Abschaffung Minijobs: Kritik von Landwirt und Gastronom.

02:28 Min. Verfügbar bis 06.07.2028

Kritik an Rentenreform Landwirte und Gastronomen brauchen ihre Minijobber

Stand:

Die Rentenkommission hat Reformpläne vorgelegt. Eine Idee: Minijobs abschaffen. Kritik kommt aus Schwerte und Unna.

Die Erdbeerernte ist so gut wie beendet. Für Landwirt Thomas Döring in Unna heißt das: Einmal kurz durchatmen. Die letzten Wochen hatte Döring viel zu tun. Ohne die Arbeit der Minijobber, wäre das nicht möglich gewesen, sagt er. Denn sie haben ihn täglich bei Ernte und Verkauf der Erdbeeren unterstützt.

Und nicht nur Döring ist auf die Arbeitskraft der Minijobber angewiesen. Auch andere Landwirte brauchen ihre Hilfe.

"Minijobber werden bei Milchviehbetrieben eingesetzt, sie helfen beim Melken mit. Sie helfen dem Landwirt, der Landwirtin, indem sie sie am Wochenende entlasten. Damit auch mal Zeit für die Familie ist." Thomas Döring, Landwirt aus Unna

Doch genau für diese Minijobber könnte sich bald viel ändern. Denn die Rentenkommission hat der Bundesregierung vorgeschlagen, den Minijob in seiner jetzigen Form abzuschaffen. Vor allem Schüler, Studenten und Frauen haben mit einem Minijob zuletzt bis zu 603 Euro im Monat verdienen können.

Minijob = Niedriglohnfalle?

Brutto nahezu wie netto - denn beim Minijob müssen keine Sozialabgaben abgeführt werden. Nur die Rentenversicherung. Von dieser Abgabe kann man sich aber befreien lassen.

Befürworter der Rentenreform sehen genau darin ein Problem. Minijobs böten, ähnlich wie das Ehegattensplitting, einen staatlichen Anreiz, nur wenige Stunden zu arbeiten. Damit würden sie ein Niedriglohnrisiko aufweisen und auch eine hohe Arbeitsgefährdungsquote. Auch aus diesen Gründen wollen SPD, Linke und Grüne die Minijobs abschaffen.

"Das wäre für uns der Genickschuss!"

Für Branchen wie die Landwirtschaft, den Dienstleistungssektor oder die Gastronomie sind Minijobber aber unverzichtbar, bemerken Arbeitgeber. Phillip Winterkamp ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Gastronom und leitet den Freischütz in Schwerte.

Ein Mann steht an einem Stehtisch in einem Biergarten und schaut in die Kamera.

Phillip Winterkamp ist seit über zwei Jahrzehnten Gastronom

Er braucht die Minijobber. Durch sie könnte er flexibel auf das Wetter reagieren, Familienfeiern und Hochzeiten austragen oder Sonderevents wie Dortmund à la carte.

"Das wäre für uns als Individualgastronomen der Genickschuss! Zumindest so, wie wir heute Gastro leben und verstehen." Phillip Winterkamp, Gastronom im Freischütz Schwerte

Arbeitgeber wie Winterkamp oder Döring zahlen für Minijobber relativ hohe Abgaben. Eine Pauschale von etwas über 30 Prozent, darunter 15 Prozent Rentenversicherung und 13 Prozent Krankenversicherung. Dass sie aber flexibler agieren können, etwa um saisonale Lücken zu schließen, lohnt sich oft für sie.

Landwirt Thomas Döring steht vor einem gelben Weizenfeld und schaut lächelnd in die Kamera

Landwirt Thomas Döring ist Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe

Auf dem Feld von Thomas Döring geht es ab Ende der Woche direkt weiter mit der Getreideernte. Bis Anfang September stehen quasi pausenlos Ackerabeiten an. Dann kommen auch hier wieder Minijobber zum Einsatz.

Unsere Quellen:

  • Gespräch der WDR-Reporterin mit Thomas Döring, Landwirt und Vorsitzender landwirtschaftlicher Kreisverband Ruhr-Lippe
  • Gespräch der WDR-Reporterin mit Phillip Winterkamp, Gadtronom im Freischüptz Schwerte
  • ARD-Bericht auf tagesschau.de

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Dortmund, 06.07.2026, 19:30 Uhr

Weitere Beiträge aus der Wirtschaft

1 / 2