Männerwochenende in der Eifel

Bildquelle: Loïc Michels

WDR 2 Min. 48 Sek. Verfügbar bis 31.08.2028

Mit Gulasch und Ruhe Warum 18 Männer ein Wochenende lang nichts müssen

Stand:

18 Männer, möglichst wenig Programm und jede Menge Zeit. Seit neun Jahren trifft sich eine Gruppe in der Eifel zu einem Männerwochenende. Ihr Rezept zum Runterkommen ist erstaunlich einfach: möglichst wenig müssen.


Eigentlich gehört ein Lagerfeuer für die Männer zu diesem Wochenende dazu. Diesmal steht stattdessen eine Petroleumlampe in der Mitte. Wegen der Waldbrandgefahr hat die Stadt Monschau offenes Feuer verboten.

Auch das Wetter spielt diesmal nicht richtig mit. Doch braucht es für ein entspanntes Wochenende überhaupt Lagerfeuer und gutes Wetter?

Am Mittag ist die Stimmung im schmalen, grünen Tal an der Rur entspannt. Die 18 Männer sitzen auf Campingstühlen, rühren im Gulaschtopf oder versuchen, kleine Reissäckchen in das Loch eines Brettes zu werfen.

Ein Mann beugt sich nach vorne: Er ist im Begriff, einen Sack zu werfen. Ein anderer Mann steht daneben, ebenfalls mit zwei Säcken in der Hand, und guckt ihm zu.

Säckchenwerfen gehört zum entspannten Programm beim Männerwochenende in der Eifel.

Bildquelle: Loïc Michels

Zum neunten Mal verbringen die Männer gemeinsam ein Wochenende in der Eifel. Ihr Rezept zum Runterkommen haben sie über die Jahre gefunden: wenig Programm, viel Zeit und vor allem keinen Stress.

Während Alex Zinsen ein Reissäckchen nach dem anderen wirft, nennt er die für ihn wichtigste Zutat: "Die Entschleunigung ... Wir sitzen hier teilweise zwei Stunden herum und machen nichts und das ist wichtig."

Zwei Stunden in Monschau einfach mal nichts tun

Viel passiert tatsächlich nicht: Eine Gruppe spielt Wikingerschach, andere spielen Riesen-Jenga. Einer rührt im Gulaschtopf, in einem der Zelte wird gesägt. Einen festen Zeitplan gibt es nicht.

"Wenn man keinen Empfang mehr hat, ist sofort der sämtliche Stress weg. Du bist sofort geerdet und raus." André Küpper, Teilnehmer und Organisator

Auch das Funkloch gehörte bisher zum Rezept. In den vergangenen Jahren hatten die Männer auf ihrem Zeltplatz kaum Handyempfang. Diesmal ist das anders: Auf dem neuen Platz gibt es Netz. Und die Verlockung ist offenbar groß. Wie Alemannia Aachen gespielt hat, wissen die Männer jedenfalls schnell.

Generationenübergreifende Männergemeinschaft

Kurz nach dem Essen beginnt es zu regnen. Die Männer bringen die Campingstühle ins Trockene und ziehen in ein großes Gemeinschaftszelt um. Platz ist dort für alle.

Ein Mann trägt einen Hoodie und steht vor einem Wald. Im Hintergrund wird Gulasch gekocht

André Küpper schätzt am Männerwochenende vor allem die Ruhe und die ungezwungene Gemeinschaft.

Bildquelle: Loïc Michels

Neben der Ruhe ist für die Teilnehmer auch die Gemeinschaft wichtig. Viele von ihnen kommen seit Jahren zu dem Wochenende. "Das Wort ungehemmt klingt vielleicht ein bisschen komisch", sagt Teilnehmer und Organisator André Küpper. "Aber das ist es letzten Endes. Mit Frauen, mit Kindern, mit Älteren achtet man mehr darauf, was man sagt und wie man ist."

2014 organisierten die damals rund 30 Jahre alten Männer vom Kolping-Verein das Wochenende zum ersten Mal. Ihnen fehlte damals eine Gemeinschaft, in der Männer unter sich sein konnten.

Heute sind die Männer von damals über 40. Gleichzeitig versucht die Gruppe, auch jüngere Teilnehmer für das Wochenende zu gewinnen. Und das gelingt: Mittlerweile kommen mehrere Generationen zusammen.

"Jeder kann hier sein, wie er sein möchte, unabhängig davon, was er montags bis freitags tut... das ist wirklich super." Teilnehmer Axel Zinsen

Nachdem er die letzten Flaschen vor dem Regen in Sicherheit gebracht hat, setzt sich Teilnehmer und Organisator Jan Cremer in das Gemeinschaftszelt. "Gerade von Männern werden Tatkraft und Entscheidungsfreude erwartet, aber das liegt nicht allen - manch einer tut sich damit schwer", sagt er. "Es ist umso wichtiger, dass man dafür einen Raum findet, um sich dazu auszutauschen, wo man Hinweise geben kann, wie man damit umgehen kann."

Ein Mann mit Kappe steht, breit lächelnd, vor einem Lagerzelt.

Jan Cremer ist mit der Kolping-Jugend groß geworden. Als er etwa 30 Jahre alt war, fehlte ihm ein ähnliches Gemeinschaftsangebot für erwachsene Männer.

Bildquelle: Loïc Michels

Am Ende sitzen die Männer wegen des Regens gemeinsam im großen Zelt. Das Lagerfeuer fehlt, Handyempfang gibt es diesmal auch. Viel Programm braucht es trotzdem nicht. Sie sitzen zusammen, reden und haben vor allem eines: Zeit.

Unsere Quellen


  • Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 31.08.2026 19:30 Uhr

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