Die Sonne geht hinter technischen Anlagen eines Erdgasspeichers unter

Etwa 40 Gasspeicher tragen in Deutschland dazu bei, dass Wohnungen und Büros selbst an kalten Wintertagen warm bleiben.

Bildquelle: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Deutsche Gasspeicher Halb voll - Reicht das Gas für den Winter?

Stand:

Jetzt ans Heizen denken? "Auf alle Fälle" heißt die Antwort für alle, die mit Gas heizen. Denn die Gasspeicher in Deutschland sind nur halb gefüllt. Das könnte auch für Verbraucherinnen und Verbraucher Folgen haben. Sie sollten deshalb jetzt die eigenen Verträge prüfen.

Von
Autorenbild Sebastian Moritz
Sebastian Moritz
und Birgit Eger

Die rund 40 deutschen Gasspeicher sind derzeit nur gut zur Hälfte gefüllt. Das geht aus einer Analyse des Gasspeicherverbands INES hervor. Anfang September lag der Füllstand demnach bei rund 53 Prozent - so wenig wie seit 15 Jahren nicht. Vor einem Jahr waren es zum gleichen Zeitpunkt noch rund 71 Prozent.

Für die Gasreserven gibt es gesetzliche Vorgaben. Die meisten Speicher sollen zum 1. November zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein. Ob tatsächlich Gas eingespeichert wird, hängt allerdings auch von den wirtschaftlichen Bedingungen ab. Und die sind für Gashändler derzeit ungünstig.

Unsicherheit am Gasmarkt

Normalerweise kaufen Händler Gas in den wärmeren Monaten zu niedrigen Preisen ein, speichern es und verkaufen es im Winter teurer weiter. Dieses Geschäftsmodell funktioniert allerdings nur, wenn die Preisdifferenz groß genug ist, um die Kosten der Speicherung zu decken.

Handelsschiffe liegen in der Nähe von Chasab, einer Kleinstadt im Norden Omans, in der Straße von Hormus.

Der Konflikt im Nahen Osten sorgt an den Energiemärkten für Unsicherheit.

Bildquelle: dpa / Wen Xinnian

Aktuell ist der Gaspreis aber bereits im Sommer vergleichsweise hoch. Durch den Krieg im Nahen Osten sind die europäischen Großhandelspreise stark gestiegen. Eine Megawattstunde Gas kostet derzeit mehr als 70 Euro. Vor Beginn des Iran-Kriegs waren es nur gut 30 Euro.

Händler und Versorger, die jetzt zu hohen Preisen Gas kaufen und einlagern, wissen also nicht, ob sie es im Winter zu einem noch höheren Preis verkaufen können. Entsprechend gering sind die wirtschaftlichen Anreize, zusätzliches Gas einzuspeichern.

Bei extremer Kälte wird es knapp

Nach Berechnungen des Gasspeicherverbandes wäre es technisch noch möglich, die Speicher bis zum 1. November auf rund 77 Prozent zu füllen. Dafür müsste das Tempo der Einspeicherung allerdings deutlich steigen.

Minus 11 Grad zeigt ein vereistes Thermometer

An besonders kalten Wintertagen steigt der Gasverbrauch deutlich.

Bildquelle: Matthias Strauß / dpa

Ob diese 77 Prozent dann für den kompletten Winter reichen würden, hängt dann vor allem von den Temperaturen ab. Bei einem milden oder durchschnittlich kalten Winter wäre die Gasversorgung gesichert. Selbst Anfang April wären die Speicher dann noch zu rund 38 Prozent gefüllt.

Anders sähe es bei einem extrem kalten Winter aus, wie Deutschland ihn zuletzt 2010 erlebt hat. Dann würden auch zu 77 Prozent gefüllte Speicher nach den Berechnungen nicht ausreichen. Im Januar könnte es an einzelnen Tagen zu erheblichen Fehlmengen kommen.

Leere Speicher bedeuten nicht automatisch Gasmangel

Leere Speicher bedeutet allerdings nicht, dass Deutschland dann automatisch kein Gas mehr hätte. Auch während des Winters wird laufend Gas importiert.

Ein großer Teil kommt über Pipelines nach Deutschland, vor allem aus Norwegen sowie über die Niederlande und Belgien. Hinzu kommt Flüssigerdgas, sogenanntes LNG, das mit Tankschiffen nach Europa transportiert und an LNG-Terminals in die Gasnetze eingespeist wird.

Die Speicher sind vor allem wichtig, um Verbrauchsspitzen auszugleichen. An sehr kalten Wintertagen wird besonders viel Gas zum Heizen benötigt. Dann kann zusätzlich zu den laufenden Importen Gas aus den Speichern entnommen werden. Je niedriger der Füllstand eines Speichers ist, desto geringer kann allerdings auch die Menge werden, die kurzfristig ausgespeichert werden kann.

So würde Gas im Notfall verteilt

Sollte es im Winter tatsächlich zu einer Gasknappheit kommen, wären private Haushalte besonders geschützt. Das gilt auch für wichtige soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime.

Gasspeicher so leer wie seit 15 Jahren nicht

WDR 08.09.2026 46 Sek. Verfügbar bis 07.09.2028 WDR Online

Zunächst müssten vor allem Unternehmen ihren Gasverbrauch reduzieren. Industriebetriebe könnten etwa ihre Produktion drosseln, Anlagen herunterfahren oder – soweit technisch möglich – auf andere Energieträger ausweichen.

Bei einer schweren Gasmangellage könnte die Bundesnetzagentur darüber entscheiden, welche Verbraucher noch mit Gas versorgt werden. Private Haushalte und andere geschützte Kunden würden dabei vorrangig versorgt.

Warum Experten trotzdem gelassen bleiben

Die Bundesnetzagentur bezeichnet den Füllstand der Gasspeicher gerade als "nicht zufriedenstellend". Sie weist aber darauf hin, dass in den vergangenen Jahren mehr Liefermöglichkeiten für Gas geschaffen worden sind: Nicht nur neue Pipeline-Verbindungen wurden errichtet, auch mehr Häfen für Flüssiggas konnten gebaut werden. Das macht Lieferungen flexibler. So kann auch im Winter Gas nachgeliefert werden.

Nahostkonflikt treibt Preise nach oben

Niedrige Speicherstände würden die bereits angespannte Lage auf den Energiemärkten in der kommenden Heizsaison weiter verschärfen, erklärte Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands gegenüber der Rheinischen Post.

Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands
"Für Privathaushalte kann das höhere Energiepreise bedeuten." Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen

Gasvertrag, Preisbindung, Anbieterwechsel: Was jetzt wichtig ist

Die höheren Großhandelspreise machen sich inzwischen auch bei Verbrauchern bemerkbar. Besonders betroffen sind Haushalte, die derzeit einen neuen Gasvertrag abschließen. Nach Berechnungen des Verbraucherportals Finanztip zahlen Neukunden aktuell gut zwölf Cent für eine Kilowattstunde Gas. Anfang des Jahres waren es noch gut neun Cent.

Bei einem Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden entspricht ein Preisanstieg um drei Cent Mehrkosten von rund 450 Euro im Jahr. Bei einem Einfamilienhaus mit höherem Gasverbrauch können es 500 oder 600 Euro sein.

Gasspeicher halb voll - Studio Gespräch mit Tobias Reckmann | Aktuelle Stunde

Bildquelle: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Aktuelle Stunde 20.08.2026 33 Min. 38 Sek. UT Verfügbar bis 20.08.2028 WDR

Wer noch einen laufenden Vertrag mit Preisgarantie hat, merkt von den gestiegenen Großhandelspreisen zunächst nichts. Läuft die Preisgarantie aus, können allerdings auch für diese Haushalte höhere Kosten entstehen.

Preise sinnvoll vergleichen

Preisvergleichsportale im Internet können praktisch sein. Aber einen aussagekräftigen Vergleich erhält man nur, wenn man die Voreinstellungen der Suchmaske rausnimmt, empfiehlt die Verbraucherzentrale. So sollte man zum Beispiel die Bonuszahlungen nicht mitberechnen und sich auch Angebote anzeigen lassen, die nicht direkt über die Portale abgeschlossen werden können. Auch den Aspekt "hohe Kundenempfehlung" entfernen, raten die Verbraucherzentralen. Denn eine Empfehlung kann nur für Unternehmen abgegeben werden, denen das Portal eine Provision zahlt. Die ausführlichen Tipps stehen auch auf der Internetseite der Verbraucherzentralen.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Halb voll - Reicht das Gas für den Winter?, 08.09.2026, 12:49 Uhr

Weitere Beiträge aus der Wirtschaft

1 / 2