Nachhaltigkeit aus Marienfeld : Neue Garagentorantriebe aus alten Teilen
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Circular Economy bedeutet: Teile wiederverwerten und in neue Produkte verwandeln. Ganz konsequent macht das der Hersteller von Garagentorantrieben Marantec im ostwestfälischen Marienfeld - gegen viele Widerstände. Das hat auch mit der Konkurrenz aus China zu tun.
Im Testlabor von Marantec: Der Mitarbeiter holt einen alten Garagentorantrieb aus einem Gitterkasten. Er entfernt das weiße Plastikgehäuse, schraubt den Motor ab, entnimmt Trafo, Platinen, Kabel. Alles landet fein säuberlich in Boxen, die rund um die Werkbank angeordnet sind.
Alte Komponenten in neuen Geräten
Die Komponenten werden getestet - für den Einsatz in neuen Antrieben. Auch wenn die Geräte viele Jahre im Einsatz waren und Garagentore tausende Male geöffnet und geschlossen haben: Die Teile im Inneren sind fit für ein zweites Leben. "Remanufacturing“ heißt das Prinzip.
Aurel Köhler, Experte für Circular Economy
"Alles, was hier am Ende rauskommt, hat die gleiche Qualität wie die Antriebe, die herkömmlich in der Produktion gefertigt werden", erklärt Nachhaltigkeitsberater Aurel Köhler. "Ein Antrieb mit gebrauchten Teilen funktioniert genauso wie ein völlig neu produzierter."
Kerstin Hochmüller, Geschäftsführerin Marantec
Dahinter steckt eine Strategie: Aktuell sind Garagentorantriebe made in China deutlich günstiger. Durch das Verwenden von gebrauchten Komponenten kann der ostwestfälische Hersteller mit der chinesischen Konkurrenz gleichziehen - und ökologisch punkten, ist Marantec-Geschäftsführerin Kerstin Hochmüller überzeugt. "Wenn das Preis-Argument weg ist, unterstützen uns die Kunden darin, dass wir in Deutschland produzieren und immer nachhaltiger werden."
Zu wenig Rücklauf von Altgeräten
Aber es gibt noch einige Probleme zu lösen. Bisher werden Altgeräte klassisch entsorgt. Das Unternehmen ist also darauf angewiesen, dass die Kunden - Fachhändler oder Garagentorhersteller - gebrauchte Antriebe sammeln und zurückschicken. Einfach ist das nicht, sagt der Nachhaltigkeitsexperte.
"Das Einsammeln und Trennen von alten Garagentorantrieben ist für unsere Kunden teilweise zu komplex." Aurel Köhler, Nachhaltigkeitsberater
Abfallrecht bremst Wiederverwertung aus
Und es gibt bürokratische Hindernisse, so Aurel Köhler: "Wenn wir ein altes Produkt zurückholen, was der Kunde nicht mehr haben möchte, dann gilt es rechtlich als Abfall. Und das kann teuer werden." Der Transport zum Beispiel kostet ungefähr dreimal so viel, wenn die kommunale Umweltbehörde Altgeräte als Abfall einstuft. Da wieder rauszukommen, ist gar nicht so einfach, weiß Rechtsanwalt Gregor Franßen, der das Unternehmen juristisch berät.
"Wer die abfallrechtlichen Vorgaben umgehen will, muss ausführlich belegen können, dass es sich tatsächlich nicht um Abfälle, sondern um gebrauchte Produkte handelt, die wiederverwertet werden." Gregor Franßen, Rechtsanwaltskanzlei "Franßen Nusser“, Düsseldorf
Mit entsprechenden Checklisten konnte Marantec die Behörde am Ende überzeugen. Die Abfalleigenschaft ist das Unternehmen los - zumindest in Deutschland. Aber rund 70 Prozent seiner Produkte verkauft der Garagentorhersteller ins Ausland. Wenn das Unternehmen Altgeräte aus Frankreich, Österreich oder den Benelux-Ländern zurückholen will, gelten wieder andere Abfallregeln - und spezielle Lösungen müssen her.
Neues Modell mit 50 Prozent weniger Teilen
Parallel hat Marantec einen neuen Garagentorantrieb entwickelt. Hier geht es schneller voran. Auf dem Tisch im Labor liegen die Bauteile von zwei auseinandergebauten Garagentorantrieben - Gehäuse, Platinen, Motoren, Kabel.
Bauteile eines Garagentorantriebs
Sofort fällt ins Auge: Rechts, beim neuen Modell "Flora", sind es deutlich weniger Teile. "Wir haben die Zahl der Bauteile um die Hälfte reduzieren können", sagt Andreas Schiemann, Co-Geschäftsführer von Marantec.
Die CO2-Emissionen bei der Produktion konnte das Unternehmen so um ein Viertel senken. Trotzdem kann der neue Antrieb mehr als das Vorgängermodell. Das Entwicklerteam hat die Software optimiert - und alle Funktionen auf einer Platine untergebracht. Der Garagentorantrieb lässt sich jetzt auch einfacher bedienen.
Platz für wiederverwendete Teile
Beim Design des neuen Modells waren von Anfang an die Kunden mit im Boot. Nur noch ein Antrieb statt acht Varianten: Die Garagentorhersteller waren zunächst skeptisch, erinnert sich Chef-Entwickler Andreas Schiemann: "Aber nachdem sie es getestet haben, gab es ein extrem positives Feedback."
Das Wiederverwenden von alten Komponenten ist schon mitgedacht: Im Gehäuse des Flora-Modells ist Platz für alle möglichen Teile aus Altgeräten.
Öko-Strategie motiviert Beschäftigte
Marantec macht auch den Vertrieb nachhaltig: In den Kaufverträgen verpflichten sich die Kunden, die Geräte am Ende der Nutzung - nach etwa zehn Jahren - an den Hersteller zurückzugeben. Damit die Komponenten wieder in neuen Garagentorantrieben landen.
Dieser Beitrag ist Teil der WDR-Serie "Zukunft Wirtschaft". Hier geht's zur Übersicht:
Unsere Quellen:
- Besuch beim Garagentorhersteller Marantec, Marienfeld
- Interview Kerstin Hochmüller, Geschäftsführerin Marantec
- Interview Andreas Schiemann, Geschäftsführer Marantec
- Interview Aurel Köhler, Berater "Circular Economy"
- Interview Gregor Franßen, Kanzlei "Franßen und Nusser", Düsseldorf
Sendung: WDR 5, Das Wirtschaftsmagazin, 24.07.2026, 13:35 Uhr