Bau-Monitor 2026: Immer mehr Ältere ohne Wohnung
Bildquelle: dpa/Matthias BalkAktuelle Stunde . 26.08.2026. 27 Min. 24 Sek.. UT. Verfügbar bis 26.08.2028. WDR. Von Astrid Houben.
Über 360.000 Wohnungen zu wenig : Wie der Wohnraummangel NRW ausbremst
Stand:
In Nordrhein-Westfalen fehlen Hunderttausende Wohnungen. Gleichzeitig wird deutlich weniger gebaut als nötig. Eine neue Analyse warnt vor den Folgen: Der Wohnungsmangel belastet nicht nur Mieterinnen und Mieter, sondern zunehmend auch die Wirtschaft.
Je nach Berechnung fehlen in NRW zwischen 230.000 und 360.000 Wohnungen. Im vergangenen Jahr wurden in Nordrhein-Westfalen gut 10.000 Wohnungen weniger fertiggestellt als noch vor zwei Jahren. Für die Bauwirtschaft hat das spürbare Folgen: Umsatz-Verluste in Höhe von über drei Milliarden Euro. Das hat das Pestel-Institut im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel ausgerechnet.
Katharina Metzger, Präsidentin des Baustoffhandelsverbands, spricht von einer alarmierenden Entwicklung: "Der Absturz beim Wohnungsbau ist fatal. 2026 erwarten wir nochmal einen Negativrekord. Das ist weit weg von 'bauen, bauen, bauen', weit weg von den Versprechen der Bundesregierung."
Bundesweit koste der Rückgang im Wohnungsbau gut einen halben Prozentpunkt an Wirtschaftskraft, so die Analyse des Pestel-Instituts. Zudem entgingen dem Staat Einnahmen aus Steuern und Sozialabgaben.
Wohnungsnot gefährdet Deutschlands Wachstum
Der Wohnungsmangel belaste die Wirtschaft noch aus einem anderen Grund. Vor allem in den Ballungsräumen wird die Wohnungsnot zunehmend zu einem Problem für Unternehmen. Ohne ausreichend bezahlbaren Wohnraum haben Betriebe Probleme, Personal zu gewinnen, sagt Ralph Henger, Immobilienexperte beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln.
"Die Unternehmen suchen Fachkräfte, aber auch einfaches Personal und finden nichts, weil die Gehälter in den Großstädten oft nicht ausreichen, um Wohnraum zu bezahlen." Ralph Henger, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft
Verschärft werde die Situation dadurch, dass Deutschland in Zukunft stärker auf Arbeitskräfte aus dem Ausland angewiesen sei. Auch deswegen müssten eigentlich deutlich mehr Wohnungen gebaut werden. Die Wohnungsfrage sei somit entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland, sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut.
"Ohne Wohnungsbau, ohne eine Auflösung der Wohnungsdefizite werden wir kein Wachstum in Deutschland bekommen, weil dann eben auch keine Zuwanderung in die Arbeitsmärkte möglich ist." Matthias Günther, Pestel-Institut
Wie Bürokratie den Wohnungsbau bremst
Aus Sicht der Bauwirtschaft ist die Bundesregierung gefragt. Nötig sei mehr staatliche Förderung für den Wohnungsneubau und rechtliche Klarheit für den sogenannten Gebäudetyp E. Dabei geht es um einfachere Baustandards, die das Bauen günstiger machen sollen.
Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel fordert auch einfachere Genehmigungsverfahren. Unter bestimmten Voraussetzungen sollten Mehrfamilienhäuser sogar ohne klassische Baugenehmigung möglich sein.
Turbo für Genehmigungen
In Nordrhein-Westfalen fordert die SPD schon länger eine Landeswohnungsbaugesellschaft. Sie soll dabei helfen, Flächen im Besitz von Kommunen, Land oder Bund mit Wohnungen zu bebauen. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) hat angekündigt, eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft zu gründen, um den Wohnungsmangel zu bekämpfen. Ein entsprechendes Konzept möchte sie im Herbst vorlegen.
Bereits im Oktober 2025 war der sogenannte Bau-Turbo in Kraft getreten. Städte und Gemeinden bekommen so mehr Handlungsspielraum und können für mehr Tempo zum Beispiel von Bebauungsplänen abweichen. Genehmigungsverfahren sollen schneller werden. Plan der Bundesregierung: Wird ein Bauantrag innerhalb der gesetzlichen Frist von maximal drei Monaten nicht abschließend bearbeitet, gilt er als genehmigt.
Wohnungsmarkt erholt sich langsam
Trotz der schwierigen Lage sehen Fachleute erste Anzeichen für eine Erholung auf dem Wohnungsmarkt.
"Wir haben jetzt mehr Baugenehmigungen, wir haben auch mehr Auftragseingänge, aber das sind alles zarte Pflänzchen", sagt Ralph Henger vom Institut der deutschen Wirtschaft. Im Jahr 2025 wurden in Nordrhein-Westfalen gut zehn Prozent mehr Wohnungen genehmigt als im Vorjahr. Die Aufträge im Bauhauptgewerbe lagen im Juni bundesweit gut elf Prozent über dem Vorjahresmonat. Bis sich das auf dem Wohnungsmarkt bemerkbar macht, wird es aber noch dauern. Ab der Baugenehmigung dauert es in der Regel mehrere Jahre, bis ein Wohngebäude fertig ist und die ersten Bewohner einziehen.
Unsere Quellen:
- Bau-Monitor 2026
- Pressekonferenz zum Bau-Monitor
- WDR-Interview Dr. Ralph Henger, Institut der deutschen Wirtschaft
- IT.NRW: Erteilte Baugenehmigungen stiegen 2025 um 6,8 Prozent an
- Statistisches Bundesamt: Auftragseingang im Bauhaptgewerbe im Juni 2026
- Pressemitteilung Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen
- Bundesregierung: Bau-Turbo für mehr Wohnungen
Sendung: WDR 5, Mittagsecho, 26.08.2026, 13.00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 26.08.2026, 18.45 Uhr
