Stadtviertel aus Münster aus Vogelperspektive

Münsters Vorzeigeviertel York-Quartier

Bildquelle: WDR

Modell für bezahlbares Wohnen Münsters Antwort auf die Wohnungskrise

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Bezahlbare Mieten, grüne Innenhöfe und eine diverse Nachbarschaft: Das York-Quartier in Münster gilt als Vorzeigeprojekt für den Wohnungsbau. Kann es ein Modell für Deutschland sein?

Von Philipp Wundersee

Bastian Hase sitzt mit einer Kaffeetasse auf seiner kleinen Terrasse. Vor ihm eine schmale Hecke, dahinter ein weitläufiger Innenhof. Kinder fahren Roller, buddeln im Sandkasten oder spielen zwischen Hochbeeten und Tischtennisplatte.

Bastian Hase im Interview über das Leben im neuen York-Quartier in Münster

Bastian Hase lebt im York-Quartier in Münster

Bildquelle: WDR/Philipp Wundersee

Autos sind kaum zu sehen. Stattdessen Nachbarn, die sich grüßen. "Die ganzen Häuser sind vis-à-vis. Das merkt man schon", sagt Bastian Hase und zeigt auf die Häuserreihe direkt gegenüber. "Es ist sehr viel los, das finde ich sehr interessant. Und es hilft allen beim angespannten Wohnungsmarkt hier in Münster.“

Erst Panzerhallen, dann Kita

Vor wenigen Jahren sah es hier noch völlig anders aus. Auf dem rund 50 Hektar großen Gelände waren britische Soldaten stationiert. Hinter Zäunen standen Kasernengebäude, Werkstätten und Panzerhallen. Jetzt entsteht ein neuer Stadtteil mit rund 1.800 Wohnungen, Kindertagesstätten, einer Grundschule, einem Bürgerhaus, Sportanlagen und Grünflächen.

Innenhof des York-Quartiers in Münster

Das Besondere: Im York-Quartier leben Menschen mit sehr unterschiedlichen Einkommen Tür an Tür. Für viele Wohnungen liegen die Mieten deutlich unter dem Niveau des angespannten Münsteraner Wohnungsmarktes. Teilweise zahlen Mieter weniger als acht Euro pro Quadratmeter.

Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen

Für Sebastian Albers von der Wohn- und Stadtbau Münster ist genau das ein entscheidender Punkt. Die kommunale Gesellschaft entwickelt große Teile des Quartiers. "Wohnraum darf nicht zum Luxusgut werden", sagt er. Die Nachfrage sei enorm. Allein bei der Wohn- und Stadtbau stünden rund 6.000 Interessenten auf den Wartelisten für geförderten Wohnraum.

"Man kann im Viertel von außen nicht unterscheiden zwischen frei finanzierter und öffentlich geförderter Wohnung", sagt Albers und deutet auf die Balkone und die Fassaden der Neubauten. "Gemeinschaft ist uns hier ganz wichtig." Das York-Quartier könne bei der angespannten Wohnlage in Deutschland helfen, so Albers. Es sei aber letztlich nur "ein Tropfen auf den heißen Stein". Es brauche mehr solcher Großprojekte in Münster und in ganz Deutschland.

Stadt Münster als Stadtentwickler

Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs kennt die Ursachen vor Ort. "Viele Menschen können sich Wohnen in Münster nicht gut leisten oder finden keine Wohnung", sagt er. Die Folge: Immer mehr Menschen weichen ins Umland aus. "Wir hatten die Chance, dieses Gebiet wirklich zu erschließen", sagt Fuchs. "Hier entsteht ein Stadtteil im Stadtteil."

Tilman Fuchs

Tilman Fuchs, Oberbürgermeister von Münster

Bildquelle: WDR/privat

Hintergrund: Münster konnte das ehemalige Militärgelände direkt erwerben und die Entwicklung selbst steuern. Dadurch konnte die Kommune Vorgaben für bezahlbaren Wohnraum, Grünflächen und soziale Infrastruktur machen. Die Stadt habe nicht auf die schnelle Rendite gesetzt, sondern nachhaltig einen Stadtteil entwickelt.

Im Quartier werden neue Wohnkonzepte erprobt. Gemeinschaftlich nutzbare Gästezimmer, Veranstaltungsräume und Treffpunkte sollen Platz sparen und zugleich das Zusammenleben fördern. Hinzu kommen kurze Wege zu Kitas, Schulen, Sportanlagen und künftig auch zu Einkaufsmöglichkeiten.

Alte Gebäude neu genutzt

Viele der alten Backsteingebäude wurden erhalten und aufwendig saniert. Die ehemalige Kasernenstruktur prägt weiterhin das Straßenbild.

York-Quartier: Münsters Antwort auf die Wohnungskrise

WDR 26.08.2026 2 Min. 21 Sek. Verfügbar bis 25.08.2028 WDR Online

Ziegel aus den früheren Panzerhallen wurden beim Bau der neuen Grundschule wiederverwendet. So bleibt ein Stück der Geschichte sichtbar, während gleichzeitig ein neues Stadtviertel entsteht.

Nur ein Ansatz gegen die Wohnungsnot

Das York-Quartier in Münster gilt für Wohnungsexperten als Musterbeispiel moderner Stadtentwicklung. "Solche Konversionsflächen sind heute der Standard vieler erfolgreicher Städte, gewissermaßen der State of the Art", sagt Ralph Henger vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln. Ehemalige Kasernen- oder Industrieflächen seien ideal, weil dort neuer Wohnraum entstehen könne, ohne zusätzliche Landschaft zu versiegeln.

"Aber solche Konversionsflächen sind endlich. Irgendwann sind sie aufgebraucht", sagt der Immobilienexperte. Städte müssten größer denken und auch innerhalb bestehender Stadtviertel neuen Wohnraum schaffen. Sonst verlagere sich das Wachstum ins Umland. Die Folge: mehr versiegelte Flächen und Verkehr. Projekte wie das York-Quartier sind wichtig, aber nur einer von vielen Wegen zu mehr Wohnraum.

Unsere Quellen

  • Gespräch mit Oberbürgermeister Tilman Fuchs
  • Gespräch mit Anwohnern
  • Pressemitteilung Pestel-Institut
  • Gespräch mit kommunalem Wohnungsunternehmen "Wohn + Stadtbau Münster"
  • Gespräch mit Ralph Henger vom Institut der Deutschen Wirtschaft Köln
  • Eindrücke des Reporters vor Ort

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 26.08.2026, 06:05 Uhr

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