Forensische Psychiatrie: Was hinter dem Zaun wirklich passiert

Bildquelle: WDR

WDR 18 Min. 57 Sek. Verfügbar bis 31.08.2028

Therapie statt Haftstrafe Einblick in die forensische Psychiatrie

Stand:

In der forensischen Psychiatrie in Düsseldorf werden psychisch kranke Straftäter behandelt. Das Ziel: Besserung und Sicherung.

Sie liegen meist hinter hohen Zäunen und langen Mauern: Einrichtungen der forensischen Psychiatrie, des Maßregelvollzugs. 17 dieser spezialisierten Kliniken oder Abteilungen gibt es in NRW. Mit Platz für insgesamt rund 2.700 Patientinnen und Patienten. Manche sind auch überbelegt.

Wenn bei Gericht ein Urteil fällt und es heißt, der Täter oder die Täterin kommen in die forensische Psychiatrie, denken viele: Das ist doch viel angenehmer als eine Gefängnisstrafe. Stimmt das? Und wie sieht der Alltag dort aus?

In die forensische Psychiatrie kommen Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung oder einer Suchterkrankung eine Straftat begangen haben und als schuldunfähig gelten, oder zumindest in ihrer Schuldfähigkeit stark eingeschränkt sind.

Die Unterbringung in einer forensischen Psychiatrie wird vom Gericht angeordnet, auch um die Allgemeinheit vor dieser Person zu schützen. Grundlage dafür sind § 63 und § 64 Strafgesetzbuch.

Ein großer Unterschied: Wird ein Täter zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, ist die Länge der Haftstrafe meist klar definiert. Die Menschen wissen, wann sie spätestens wieder frei sind.

Die Unterbringung in der forensischen Psychiatrie ist für psychisch erkrankte Patienten unbefristet möglich. Sie werden erst entlassen, wenn sie als geheilt gelten oder durch ihre Therapie so stabil sind, dass sie voraussichtlich keine Straftaten mehr begehen.

Das ist für viele nicht einfach, sagt Dr. Florence Hellen, Leiterin der forensischen Psychiatrie des LVR-Klinikums Düsseldorf.

Dr. Florence Hellen, Chefärztin
"Sie müssen sich das so vorstellen wie beim Sport. Wenn mein Trainer sagt: 'Mach mal Liegestütze!', und ich weiß nicht wie viele, ist das anstengender als wenn er sagt: 'Mach mal zehn Liegestütze!'. Und bei Nummer neun weiß ich: noch eine und dann ist es vorbei." Dr. Florence Hellen, Chefärztin

Ein Gericht entscheidet, wann die Person aus der forensischen Psychiatrie entlassen wird. Dazu gibt es einmal im Jahr für jeden Patienten eine Anhörung.

Das Gericht bezieht die Einschätzung des behandelnden Teams sowie externer Gutachter in die Beurteilung ein.
Vorher gibt es verschiedene Stufen der Lockerung, auch die sind klar definiert.

Wie lange psychisch erkrankte Menschen im Maßregelvollzug bleiben, ist völlig unterschiedlich. Manche kommen nie wieder frei.

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Unsere Quellen:

  • Landschaftsverband Rheinland (LVR)
  • Dr. Florence Hellen, Forensische Psychiatrie Düsseldorf
  • Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales
  • WDR-Reporterin vor Ort

Sendung: Dieser Beitrag liefert Informationen zum Youtube-Film von WDR Verbrechen "Forensische Psychiatrie: Was hinter dem Zaun wirklich passiert" vom 31.08.2026, 17 Uhr.

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