessert werden. Laut Studie finden die meisten Befragten, dass es genügend Informationen gibt. Mehr als die Hälfte findet sich darin aber nur schwer zurecht. Hier empfiehlt die Studie, junge Menschen früher und individueller zu beraten - auch außerhalb der Schule.

Unsere Quellen:

  • Bertelsmann-Studie "Ausbildungsperspektiven 2026"
  • Bertelsmann Berufsausbildungsbericht 2025
  • Statistisches Bundesamt

Ausbildung beliebter als Studium

WDR 23.07.2026 01:15 Min. Verfügbar bis 23.07.2028

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Sendung: WDR.de, Ausbildung beliebter als Studium, 23.07.2026, 05:01 Uhr

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