Lebensmittelpreise stark gestiegen: Wie reagieren die Verbraucher?
WDR. 02:29 Min.. Verfügbar bis 15.07.2028.
Der Wochenmarkt in Münster ist vor allem ein Lebensgefühl. Einkaufen und flanieren. Dass die Lebensmittelpreise hier besonders hoch sind, wissen die Kunden. Viele vergrault das, sagen Händler, viele kaufen weniger.
Auch wenn in Münster überdurchschnittlich viele wohlhabende Menschen auf dem Wochenmarkt einkaufen, selbst hier spürt man im Gespräch bei vielen die Zurückhaltung. Weniger Fleisch, weniger Käse, weniger Kaffee. Andere entscheiden sich aber ganz bewusst für den Einkauf auf dem Markt - denn auch im Discounter steigen die Preise.
Matthis Halsbenning ist Inhaber eines Gemüsestandes auf dem Wochenmarkt in Münster
"Vielleicht lernen die Leute ja durch die gestiegenen Lebensmittelpreise einfach wieder das Selber-Machen." Matthis Halsbenning, Marktverkäufer
Einige Marktverkäufer können in den gestiegenen Preisen jedoch auch als etwas Gutes sehen. So sagt Dirk Düpmann, Inhaber einer Metzgerei: "Die Tiere haben mehr Quadratmeter an Fläche zum Laufen und dadurch steigen die Preise, weil die Bauern größere Ställe bauen müssen. [...] Dafür geht es den Tieren besser."
Für Dirk Düpmann haben die gestiegen Preise etwas Gutes.
Preise für Lebensmittel steigen besonders stark
Die Preise für Lebensmittel sind seit 2020 bis Mitte 2025 im Durchschnitt stärker gestiegen als die allgemeine Inflation. Das hat die Bundesregierung auf eine Anfrage der Fraktion "Die Linke" mitgeteilt.
Während in dieser Zeit die Preise allgemein um 22 Prozent stiegen, wurden Lebensmittel in diesem Zeitraum rund 36 Prozent teurer. Vor allem Geflügelfleisch, Eier, viele Molkereiprodukte, Speiseöle und -fette sowie Zucker wurden teurer.
Menschen mit geringerem Einkommen leiden stärker
Für die private Lebenshaltung geben Menschen in Deutschland etwa 3000 Euro im Monat pro Haushalt aus (Stand 2023). Davon rund ein Fünftel für Lebensmittel. Das ist der zweitgrößte Posten. Nur für Kategorie: Wohnen und Energie wird anteilig mehr bezahlt.
Menschen mit geringem Einkommen leiden unter dem Preisanstieg von Lebensmitteln stärker, denn sie geben einen höheren Anteil ihrer Einkünfte für Nahrungsmittel aus als Wohlhabende.
Leona Ledwig: "Ab und zu gönne ich mir das noch"
So geht es Leona Ledwig. Die Studentin aus Münster will bewusst einkaufen. Der Einkauf auf dem Markt ist für sie aber sehr teuer.
Wie stark man die Inflation tatsächlich im Portemonnaie spürt, hängt von den persönlichen Einkaufsvorlieben ab. Hier der persönliche Inflationsrechner des Statistischen Bundesamtes:
Viele Gründe für die steigenden Preise
Wenn Lebensmittel teurer werden, kann das viele Ursachen haben, zum Beispiel gestiegene Energiekosten, gestiegene Löhne. Aber auch die Strukturen im Einzelhandel können sich auf Preise auswirken. Denn es gibt immer weniger Lebensmittelhändler.
Die Marktmacht der großen Discounter ist ein Punkt, der für steigende Lebensmittelpreise sorgen kann.
Vier große Unternehmensgruppen kontrollieren laut Monopolkommission der Bundesregierung 85 Prozent des Lebensmittelhandels. Das sind: Aldi, Edeka, Lidl und Rewe. Sie haben deshalb eine starke Verhandlungsposition gegenüber den Herstellern und können die Preise beeinflussen.
Vor diesem Hintergrund fordert die Partei "Die Linke" die Bundesregierung auf, "in die Marktmacht der vier Supermarkt-Riesen einzugreifen".
Unsere Quellen:
- Gespräche mit Händlern auf dem Wochenmarkt in Münster
- Gespräche mit Kunden auf dem Wochenmarkt in Münster
- Bundestag: Anfrage "Die Linke"
- Statistisches Bundesamt
- Landesbetrieb IT.NRW
- Monopolkommission Konzentration Lebensmittelhandel
- Verbraucherzentrale NRW
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 15.07.2026, 19.30 Uhr