Trendhobby Sondeln: Was erlaubt ist und was nicht
Bildquelle: WDRWDR. 2 Min. 37 Sek.. Verfügbar bis 28.08.2028.
Mit dem Metalldetektor durch die Natur ziehen, das Warten auf das Piepen. Und dann der große Fund. Er habe mal alte Silbermünzen aus der Römerzeit gefunden, sagt Alex Köhler. Er betreibt einen Detektormarkt in Geldern. Seit etwa 20 Jahren sondelt er.
Immer mehr Menschen suchen im Boden nach metallenen Schätzen. Videos von Sondengängern gehen bei Tiktok und Instagram viral. Seit einigen Jahren verkauft er auch immer mehr Detektoren, sagt der Händler. Hier am Niederrhein findet er es besonders spannend, die Geschichte der Region, die keltische und römische Zeit, das Mittelalter. "Das ist das, was es interessant macht", sagt Köhler.
"Seit zehn bis 15 Jahren werden die Geräte immer günstiger und deutlich besser. Die können schon vorher genauer identifizieren, wo was liegt, welches Metall, wie groß es ist. Das wird immer genauer." Alex Köhler, Inhaber Detektormarkt Geldern
Region beliebt bei Hobby-Sondlern
Auch am Niederrhein liegen die Spuren des Zweiten Weltkriegs noch direkt unter unseren Füßen. Vor allem der Reichswald bei Kleve, der Hochwald in Uedem und die Rheinauen waren einst Schauplätze erbitterter Kämpfe. "Hier wurde heftig gekämpft“, sagt Stefan Sparberg, Sprecher der Kreispolizeibehörde Kleve, bei einem Gespräch im Reichswald.
Bis heute geben die Böden immer wieder Relikte aus dieser dunklen Zeit frei: Munition, Granaten, Patronenhülsen und andere Überreste des Krieges. Für Sondengänger üben solche Funde einen besonderen Reiz aus. Doch die Suche ist klar geregelt: In Nordrhein-Westfalen darf auf Äckern nur mit einer behördlichen Genehmigung nach verborgenen Gegenständen gesucht werden. In Wäldern ist das Sondeln grundsätzlich verboten.
Patrone explodiert in Teenager-Hand
Was als spannendes Sucher-Abenteuer begann, endete mit einem lauten Knall. Ein 16-Jähriger war am Dienstag mit einem Metalldetektor auf einem Acker in Kessel unterwegs, als er auf ein verdächtiges Signal stieß. Der Jugendliche grub den Fund aus, eine alte Patrone aus längst vergangenen Zeiten.
Doch plötzlich detonierte die nur wenige Zentimeter große Munition in seiner Hand. Der Teenager wurde leicht verletzt und kam mit dem Schrecken davon. Der Vorfall zeigt, welche Gefahr noch immer von den Relikten des Zweiten Weltkriegs ausgehen kann. Eine Genehmigung für die Suche soll der Jugendliche nach bisherigen Erkenntnissen nicht gehabt haben.
Von der Patrone gibt es keine Überreste. Wie genau es zur Explosion kam, da gibt es keine klare Antwort darauf. Der 16-Jährige sagt, die Patrone sei einfach so explodiert. Sondel-Experte Köhler und Polizei im Kreis Kleve zweifeln aber: "Wir haben nur seine Angaben", sagt Sparberg.
Kerstin Kraus vom LVR vermutet, dass es sich bei der Patrone um eine neuzeitlich-moderne Patrone gehandelt haben könnte. Egal, was Sondler ausgraben: Angefasst werden sollte keine Munition, weder klein noch groß.
"Wenn das Pulver mit Sauerstoff in Verbindung kommt, dann kann das relativ leicht explodieren. Bei älterer oder größerer Munition hätte noch viel schlimmeres passieren können." Kerstin Kraus, LVR Bodendenkmalpflege Xanten
Illegales Sondeln kann 250.000 Euro Strafe kosten
"Ich möchte behaupten, dass fast täglich welche unterwegs sind und gerade hier im Wald illegal graben", sagt der Polizeisprecher. Illegal, weil viele keine Genehmigung zum Graben haben. Das macht sie zu Raubgräbern.
Nachzugraben und Teile herauszuholen gilt als Ordnungswidrigkeit. Das kann teuer werden und ein Bußgeld von bis zu 250.000 Euro bedeuten. Werden Munitionsteile mitgenommen, verstoßen die Sondengänger sogar gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.
Außerdem gehören alle Bodenfunde dem Land NRW. Werden die Funde mitgenommen, handelt es sich also zusätzlich noch um eine Unterschlagung. "Verdächtige Gegenstände müssen immer gemeldet werden. Ein Anruf bei der 110 genügt", sagt Stefan Sparberg. Im Zweifel erledigt der Kampfmittelbeseitigungsdienst den Rest - ohne Verletzungen.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Alex Köhler, Betreiber eines Detektormarktes in Geldern
- Gespräch mit Stefan Sparberg, Sprecher Kreispolizei Kleve
- Polizei Kreis Kleve
- Gespräch mit Kerstin Kraus, LVR Bodendenkmalpflege Xanten
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 27.08.2026, 19:30 Uhr