Bald beginnt die große Getreideernte für Landwirte
WDR. 03:04 Min.. Verfügbar bis 11.03.2037.
Alles ist vorbereitet. Das trockene Wetter ist sehr gut für die Ernte und auch der neue Mähdrescher, der endlich geliefert worden ist. Mit vier weiteren Landwirten teilt sich Johannes Brünker in Wachtberg im Rhein-Sieg-Kreis den 400.000 Euro teuren, riesigen Koloss. Jetzt müssen nur noch die Gerstenkörner trocken genug sein.
Unwetter könnten das Getreide zerstören
Johannes Brünker geht ein paar Schritte ins Feld und reißt ein paar Ähren ab. Dann zerreibt er sie mit Handschuhen, sodass nur noch die Gerstenkörner übrig bleiben. Die werden zermahlen, die Masse kommt dann in den Feuchtigkeitsmesser. "Ich bin echt erleichtert, die Feuchtigkeit ist zwischen 15 und 15,5 Prozent. Das bedeutet, dass wir mit der Ernte starten können, weil sich so bei der Lagerung kein Schimmel mehr bilden kann", sagt Brünker.
Jetzt kann's also losgehen. Von morgens bis abends wird nun hier in Wachtberg-Berkum geerntet. Tempo ist jetzt wichtig. Denn die hohen Temperaturen sind nicht gut für die Wintergerste. Außerdem ist die Gefahr sehr groß, dass als Folge der Hitzewelle schwere Unwetter das Getreide zerstören. Und damit eine Ernte nicht mehr möglich ist.
Mähdrescher fährt völlig autonom
Gestern Abend hatten Johannes Brünker und die anderen Bauern noch eine Einweisung auf dem rund 15 Tonnen schweren Mähdrescher. Heute bewegt der Landwirt ihn mit seinem 9,30 Meter breiten Mähdreschervorsatz schon sehr routiniert und mit sichtlicher Freude durchs Feld. Bis zu 50 Hektar schafft das neue Gerät am Tag.
Landwirt Johannes Brünker ist stolz auf seinen neuen Mähdrescher.
"Alles ist automatisiert, alles wird vom Computer gemessen. Wenn der Mähdrescher final eingestellt ist, fährt er ganz alleine. Ein Investment in die Zukunft." Johannes Brünker, Landwirt
Bier, Handel und Futter: Wohin die Gerste geht
Rund acht bis zehn Tonnen Gerstenkörner ergibt ein Hektar auf dem Feld. Nacheinander werden die Felder der fünf Bauern mit dem modernen Mähdrescher, so schnell es geht, abgeerntet.
Sobald die Hänger voll sind, werden sie zum Agrarhandel in der Region gebracht. Dort wird über die Qualität und damit auch über die Verwendung entschieden. Durchschnittlich werden dreißig Prozent als Braugerste eingesetzt, siebzig Prozent landen als Viehfutter in den Ställen.
150-170 Euro für eine Tonne Getreide
Die Gerstenernte ist gestartet.
Damit ergeben sich auch die Preise für eine Tonne Wintergerste. Für Braugerste werden rund 160 bis 170 Euro gezahlt, Gerste als Viehfutter bringt rund 150 Euro. Brünker geht von einer guten Gerstenernte aus. Und: "Wir hoffen auf eine gute Ernte des Weizens, die folgt Anfang, Mitte Juli, damit können wir auch ein wenig höhere Preise erzielen", erzählt der Landwirt.
Das ist für sie wichtig, denn durch die hohen Ausgaben für Kraftstoff und Düngemittel können die Landwirte mit der Ernte oft nur ihre Kosten decken. Deshalb hoffen sie auch, dass die Preise für Getreide wieder steigen.
Verband rechnet mit durchschnittlichen bis guten Erträgen
Auch der Rheinische Landwirtschafts-Verband ist optimistisch: Er geht von durchschnittlichen bis guten Erträgen für die rheinische Getreideernte in diesem Jahr aus. Allerdings bleibe die wirtschaftliche Lage der Getreidebauern angespannt - zum Beispiel wegen Kriegen und Konflikten weltweit. Der Verband hofft, dass sich die Lage für die Landwirte verbessert.
Quellen:
- Gespräch mit Landwirt Johannes Brünker
- Beobachtungen des Reporters vor Ort
- Pressemitteilung Rheinischer Landwirtschafts-Verband e.V.
Sendung: WDR.de, Getreideernte im Rheinland startet, 25.06.2026, 5 Uhr