Heimische Eichen gelten als wichtige Zukunftsbäume für den Waldumbau im Klimawandel.
Bildquelle: WDR / picture alliance / Nailia Schwarz/ShotshopDie aktuellen Waldbrände in Hürtgenwald in NRW zeigen einmal mehr, wie verletzlich unsere Wälder geworden sind. Die Folgen des Klimawandels mit steigenden Temperaturen und längeren Trockenphasen lassen sich nicht mehr ausblenden. Die Reaktion der Forstwirtschaft: Neue Konzepte und ein gezielter Waldumbau sollen die Wälder widerstandsfähiger gegen Hitze, Trockenheit und Extremwetter machen. Ziel ist ein klimafester Wald, der auch unter veränderten Bedingungen bestehen kann.
Abkehr von den Fichten
Im Mittelpunkt des Waldumbaus steht die Fichte. Laut dem Informationsdienst Privatwald macht sie noch immer fast ein Drittel der Baumarten in deutschen Wäldern aus. Jahrzehntelang galt sie als idealer Baum für die Holzproduktion. Sie wächst schnell, liefert begehrtes Bauholz und war wirtschaftlich besonders attraktiv.
Doch die Nachteile der Fichte werden in Zeiten des Klimawandels immer deutlicher. Sie ist anfällig für Trockenheit, Schädlinge und Waldbrände. Spätestens die Borkenkäfer-Epidemie ab 2018 machte die Schwächen großflächiger Fichtenbestände sichtbar. Die extrem trockenen Sommer ermöglichten es dem Käfer, sich massenhaft zu vermehren und ganze Waldflächen zu schädigen oder zu zerstören.
Abgestorbene Fichten dominieren in vielen Wäldern das Bild.
Bildquelle: dpaMillionenhilfen für Wiederbewaldung
Nach großen Schadereignissen wie Waldbränden, Stürmen oder Schädlingsbefall stellen Bund und Länder finanzielle Hilfen für die Wiederbewaldung bereit. In NRW wurden laut Landesregierung seit 2019 mehr als 181 Millionen Euro an Waldbesitzer ausgezahlt, unter anderem für die Beseitigung von Schäden sowie für Wiederbewaldung und Waldumbau.
Der Umbau der Wälder ist dabei ein zentrales Element der nordrhein-westfälischen Forstpolitik. Erst im April 2026 stellte die Landesregierung ihre neue Waldstrategie vor. Flächen, die in den vergangenen Jahren durch Borkenkäferbefall oder Waldbrände verloren gingen, sollen möglichst als artenreiche Mischwälder aufgeforstet werden.
Mischwald als Schutz vor Feuer
Der Wald der Zukunft soll naturnäher und vielfältiger werden. Statt großer Flächen mit nur einer Baumart setzen Förster zunehmend auf Mischwälder. Dabei wachsen verschiedene Baumarten nebeneinander und schaffen stabilere Ökosysteme.
Vor allem Laubbäume wie Buche, Eiche oder Ahorn gelten als vergleichsweise klimaresistent. Sie kommen häufig besser mit Trockenheit und höheren Temperaturen zurecht als viele Nadelbaumarten. Zudem enthalten sie weniger Harz, speichern mehr Feuchtigkeit und brennen langsamer. Mischwälder können Waldbrände zwar nicht verhindern, ihre schnelle und großflächige Ausbreitung aber erschweren.
Um Brandschneisen zu ziehen, kommen auch Panzer der Bundeswehr zum Einsatz - wie hier in Hürtgenwald.
Bildquelle: dpaZum Brandschutz gehören außerdem sogenannte Brandschneisen. Dabei handelt es sich um baumfreie oder nur spärlich bewachsene Streifen im Wald. Sie entziehen dem Feuer potenzielles Brennmaterial, erleichtern den Zugang für Einsatzkräfte und können größere Brände verlangsamen oder im Idealfall stoppen.
Waldumbau braucht Jahrzehnte
Trotz umfangreicher Förderprogramme bleibt der Waldumbau eine Aufgabe für Generationen. Selbst wenn heute neue Bäume gepflanzt werden, dauert es Jahrzehnte, bis daraus ein stabiler Wald entsteht.
„Im Forst ist es so, dass wir auch bei Baumarten, die wir relativ schnell ernten können, auf guten Standorten in der Regel mindestens 70 Jahre warten.“ Simon Respondek, Präsident des Bundesverbandes Freiberuflicher Forstsachverständiger und Freien Förster e.V. (BvFF)
Kurzfristig lassen sich geschädigte Bestände beseitigen und neue Baumarten pflanzen. Bis daraus jedoch ein widerstandsfähiger Mischwald entsteht, vergeht oft ein Menschenleben.
Hinzu kommen wirtschaftliche Herausforderungen. Der Umbau verursacht hohe Kosten, während die Erträge erst viele Jahrzehnte später anfallen. Für viele Waldbesitzer sind Fördergelder deshalb eine wichtige Voraussetzung, um den Wandel überhaupt umzusetzen. Denn wer vor Jahrzehnten eine bestimmte Baumart gepflanzt hat, fällt ungern heute wirtschaftlich noch nutzbare Bäume, um mit einer neuen Waldgeneration zu beginnen.
Der Hürtgenwald galt als Nicht-Hotspot für Waldbrände. Dennoch fielen mindestens 200 Hektar den Flammen zum Opfer.
Bildquelle: dpaWirtschaftsfaktor Holz bleibt wichtig
Trotz seiner Funktion als Klima- und Naturschutzraum bleibt der Wald ein bedeutender Rohstofflieferant. Holz wird für Möbel, den Hausbau, Papier, Energie und die Zellstoffproduktion benötigt.
Ein wachsender Teil des in Deutschland verwendeten Holzes stammt inzwischen aus dem Ausland, um da mitzuhalten. Auch deshalb werde man „langfristig auf große Bauholzproduktion nicht verzichten können“, schätzt der Forstexperte.
Allerdings liefern naturnahe Mischwälder andere Holzsortimente als klassische Fichtenforste. Eine große Eiche lässt sich nicht so günstig zu standardisierten Brettern verarbeiten wie eine Fichte. Entsprechend ist mit steigenden Kosten für viele Holzprodukte zu rechnen.
Aus Sicht von Simon Respondek (BvFF) erfordert der Waldumbau deshalb auch ein Umdenken bei den Verbrauchern. Die Erwartung dauerhaft günstiger und gleichförmiger Holzprodukte müsse einer Nutzung weichen, die sich stärker an den Möglichkeiten naturnaher Wälder orientiert.
Staatliche Förderprogramme, fachliche Beratung und die Zusammenarbeit in Forstbetriebsgemeinschaften können Waldbesitzer dabei unterstützen. Dennoch bleibt der Umbau eine langfristige Aufgabe. Denn wer Wald besitzt, trägt nicht nur wirtschaftliche, sondern auch ökologische Verantwortung für die kommenden Generationen.
Unsere Quellen:
- Informationsdienst Privatwald
- WDR-Gespräch mit Simon Respondek, Bundesverband Freiberuflicher Forstsachverständiger und Freien Förster e.V. (BvFF)
- Beitrag von Deutschlandfunk Nova
- Pressemitteilung der Landesregierung Nordrhein-Westfalen zu Investitionen
- Pressemitteilung der Landesregierung Nordrhein-Westfalen zur Waldstrategie
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 17.08.2026, 13:35 Uhr