Eine Krankenpflegerin reicht einem Patienten in einem Klinikum ein Glas Wasser

Hochsommer in NRW Hitzeschutz in vielen Krankenhäusern unzureichend

Stand:

Klimaanlagen in der Notaufnahme? In vielen Kliniken ist das Fehlanzeige. Das ist das vorläufige Ergebnis einer Umfrage.

Von Sabine Meuter und Ingrid Bertram

Temperaturen von über 30 Grad setzen vielen Menschen zu, manche müssen deswegen in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Doch ausgerechnet dort fehlt es offenbar vielerorts an Hitzeschutz. Das jedenfalls geht aus einer Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin (DGINA), der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaus Alarm- und Einsatzplanung (DAKEP) und der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensiv- und Notfallmedizin (DGIIN) hervor, die noch bis Dienstag läuft.

Es fehlen kühle Orte und Personal

Bislang haben über 200 Notaufnahmen, die Hälfte davon in NRW, geantwortet. Demnach sind Hitzebelastungen in rund zwei Drittel der Kliniken nicht in Krankenhauseinsatzplänen berücksichtigt. Es fehlen unter anderem kühle Räume und zusätzliches Personal. Auch ist nicht überall sichergestellt, dass es ausreichend Getränke gibt.

Auf Stationen und in Notaufnahmen fehlen Klimaanlagen

Wie unangenehm das ist, zeigte sich bei der Hitzewelle Ende Juni. "Nachdem wir die Patienten auf den Notaufnahmen behandelt haben, müssen wir die ja irgendwo hinlegen", sagte Martin Pin, Präsident der Gesellschaft für Notfallmedizin, der ARD. Er sprach von einem "totalen Mangel in vielen Häusern".

Denn in rund 80 Prozent der befragten Kliniken fehlen Klimaanlagen auf den Normalstationen, ebenso bei rund einem Drittel der Zentralen Notaufnahmen. Damit erklärt sich wahrscheinlich auch, dass es an dem Hitze-Wochenende Ende Juni in vielen Notaufnahmen Temperaturen über 32 Grad herrschten - so ein weiteres Ergebnis der Umfrage.

Fehlender Hitzeschutz in Notaufnahmen

WDR 12.07.2026 1 Min. 5 Sek. Verfügbar bis 11.07.2028 WDR Online

Ein Drittel der Kliniken schlecht auf Hitzewelle vorbereitet

Nach einer Empfehlung des Bundesgesundheitsministeriums sollte jedes Krankenhaus eine verantwortliche Stelle benennen, die für Hitzeschutz und die Umsetzung des Hitzeschutzplanes verantwortlich ist. Die vorläufigen Umfrageergebnisse zeigen, dass ein Drittel der Notaufnahmen schlecht auf die Hitzewelle vorbereitet waren. Nur ein Fünftel hingegen gut.

Rund 60 Prozent der Notaufnahmen geben an, dass sie im Zuge der zurückliegenden Hitzewelle überlastet waren. In einem Drittel der Kliniken mussten Patienten inn der Notaufnahme bleiben, weil es kein geeignetes stationäres Bett für sie gab. Ein Drittel der Kliniken geben an, dass trotz Bedarf kein weiteres Personal zur Verfügung stand.

Patienten und Beschäftigte mehr über Hitzeschutz informieren

Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt den Krankenhäusern Lüftungskonzepte, die hygienekonform sind, einen Plan, der kühle Räume ausweist, die Begrünung von Außenbereichen, Sonnenschutz und das Abschalten von großen wärmeproduzierenden Geräten, wenn sie nicht genutzt werden. Darüber sollen die Krankenhäuser mit Flyern und Plakaten informieren.

Erheblicher Investitionsbedarf in Krankenhäusern beim Hitzeschutz

Vor wenigen Tagen hatte sich NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit Vertretern des Gesundheitswesens über das Thema Hitzeschutz ausgetauscht.

"Wir müssen uns als Gesellschaft im Allgemeinen und unser Gesundheitssystem im Speziellen auf extreme Hitzeperioden einstellen." NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU)

Sascha Klein, Vizepräsident der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen, sagte bei dem Treffen, bei den Krankenhäusern gebe es einen erheblichen Investitionsbedarf, der eine langfristige Lösung brauche. Es sei "ein erster guter Schritt, dass die Richtlinien der Krankenhausförderung des Gesundheitsministeriums vorsehen, den Krankenhäusern in bedeutendem Umfang die notwendigen Investitionen für Klimaanpassungsmaßnahmen zu ermöglichen." Bis dass Kliniken in Sachen Hitzeschutz gut gewappnet sind, dürfte es also noch eine Weile dauern.

Unsere Quellen:

  • Zahlen der Gesellschaft für Notfallmedizin gegenüber der ARD
  • Bundesempfehlung "Musterhitzeschutzplan für Krankenhäuser"
  • Pressemitteilung der Landesregierung zu Beratungen mit Partnern des Gesundheitswesens über die Herausforderungen des Hitzeschutzes

Sendung: WDR.de, Hochsommer in NRW: Hitzeschutz in vielen Krankenhäusern unzureichend, 12.07.2026, 20:50 Uhr

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