An den Häfen in China werden Güter für den Welthandel umgeschlagen.
Bildquelle: dpa/ Yang ShiyaoMaschinenbau, Chemie und jede Menge gut ausgebildete Fachkräfte - all das gibt es in Nordrhein-Westfalen. Und genau das macht das Land auch für China interessant. Denn viele Branchen, die hier zu Hause sind, werden auch dort gebraucht. So sind über die Jahre enge Handelsbeziehungen zwischen NRW und China entstanden.
Und diese Verbindung funktioniert in beide Richtungen: Während Unternehmen aus NRW ihre Produkte nach China verkaufen, kommen umgekehrt viele Waren und Bauteile von dort zu uns. Oft sind es wesentliche Bestandteile für die Produktion. Seit Jahren gehört China deshalb zu Deutschlands wichtigsten Lieferanten - noch vor den Niederlanden und den USA.
Exporte aus NRW nach China sinken
Während die Importe aus China nach Deutschland weiter steigen, gehen die Exporte in die andere Richtung zurück. 2025 wurden deutschlandweit rund zehn Prozent weniger Waren nach China verkauft als noch im Jahr zuvor. Auch in NRW steigen die Importe aus China und die Unternehmen aus NRW verkaufen weniger dorthin. Gleichzeitig wächst der Druck durch die chinesische Konkurrenz.
Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), sagt dazu: "Der Wettbewerb mit China hat ein neues Ausmaß erreicht [...] Chinesische Unternehmen konkurrieren längst nicht mehr nur über Menge und Preis. Sie sind technologisch stark, innovativ und international immer präsenter."
Konkurrenz aus China nimmt zu
Gut zwei Drittel der befragten Unternehmen in Nordrhein-Westfalen nehmen eine zunehmende Konkurrenz aus China wahr, heißt es in einer Sonderumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer. Besonders zu spüren bekommen das Firmen, die stark auf dem chinesischen Markt vertreten sind.
Rund 90 Prozent der Betriebe mit eigenem Standort im Land berichten von einem deutlich härteren Wettbewerb. Doch der macht längst nicht an der Landesgrenze halt, auch Firmen ohne direkte Geschäfte mit China bemerken den steigenden Wettbewerb auf dem Markt.
Innovation statt Rückzug
Für die meisten Unternehmer ist der steigende Druck aber kein Grund, sich aus der Volksrepublik zurückzuziehen. Stattdessen setzen sie vor allem auf Produktinnovationen und Kostensenkungen in der Herstellung und in der Verwaltung. Aber auch die Erschließung neuer Absatzmärkte hilft den Unternehmen, mehr Waren abzusetzen.
"Das ist ein starkes Signal: Die Unternehmen ergeben sich nicht ihrem Schicksal." Volker Treier,
Deutsche Industrie- und Handelskammer
Die Sonderumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer zeigt aber auch: Fast jedes dritte Unternehmen baut die Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern weiter aus.
"China ist also sowohl Rivale als Partner für NRW", ergänzt Ralf Schlindwein, fachpolitischer Sprecher für Außenwirtschaft der Industrie- und Handelskammer in NRW. Demnach ist China der zweitwichtigste Handelspartner für Nordrhein-Westfalen. Der Export von Waren nach China beträgt neun Milliarden Euro. Gleichzeitig importiert NRW Waren im Wert von 37 Milliarden Euro aus China.
"Unsere Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen sind stark in China investiert und verkaufen dort im Markt ihre Produkte und sie kooperieren auch stark mit chinesischen Unternehmen." Ralf Schlindwein, Fachpolitischer Sprecher Außenwirtschaft der Industire- und Handelskammer in NRW
Für die Experten ist das ein Zeichen dafür, dass sich die Firmen trotz des wachsenden Wettbewerbs nicht zurückziehen.
Unternehmen fordern mehr Maßnahmen
Die Handelsbeschränkungen, die China wegen des Konflikts mit den USA für bestimmte Vorprodukte und Rohstoffe eingeführt hat, treffen auch die Industrie in NRW. Deshalb wünschen sich viele Firmen mehr Geschlossenheit von der Politik. Die DIHK-Umfrage zeigt: Zwei Drittel der befragten Unternehmen sprechen sich dafür aus, dass Europa in der Außenwirtschaft stärker gemeinsam auftritt.
Gleichzeitig wollen viele Betriebe unabhängiger von einzelnen Lieferanten werden und strategische Abhängigkeiten abbauen. Für Treier ist dabei klar: "Die Unternehmen wollen fairen Wettbewerb statt Abschottung. Europa muss Wettbewerbsverzerrungen entschlossen ansprechen und begegnen."
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung zur Blitzumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer
- Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 20.02.2026
- Zahlen des Statistischen Landesamtes NRW
- Zahlen des Landesbetriebs IT.NRW
- Nachrichtenagentur dpa
- WDR-Interview Ralf Schlindwein, Industrie- und Handelskammer NRW
Sendung: WDR.de, So läuft der Handel mit China, 03.09.2026, 10:30 Uhr
