Waldbrände in Urlaubsregionen in Europa | WDR aktuell
WDR. 01:41 Min.. Verfügbar bis 27.07.2028.
Waldbrände in Europa : Das müssen Urlauber aus NRW jetzt wissen
Stand:
Inzwischen sind rund 340.000 Menschen in Frankreich und Spanien vor den Waldbränden in Sicherheit gebracht worden. Wer aus NRW dort Urlaub geplant hat, sollte sich vorher so gut es geht informieren. Wie gefährlich es vor Ort ist und welche Stornierungsrechte ihr habt.
Die Sommerferien in NRW sind gerade mal eine Woche alt - und vielleicht hat der eine oder andere schon länger einen Urlaub an der französischen Atlantikküste in der Nähe von Bordeaux oder in Spanien in der Region Madrid gebucht. Doch die teils verheerenden Waldbrände, die dort gerade wüten, machen einen Urlaub vor Ort lebensgefährlich.
Evakuierungen im Südwesten Frankreichs
Die Feuerwehren in Frankreich sind im Großeinsatz
Inzwischen sind in den betroffenen Regionen Frankreichs bis zu 1.500 Soldaten im Einsatz, hauptsächlich um bei der Evakuierung der betroffenen Gebiete zu helfen. Nach Behördenangaben wurden allein in der schwer getroffenen Region Gironde bereits rund 42.000 Hektar Land zerstört - mehr als bei allen Waldbränden des vergangenen Jahres in Frankreich zusammen.
Flammen nahe der Großstadt Bordeaux
Die Lage im Südwesten Frankreichs spitzt sich derweil weiter zu: Die Flammen sind inzwischen bis auf etwa 25 Kilometer an die Großstadt Bordeaux herangerückt. Allein im Verwaltungsbezirk Gironde wurden im Großraum Bordeaux bereits rund 220.000 Menschen vorsorglich evakuiert. Nach Angaben der örtlichen Behörden haben die Brände vor Ort bislang rund 140 Wohnhäuser zerstört.
Waldbrände auch in Spanien und auf Sizilien
In Spanien hat die Regierung zum ersten Mal bei Waldbränden den Nationalen Notstand ausgerufen. Dadurch kann der Staat mehr Mittel und Gelder im Kampf gegen die Flammen mobilisieren. Insgesamt waren in Spanien nach Angaben des Innenministeriums rund 120.000 Menschen von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen betroffen. Und auch auf Sizilien gibt es verheerende Waldbrände.
Notunterkünfte für evakuierte Campingurlauber in Frankreich
Notfallunterkunft nahe Waldbrandgebieten in Frankreich
Wie brenzlig die Lage gerade an der französischen Küste ist, zeigen die Vorbereitungen der örtlichen Behörden bei den Notunterkünften. Wer es nicht mehr schafft, sich aus dem Gebiet in Sicherheit zu bringen, wird in solche Unterkünfte gebracht.
An der französischen Atlantikküste betrifft das vor allem Campingurlauber, da diese Region besonders unter diesen Touristen sehr beliebt ist. Zahlreiche Campingplätze sind dort bereits evakuiert worden. Teilweise mussten Camper ihr Hab und Gut zurücklassen, um schnell in Sicherheit gebracht zu werden.
Atmosphäre im Zuge der Campingplatz-Evakuierung war "unheimlich"
Auch eine Urlauberin aus Deutschland war gerade mit Mann und Sohn auf einem Campingplatz, als sie plötzlich erfuhren, dass sie sofort weg müssen. Im WDR schilderte sie, dass die Atmosphäre im Zuge der Evakuierung mitten in der Nacht "ganz unheimlich" war.
Man habe zunächst nicht gewusst, ob das Feuer quasi vor der Tür gestanden habe oder doch noch weiter weg ist. "Wir haben erst später erfahren, dass die Evakuierung eine präventive Maßnahme war", sagte die Frau. Die Evakuierungsaktion sei aber "sehr gut organisiert" gewesen.
Waldbrand auch in der Nähe von Valencia
Wegen eines neuen Waldbrandes in der Nähe der ostspanischen Großstadt Valencia sind nach Behördenangaben 15.000 Menschen von einem Evakuierungsaufruf betroffen. "Das Feuer übersteigt unsere Löschkapazitäten; es hat einen Umfang von etwa 21 Kilometern", erklärte Regionalpräsident Juanfran Pérez Llorca am Samstagabend. Noch sei es schwierig, die Größe der verbrannten Fläche zu bestimmen.
Waldbrand nördlich von Valencia aus dem Flugzeug fotografiert
Feuerwehrleute in NRW stehen auf Abruf bereit
Rund 2.500 Feuerwehrleute kämpfen an der französischen Atlantikküste gegen die Flammen, doch sie kommen an ihre Belastungsgrenzen. In NRW sind Feuerwehrleute bereit zu helfen. Vor vier Jahren schon rückte die Bonner Feuerwehr mit mehr als 60 Kräften nach Frankreich aus.
Angesichts der aktuellen Bilder sind sie hier auf Standby, innerhalb sechs Stunden wären sie abfahrbereit. Martin Haselbauer von der Feuerwehr Bonn sagte dem WDR: "In unserem Lager sind all die Ausrüstungsgegenstände schon ready to go und vorgepackt, man muss sie nur noch auf den Lkw laden." Und dann könne man losfahren.
Brandgefahr und Waldbrände - wo Prävention ansetzen muss
Die Brandgefahr steigt an vielen Orten in Europa. Lange Trockenheit sorgt für Felder und Wiesen, die sich leicht entzünden können und für niedrige Wasserstände - auch in NRW. Die Feuerwehren rüsten deshalb auf. Neue Einsatzfahrzeuge und Löschroboter sollen helfen, genau wie das Monitoring per Video und Satellit.
Brandschutzmaßnahmen gegen "Katastrophen-Feuer"
Feuerökologe Alexander Held gibt Tipps für wirksamen Schutz gegen Waldbrände
Aber wirksamer Brandschutz müsse früher ansetzen, sagt der Feuerökologe Alexander Held im Gespräch mit dem WDR. Es fange weit vor dem Feuer an und betreffe sehr viele andere Akteure; vom Tourismus, der räumlichen Planung, über die Forstwirtschaft bis zum Naturschutz. "Solange wir diese anderen Elemente des Feuermanagements vernachlässigen, wird die Feuerwehr immer früher oder später auf verlorenem Posten stehen", sagt Held.
Und da hilft eben kein Löschhubschrauber oder zwei oder zehn und auch keine lustigen Roboter. Alexander Held, Feuerökologe
Ökologe Held fordert: "Wir müssen ansetzen in den anderen Bereichen, die die Feuerwehr überhaupt erst in die Lage versetzen, Feuer beherrschbar zu machen." Ziel sei es so zu erreichen, dass Feuer nicht mehr zu "Katastrophen-Feuern" würden. Von der Vorstellung einer Zukunft ohne ungewollte Brände müsse man sich verabschieden, betonte der Experte. Schon wegen der sich verschärfenden Klimabedingungen sei das unrealistisch.
Stornierung wegen Waldbränden nur bei Pauschalurlaub
Rüdiger Wittkop: Anwalt für Reiserecht
Nur wer eine Pauschalreise gebucht hat, kann die Reise noch kurzfristig stornieren, sagt der Reiserechtler Rüdiger Wittkop. Der Stornierungsgrund, der früher "Höhere Gewalt" hieß, würde heute unter dem Begriff "Außergewöhnliche Umstände" angewandt. Den könne man beim Reiseveranstalter geltend machen, wenn vor Ort die Lage zu gefährlich ist.
Anders sieht das laut Wittkop bei selbst zusammengestellten Reisen aus. Also wenn man Flug und Unterkunft separat gebucht hat. Den Flugpreis kriege man dann ziemlich sicher nicht erstattet. Bei der Unterkunft sei man auf die Kulanz des Gastgebers angewiesen.
Unsere Quellen:
- ARD-Berichterstattung
- ARD-Interviews mit Einheimischen an der französischen Atlantikküste
- Nachrichtenagentur dpa
- Deutschlandfunk
- WDR-Gespräch mit Urlauberin an der französischen Atlantikküste
- WDR-Gespräch mit Martin Haselbauer von der Feuerwehr Bonn
- WDR-Interview mit dem Feuerökologen Alexander Held
- Interview mit Reiserechtsanwalt Rüdiger Wittkop
Sendung: WDR 2, Sommerradio, 24.07.2026, 9:15 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 26.07.2026, 18:45 Uhr