Das wollen uns Katzen wirklich sagen

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WDR 3 Min. 19 Sek. Verfügbar bis 31.08.2028 Von Marcus Böhm

Katzenverhaltensberaterin Warum Fauchen und Beißen immer einen Grund hat

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Kratzen, beißen, markieren: Hinter auffälligem Verhalten steckt oft eine Botschaft. Im Tierheim Duisburg hilft Katzenverhaltensberaterin Adriane Schulz, die Tiere besser zu verstehen.

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Marcus Böhm

Es riecht nach Katzenstreu, Futter und frischer Reinigung. Hinter den Türen der Katzenhäuser im Tierheim Duisburg warten mehr als 180 Katzen. "Jede mit ihrer eigenen Geschichte. Und oft beginnt sie mit einem Missverständnis zwischen Mensch und Tier", sagt Adriane Schulz.

Die Duisburgerin unterstützt das Tierheim ehrenamtlich als Katzenverhaltensberaterin. Sie schaut weniger auf das Kratzen, Beißen oder den Rückzug von Katzen, sondern interessiert sich vor allem für die Ursache. "Die spannendste Frage ist nicht, was die Katze macht, sondern warum sie es macht", so Schulz.

Hinter jedem Fauchen steckt eine Geschichte

Kater Günni gilt im Tierheim als schwierig. Wer sein Gehege betritt, sollte vorsichtig sein. Doch für Schulz ist der Fall klar. "Katzen machen nichts, um Menschen zu ärgern. Hinter jedem Verhalten steckt ein Bedürfnis, ein Problem oder eine Emotion", so Schulz.

Ein weißer Kater mit schwarzen Flecken liegt auf einer Tischplatte

Kater Günni ist eine der schwierigeren Katzen im Tierheim.

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Oft seien es Stress, Unsicherheit oder fehlende Beschäftigung, die Katzen aus dem Gleichgewicht bringen. Energie ist bei Günni nämlich das Stichwort und kein Fall von Aggression. Hinter seinem Kratzen und Beißen steckt nur eine Ursache: Unterforderung. 

Provozieren als Zeichen von Langeweile

Eine schwarz-weiße Katze sitzt in einem Gehege

Kater Rookie

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Andere Tiere fallen dagegen kaum auf. So wie Rookie. Verschmust, verspielt und neugierig erkundet er jeden Winkel seines Zimmers. Doch auch solche Katzen können Probleme entwickeln, wenn ihre Bedürfnisse dauerhaft übersehen werden.

"Viele Katzen werden als schwierig abgestempelt. Dabei versuchen sie oft nur, auf etwas aufmerksam zu machen, das wir übersehen", so Schulz. "Rookie provoziert gerne seine Mitkatzen, wenn er sich langweilt."

Dabei faszinieren Katzen die Menschen seit Jahrhunderten. Sie gelten als unabhängig und geheimnisvoll. Gerade deshalb werden ihre Signale oft missverstanden.

Tierheim am Limit, Hoffnung trotzdem überall

Eine rothaaringe Frau sitzt in einem Katzengehege und streichelt eine schwarze Katze

Lena Holeksa kümmert sich als Tierpflegerin um die Katzen im Tierheim.

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Die Situation im Tierheim ist angespannt. Die Katzenhäuser sind voll, die Plätze knapp. Viele Tiere wurden abgegeben, andere als Fundkatzen gebracht. "Wir sind seit Monaten an unserer Belastungsgrenze. Die Zahl der Katzen ist hoch und viele Tiere bringen gesundheitliche oder verhaltensbedingte Herausforderungen mit", sagt Lena Holeksa, Tierpflegerin im Tierheim Duisburg.

Umso wichtiger sei die Unterstützung von Schulz. "Adriane hilft uns dabei, Verhalten besser einzuordnen. Das hilft den Katzen und auch den Menschen, die ihnen ein neues Zuhause geben möchten", so Holeksa.

Rund 180 Katzen leben in den Katzenhäusern des Tierheims. Schätzungen gehen davon aus, dass allein in den Tierheimen und Katzenstellen des Ruhrgebiets zwischen 1.500 und 3.000 Katzen auf ein neues Zuhause warten.

Ehrenamtlicher Betreuer gibt mehr als nur Streicheleinheiten

Ein älterer Mann mit längerem weißen Haar und Brille streichelt eine schwarze Katze

Reinhold Döring ist ehrenamtlicher Katzenkuschler.

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Zu den vertrauten Gesichtern im Katzenhaus gehört auch Reinhold Döring. Fast täglich kommt der Duisburger für mehrere Stunden ins Tierheim. Er streichelt, spielt und schenkt Zeit. "Manchmal braucht eine Katze Wochen, bis sie Vertrauen fasst. Und dann kommt plötzlich dieser Moment, in dem sie zum ersten Mal Nähe zulässt", erzählt Döring, ehrenamtlicher Katzenbetreuer. "Das sind dann die Momente, wo mir mein Herz aufgeht und ich mir sage, genau deswegen mache ich das."

Zwischen Kratzbäumen, Kuschelhöhlen und Futternäpfen wird deutlich, hier geht es darum, die Tiere zu verstehen. Denn für Schulz steht fest: "Für Katzen sind wir viel mehr als Dosenöffner. Wir sind ihr sicherer Hafen."

Wer lernt, ihre Sprache zu verstehen, löst viele Probleme, bevor sie entstehen. Und schenkt vielleicht genau der Katze eine zweite Chance, die sonst niemand versteht.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Adriane Schulz, Katzenverhaltensberaterin
  • WDR-Interview mit Reinhold Döring, ehrenamtlicher Katzenkuschler
  • WDR-Interview mit Lena Holeksa, Tierpflegerin im Tierheim Duisburg
  • Eindrücke und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, Das wollen uns Katzen wirklich sagen, 02.09.2026, 5:09 Uhr

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