Ausgestelltes BYD Dolphin Surf Elektroauto

Neue Strategie Chinesische E-Autos machen deutschen Marken Konkurrenz

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Zu haben sind sie schon länger, aber chinesische Autos sind immer noch selten auf deutschen Straßen. Das soll sich jetzt ändern.

Von Arndt Brunnert

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München im Herbst 2025. Der chinesische Autohersteller Build Your Dreams oder kurz BYD eröffnet seinen noblen Flagship-Store nahe der Altstadt der bayerischen Metropole. “Deutschland ist ein Schlüssel, eine Schlüsselregion in BYDs Plänen“, sagt BYD-Vizepräsidentin Stella Li.

Nur auf Deutschlands Straßen sieht man davon noch nichts. Chinesische Autobauer kamen zuletzt auf einen Marktanteil von rund 2,5 Prozent in Deutschland. Einzig BYD und MG, die ehemals britische globale Marke des chinesischen Staatskonzerns Shanghai Automotive Industry Corporation SAIC Motor, kamen auf nennenswerte Stückzahlen. Verspätete Starts, falsches Marketing, falsche Modelle haben den Chinesen das Geschäft vermasselt.

Die chinesischen Hersteller hätten unglaublich viel ausprobiert, sagt der Analyst Christoph Stürmer: "Man glaubte ja, dass man - nach dem Beispiel von Tesla gar keinen klassischen Handel mehr braucht. Man bestellt sie im Internet und holt sie sich irgendwo in Rotterdam an einem Hafenparkplatz ab. Das hat sich nicht bewährt.

Chinesen setzen jetzt auf Händler

BYD hat schon recht früh begonnen ein Händlernetz aufzubauen. Die anderen Konzerne folgen allmählich. Der Youngster unter den Firmen, Leapmotor, hat es da verhältnismäßig leicht. Teilhaber Stellantis öffnet die Türen zu den Händler von Opel, Fiat und Jeep. Great Wall Motors (GWM) hat sich mit dem großen europäischen Importeur Emil Frey zusammengetan, nachdem eigene Versuche, Fuß zu fassen, gescheitert sind.

Weisse BYD-Modelle im Showroom eines Dortmunden Händlers - mit roten Geschenkschleifen verziert

Chinesische E-Automodelle im Showroom eines Dortmunder Händlers

BYD will bis Ende des Jahres rund 350 Händler an sich binden - mehr als Volvo oder Kia haben. MG und GWM planen mittelfristig mit 250. Dabei treffen die Hersteller auf Händler, die durchaus bereit sind, mal etwas Neues auszuprobieren und eine chinesische Marke anzubieten - meist unter vielen anderen.

Andreas Knipp ist Sprecher der BYD-Händler und arbeitet für die Senger-Gruppe aus Dortmund, die auch Mercedes oder VW verkaufen: "BYD kennt sich mit dem Herzstück der Elektromobilität aus, das ist die Batterie und auch die IT und die Software. Wir haben uns die Fahrzeuge in China vor Ort angeschaut und waren sehr positiv von den Produkten überzeugt.

Der Konzern aus Südchina ist zudem ein Privatunternehmen und dürfte den Verdrängungswettbewerb in China überleben. Viele der rund 100 Marken in dem asiatischen Land werden das nicht. Auch darauf müssen Händler achten.

Teure Stromer und billige Benziner

Oft nehmen deutsche Händler Elektromodelle in ihr Sortiment, die ihr Angebot ergänzen. Oder Benziner wie bei MG, die das Angebot bei preiswerten Autos abrunden. Dass Kunden zum Beispiel statt eines VW ID 3 einen MG4 wählen, sich die Marken also gegenseitig kannibalisieren, glauben die Händler nicht. Ein Soester Händler hat die Erfahrung gemacht, dass viele Neukunden bislang Ford gefahren sind.

BYD - Ernsthafte Konkurrenz für deutsche Autobauer?

WDR 01.06.2026 04:04 Min. Verfügbar bis 31.05.2028 WDR Online

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Um die Händler zu binden, kommen ihnen die Chinesen weit entgegen. Einen Showroom oder die Werkstatt auszustatten ist deutlich günstiger als bei europäischen Marken und - auch das ein wichtiger Punkt - Chinesisch muss in der Werkstatt niemand pauken. Englisch wäre aber hilfreich. Wobei sich die Händler auf eines einstellen müssen, sagt Andreas Knipp: "Der Hersteller erfindet sich laufend neu. Das ist auch Teil der DNA, Prozesse werden geändert, Personalien ändern sich.“ Händler müssten deshalb flexibel sein.

Ehrgeizige Pläne

Die Ziele der Chinesen sind ambitioniert: BYD will die Verkäufe in Deutschland bis Ende des Jahres auf 50.000 verdoppeln und würde damit Hersteller wie Mazda, Tesla oder Nissan überholen. MG will satte 14 Prozent zulegen und rund 30.000 Autos verkaufen. Der Vertriebsexperte Professor Stefan Reindl glaubt nicht, dass die Chinesen sich hier schnell etablieren. "Das hat etwas zu tun damit, dass die meisten Marken sehr, sehr unbekannt sind und eine Vielzahl von Marken auf einen Schwung hier aufschlagen.

Reindl warnt vor Billigangeboten und Preiskämpfen, wie es sie derzeit in China gibt. Das wecke nur Skepsis. Ein gutes Händlernetz, viel Werbung und Vertrauensbildung sei nötig. Deshalb engagierte sich BYD zum Beispiel bei der Fußball-EM 2024 als Sponsor.

Bedenkt man die Kosten für eine neue Marke, muss der Händler schon einige Autos verkaufen: "Für Newcomer denke ich 500 Neufahrzeuge im Jahr aufwärts. Und für etablierte1.000 und mehr pro Händlerstützpunkt aufwärts,“ sagt Professor Reindl. Knipp rechnet für die Marke BYD der Senger Gruppe mit rund 400 Autos pro Jahr - und das sei schon recht viel.

Punkten mit Batterie-Technik

Außer dem Ausbau des Händlernetzes setzen die Chinesen auf neue Technologien bei den Batterien ihrer Elektroautos - eine Kernkompetenz etwa bei BYD. Der Konzern aus Shenzen will in Kürze eine Feststoffbatterie anbieten, arbeitet aber auch an einer Weiterentwicklung seiner Blade Batterien, die Eisenphosphat verwenden. BYD verspricht mehr Ladezyklen, preiswertere Herstellung und eine geringere Brandgefahr.

Ähnliche Ziele verfolgt auch MG, sagt Europachef Tom Wharf beim MG Tech-Treff: "Wir sind sehr stolz, die erste Marke zu sein, die eine serienmäßig produzierte Halbfestkörperbatterie auf den Markt bringt. Sie ist robust, sicher und sehr effizient.“

Chinesische Autos aus Europa

Hinzu kommt: Einige chinesische Autobauer wollen künftig in Europa produzieren. Die BYD-Fabrik in Ungarn ist im Testlauf. Die MG-Mutter SAIC will in Spanien bauen, hat aber auch mit VW über die Nutzung freiwerdender Fließbänder in deutschen VW-Werken verhandelt. Auch X-Peng spricht darüber mit VW. Beide sind Partner in China. Der Vorteil für die chinesischen Autobauer liegt auf der Hand: Sie müssten keine europäischen Ausgleichszölle mehr zahlen, weil sie nicht mehr aus China in die EU exportieren. Und damit könnten die Chinesen hier ihre Preise senken und ihre Chancen auf Kunden in Deutschland und Europa verbessern.

Unsere Quellen:

  • Andreas Knipp, Sprecher des BYD-Händlerverbandes,
  • Professor Stefan Reindl, Hochschule Nürtlingen/Geislingen
  • Christoph Stürmer, Analyst CS-Beratung
  • Jörg Machalirtzky, Sprecher GWM Deutschland
  • MG-Händler

Sendung: WDR 5, "Das Wirtschaftsmagazin", 01.06.2026, 13:35 Uhr

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Nikolaus Widmann 03.06.2026, 06:38 Uhr

    Ich finde es gut dass die Chinesen endlich Gas geben, die deutschen Autohersteller haben lange genug die Handbremse gezogen, nun kommt die Strafe dafür.

  • 3 Klaus K. 02.06.2026, 22:34 Uhr

    Händler verkaufen die Autos mit denen sie Geld verdienen. Gerade auch Konzerne wie Frey Schauen wir was aus der Absicht zu wollen wird. Die Zulassungszahlen z.B. von BYD sind durch Verkäufe an Autovermieter getrieben. Das erfolgt zu Bedingungen die Normalkunden blass werden lassen. Ziel ist es dabei die Kunden der Vermieter vom Produkt zu begeistern und Zulassungen zu generieren durch Flottenverkäufe. Ich persönlich fand z.B den BYD Seal U Hybrid den mir ein Vermieter als "upgrade" gegeben hat vom Komfort, Fahrwerk und Motor richtig schlecht. Ich war froh am Ziel zu sein. Zudem stört mich der unfaire Wettbewerb von in China unter Subventionen und anderen Lohnstrukturen gebauten Fz mit denen aus Europa/Deutschland

  • 2 Helmuth 02.06.2026, 19:00 Uhr

    Meiner Meinung nach sollten sich die demokratisch regierte Staaten mit möglichst gleichen und abgestimmten Regeln zusammenschließen und gemeinsame internationale Initiativen durchführen. Die USA gehören meiner Meinung nach momentan nicht dazu. Auch mögliche gemeinsame Nachteile müssen akzeptiert und von der Bevölkerung getragen werden. Ob dies möglich ist sollte die EU vormachen muss diskutiert werden.

  • 1 Oliver 02.06.2026, 17:41 Uhr

    Chinesische Autos aus Europa Hinzu kommt: Einige chinesische Autobauer wollen künftig in Europa produzieren. Die BYD-Fabrik in Ungarn ist im Testlauf. Die MG-Mutter SAIC will in Spanien bauen, hat aber auch mit VW über die Nutzung freiwerdender Fließbänder in deutschen VW-Werken verhandelt. Auch X-Peng spricht darüber mit VW. Beide sind Partner in China. Der Vorteil für die chinesischen Autobauer liegt auf der Hand: Sie müssten keine europäischen Ausgleichszölle mehr zahlen, weil sie nicht mehr aus China in die EU exportieren. Und damit könnten die Chinesen hier ihre Preise senken und ihre Chancen auf Kunden in Deutschland und Europa verbessern. VW würde einem großen Konkurrenten helfen hier noch billiger anbieten zu können.... Finde den Fehler

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