Fische werden in der Forellenzucht des Familienunternehmens Mohnen aus einem Kescher in einen Fischbottich gelassen.

Besonders Forellen leiden unter der andauernden Hitze.

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Fischzucht NRW Wie die Hitze der Forelle zu schaffen macht

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Langanhaltende Dürre und warme Gewässer sind nicht nur ein ökologisches Problem - sie werden für Fischzüchter, Teichwirte und Aquakulturbetriebe in NRW zum handfesten Geschäftsrisiko. Der Sauerländer Fischzüchter Norbert Linn zu den aktuellen Herausforderungen der Branche sowie möglichen Lösungsansätzen.

WDR: Erklären Sie uns doch bitte einmal, ob es die Trockenheit ist, die den Fischzüchtern Probleme macht oder das warme Wasser und die Hitze?

Norbert Linn: Ja, beides. Die Trockenheit hat zur Folge, dass die Wasserführung des Forellenbaches, den wir nutzen, sehr stark zurückgeht. Der Nachteil ist dann: Bei dem wenigen Wasser, das durch den Bach fließt, erwärmt sich das Wasser verhältnismäßig stark. Wir erleben Temperaturen, die wir eigentlich noch nie so hatten und die schon bald die Lebensfähigkeiten der Forellen gefährden.

WDR: Was machen Sie, damit die Forellen bei Ihnen im Teich überleben?

Norbert Linn: Zunächst einmal wird den Teichen Sauerstoff zugeführt. Der Sauerstoffgehalt wird gemessen und auch überwacht. Das funktioniert alles. Aber wenn die Wassertemperatur an die 24 Grad kommt, dann ist das für die Forelle nicht mehr lebensfähig. Wir beugen vor, in dem der Bestand bei den warmen Temperaturen nicht mehr gefüttert wird. Das wirkt sich natürlich sehr nachteilig aus. Denn wenn die Fische bei warmem Wasser verdauen wollen, dann werden sie werden eher schwächer. Aber die Fische jetzt noch zu füttern, ist sehr problematisch - das könnte ihnen das Leben kosten.

Unter Wasser schwimmende Regenbogenforelle

Die Forelle ist auf sauerstoffreiches Wasser angewiesen.

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WDR: Sie haben die Möglichkeiten, Sauerstoff zuzuführen. Ist das überall so? Haben alle Fischzüchter das inzwischen oder müssen die Teiche wegen des Wetters nachgerüstet werden?

Norbert Linn: Ja, viele Fischzüchter haben das schon. Nicht alle, aber letztendlich sind ja auch diese Temperaturen ungewöhnlich. Während man sonst vielleicht zurechtkam mit etwas weniger Sauerstoff, hat sich das in diesem Jahr bei den hohen Temperaturen drastisch geändert. Bei uns ist die Technik auch vor Ort. Wir machen auch Technik für die Fischzucht, so dass wir das Problem im Griff haben. Aber das Wasser wird in den Teichen jetzt schon künstlich zirkuliert, also es wird wieder zurückgepumpt, wieder genutzt. Es ist nicht so ganz einfach im Moment.

WDR: Bleibt die Forelle denn der Fisch der Wahl in Nordrhein-Westfalen? Das ist vermutlich der Hauptfisch, der hier gezüchtet wird oder muss man da irgendwie umdenken?

Norbert Linn: Ja, das ist eine gute Frage. Wir haben uns natürlich gefragt, ob wir umdenken können. Aber dann würde es natürlich eine Sauerländer-Forelle nicht mehr geben. Und das ist eine schwerwiegende Sache. Ehe man sich umstellt, überlegen wir eher andere Faktoren: Wie bekommen wir das Wasser etwas runtergekühlt? Was können wir technisch machen? Das würden wir versuchen, ehe wir unsere über fast 100 Jahre alte Produktion von Forellen aufgeben.

WDR: Ich gehe mal davon aus, Sie wollen keine Eiswürfel hineinwerfen. Wie würden Sie das Wasser langfristig kühler bekommen?

Norbert Linn: Das sind Überlegungen, die hier stattfinden: Vielleicht über eine Flächenkühlung im Grund oder indem wir etwas kühleres Grundwasser zupumpen. Wie die Lösung genau aussehen soll, ist noch offen. Das sind auch Anforderungen, die jetzt gerade anstehen. Man hat da nicht sofort eine Lösung.

WDR: Wäre irgendein anderer Fisch eine Lösung? Also von Baumzüchtern höre ich immer, dass sie andere Bäume pflanzen als sie vor zehn, zwanzig Jahren gepflanzt haben.

Bachforelle und Steinforelle (Salmo trutta fario) vor dem Besatzfischtransport

Forellen zählen zu den Edelfischen und sind beliebte Speisefische.

Bildquelle: imago stock&people

Norbert Linn: Ja, das wäre eventuell eine Möglichkeit, aber die Forelle ist ein Edelfisch. Sie könnte so schnell kein anderer Fisch ersetzen. Dann müsste man auf einen Wels gehen oder ähnliches, die warme Temperaturen vertragen. Aber das fällt mir natürlich sehr schwer.

WDR: Was sind das für Maßnahmen, die Sie sich sonst noch vorstellen können?

Norbert Linn: Es ist in Erwägung gezogen geworden, eine Flächenkühlung zu machen. So wie Sie es bei Einfamilienhäusern kennen: Dass man in der Fläche auf 1,5 Meter praktisch Kühlschlangen legt und dort Wasser durchführt. Und so die Temperatur dann etwas herunterbekommt.

WDR: Das klingt jetzt alles nicht ganz billig. Kann ein Fischzüchter sich das leisten?

Norbert Linn: Sehr schwer, weil die kleineren Fischzuchten sind sehr stark zurückgegangen. Es ist die Frage, ob der Preis der Forelle das entsprechend hergibt. Man muss wissen, dass wir gar nicht mehr so stark von unseren einheimischen Forellen im Sauerland abhängig sind. Es wird sehr viel importiert und da entscheidet dann der Preis. Der Preis von dem Fisch entscheidet die ganze Investition.

WDR: Diese ganzen Investitionen kosten viel Geld. Inwiefern werden wir das an der Fischtheke zu spüren bekommen?

Norbert Linn: Viele Preiserhöhungen werden aufgefangen. Wir können nicht einfach Preise erhöhen, weil es uns hier gerade schlecht geht. Es kommen sehr viele Fische aus den nahe gelegenen Ländern und da lässt sich nicht ohne weiteres - wie das Landwirte sagen - ‘Wir möchten jetzt fünf Cent für die Milch mehr haben‘. Das ist sehr schwierig - und bei den Forellen ist das genauso schwierig.

Forellenzüchter zu Hitze: Wenn das Wasser kippt – wie Hitze und

WDR 10.08.2026 6 Min. 2 Sek. Verfügbar bis 09.08.2028 WDR Online

WDR: Das heißt, wir werden es an der Fischdecke gar nicht merken, dass Sie Probleme haben?

Norbert Linn: Gar nicht kann man nicht sagen. Wir haben jetzt zum Beispiel bei den Frachtkosten vom Futter enorme Preissteigerungen. Es wird sich schon geringfügig auswirken, aber ich glaube, unsere Zunft ist nicht immer sofort bei der Preiserhöhung dabei.

Das Interview führte Michael Westerhoff für das WDR 5-Wirtschaftsmagazin. Es wurde für eine bessere Lesbarkeit in der Schriftform sprachlich leicht angepasst, ohne den Inhalt zu verändern.

Unsere Quellen:

WDR-Interview mit Norbert Linn, Fischzüchter

Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 10.08.2026, 13:35 Uhr

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