Welchen Wert haben die Dortmunder Löwenbabys für den Artenschutz? Die Frage wird jetzt in sozialen Netzwerken diskutiert. Hintergrund: Die Stadt Dortmund hatte Anfang August bekanntgegeben, dass es niedlichen Nachwuchs gibt und mitgeteilt: "Zoos leisten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt dieser beeindruckenden Tiere und unterstützen den internationalen Artenschutz."
Influencer bezweifelt Wert für Artenschutz
Das sieht der Umwelt- und Artenschützer Robert Marc Lehmann anders. Er schreibt in einem Instagram-Post, dass die Löwenbabys im Dortmunder Zoo sogenannte "Zoo-Mischlinge" seien, die einer bestimmten Unterart nicht mehr zuzuordnen seien. Damit seien sie für den Aufbau einer "genetisch definierten Erhaltungspopulation" nicht oder nur sehr eingeschränkt relevant.
"Ich möchte ja nicht unterstellen, ihr hättet nur niedliche Jungtiere für die Besucher produziert." Robert Marc Lehmann auf Instagram
Auch in anderen Gruppen hagelt es Kritik am Dortmunder Zoo. Ein User mit dem Synonym lion.1950213 etwa schreibt, ein solches Vorgehen sei "für einen wissenschaftlich geführten Zoo unwürdig". Das beschädige auch den Ruf von Zoos, die sich "tatsächlich konsequent und verantwortungsvoll für Artenschutz und koordinierte Erhaltungszucht einsetzen".
Unter Social-Media-Posts wie diesen wird der Zoo Dortmund kritisiert.
Bildquelle: Facebook: Zoo DortmundZoo wollte bewusst züchten
Dem WDR hatte die stellvertretende Leiterin des Dortmunder Zoos, Stephanie Zech, Anfang August gesagt, die Zucht sei geplant gewesen. Deswegen habe der Zoo die Verhütung der beiden Weibchen Zuri und Saba auslaufen lassen. Löwenkater Boeti hatte beide dann gedeckt. Zuri brachte daraufhin Ende Juli fünf Jungtiere zur Welt, Saba drei Tage später sogar sieben.
"Es gibt internationale Organisationen, die die Tiervergabe zwischen den Zoos regeln." Ingo Buchbender, Geschäftsführer Freizeitbetriebe Dortmund
Der Leiter der Freizeitbetriebe der Stadt Dortmund, zu denen auch der Zoo gehört, hatte betont, dass auf Dauer nicht alle Tiere im Dortmunder Zoo bleiben könnten. Die Vermittlung der Tiere werde von internationalen Organisationen geregelt. Welche das sind, sagte Buchbender auf einem Pressetermin Anfang August nicht.
Viele Fragen an den Dortmunder Zoo
Ist die Nachzucht der Dortmunder Löwen mit Europäischen Erhaltungszuchtprogrammen wie dem EEP abgestimmt worden? Genau das bezweifeln User in Sozialen Netzwerken jetzt.
Der WDR hat der Stadt Dortmund diese Fragen geschickt und wollte unter anderem wissen, ob es richtig ist, dass es sich bei den Löwenbabys und deren Eltern um Mischlinge der beiden Unterarten Panthera leo leo und Panthera leo melanochaita handele? Und wenn das so ist, welchen Wert die Tiere dann für den angeführten Artenschutz haben? Bislang gibt es noch keine Antwort der Stadt Dortmund.
Erste Besucher werden ins Löwenhaus gelassen
Mit etwas Glück können Besucher den trotz der Diskussion niedlichen Löwen-Nachwuchs im Dortmunder Zoo jetzt auch bestaunen. Das Löwenhaus wird nach Angaben des Zoos "gelegentlich geöffnet". Wann genau, teilt der Zoo nicht mit, um zu großen Trubel für die Tiere zu vermeiden.
Unsere Quellen:
- Instagram-Account Robert Marc Lehmann
- Instagram-Account Wir Sind Zoo
- eigene Recherche
- bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Heftige Kritik am Dortmunder Zoo, 09.09.2026, 17:10 Uhr