Milchlaster als Tanklöschfahrzeug
Steigende Waldbrandgefahr : NRW-Feuerwehren rüsten auf
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Kaum Regen, anhaltende Trockenheit und viel Wind: der Waldbrandgefahrenindex erreicht in den nächsten Tagen vielerorts im Land wieder die zweithöchste Stufe. Die NRW-Feuerwehren stellt die Neuanschaffung von Waldbrand-Ausrüstung vor logistische und finanzielle Herausforderungen.
Wolfgang Fuchs, Feuerwehr Schleiden
Wenn Wolfgang Fuchs in den Nationalpark Eifel fährt, fährt immer auch die Sorge mit. Er ist Chef der Feuerwehr in Schleiden. Mit seinen Kollegen ist er im Löschtankwagen unterwegs auf einem Höhenweg: Der Blick reicht rechts und links weit ins Land - trockenes Land. Die Wiesen ringsum sind strohbraun.
"Sobald da Feuer dran kommt in Kombination mit etwas Wind, haben wir sehr schnell ein großes Problem.“ Wolfgang Fuchs, Leiter Feuerwehr Schleiden
Das Problem: Sogenannte Vegetationsbrände breiten sich in dieser Situation sehr schnell aus. Laut Waldbrandstatistik des Bundeslandwirtschaftsministeriums sind in Deutschland im vergangenen Jahr fast 2.700 Hektar Wald verbrannt - mehr als drei Mal so viel wie im langjährigen Durchschnitt.
Bessere Ausrüstung dringend gebraucht
Der sogenannte Waldbrandgefahrenindex lag für Schleiden Mitte Juli bei vier, die zweithöchste Stufe. Feuerwehr-Chef Wolfgang Fuchs blickt deshalb mit Sorge auf die für Ende der Woche vorhergesagte nächste Hitzewelle.
Um der steigenden Waldbrandgefahr angemessen begegnen zu können, müssen Feuerwehren ihre Ausrüstung aufstocken. In Schleiden haben sie neben Löschrucksäcken, Äxten zum Schlagen von Schneisen und Feuerpatschen auch neue Schutzausrüstungen für die Feuerwehrleute angeschafft.
Milchlaster zum Löschwasser-Tank umgebaut
Auch ihren Fuhrpark hat die Feuerwehr Schleiden vergrößert. Gebraucht werden Fahrzeuge, um Löschwasser zum Einsatzort zu bringen; Löschteiche gibt es in der Region kaum. Der Mangel macht erfinderisch: Das neue Löschwasser-Tankfahrzeug war bis vor Kurzem ein Milchlaster. Die Schleidener Feuerwehr hat ihn für ihre Zwecke umgebaut. Das Fahrzeug eines Spezialfahrzeugherstellers wäre viel teurer gewesen.
Auch andere Kommunen rüsten ihre Feuerwehren für die Waldbrandbekämpfung auf. In Bonn zum Beispiel verfügt die Feuerwehr jetzt über ein Fahrzeug, das besonders geländegängig ist. Der Oberbergische Kreis hat ebenfalls neue Tanklöschfahrzeuge beschafft und ein sogenanntes "Utility Task Vehicle“, einen mobilen Wasserwerfer.
Hersteller von Feuerwehrausrüstung profitieren
Einer der größten Ausstatter von Feuerwehren ist die Firma Dönges in Wermelskirchen. Carsten Schlabach, selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, leitet dort die Abteilung "Fire and Rescue“. Die Nachfrage nach Ausrüstung steigt seit Jahren. Bestseller: Retardant, ein Löschmittel, das die Ausbreitung von Feuern eindämmen kann. Gefragt sind auch Löschrucksäcke, Werkzeuge, Löschmittel und Schutzanzüge.
Carsten Schlabach bei der Herstellung einer Waldbrandpatsche der Firma Dönges
Schlabach arbeitet auch mit ausländischen Feuerwehrausrüstern zusammen. Denn Länder wie die USA oder Spanien haben in Sachen Waldbrandbekämpfung einen klaren Vorsprung.
"Die Erfahrung, die die da sammeln konnten, die können wir jetzt auch in Deutschland gebrauchen.“ Carsten Schlabach, stv. Leiter "Fire and Rescue“
Mehr Unterstützung von Land und Bund gefordert
Um die Finanzierung der Feuerwehren müssen sich die Städte und Gemeinden im Wesentlichen selbst kümmern. Der Schleidener Feuerwehrchef Wolfgang Fuchs wünscht sich hier mehr Unterstützung.
Er würde sich wünschen, dass sich nicht jede kleine Kommune selbst um die Beschaffung von Fahrzeugen und Ausrüstung kümmern müsste. Würden Land oder Bund Bestellung und Einkauf bündeln, wäre das für die Städte nicht nur weniger kompliziert, sondern auch deutlich günstiger, so Wolfgang Fuchs.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des Reporters vor Ort in Schleiden und Wermelskirchen
- Interview Wolfgang Fuchs, Feuerwehr-Chef Schleiden
- Interview Carsten Schlabach, Dönges GmbH & Co KG
- Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft
- Deutscher Wetterdienst
Sendung: WDR 5, Morgenecho, 25.05.2026, 07:40 Uhr
