Mitarbeiterin vor einer Fotowand.

Korea-Fan Amanda vor einer Fotowand.

Bildquelle: WDR / Tolga Sert

Plötzlich lieben alle Südkorea "In meiner Kindheit hat sich keiner für Asien interessiert"

Stand:

"Little Tokyo" in Düsseldorf ist auch ein Hotspot für Kultur aus Ostasien. Zum Beispiel gibt es viele koreanische Läden, Restaurants und Cafés.

Von Tolga Sert

Junge Menschen drängen sich in Fotoboxen und posen geübt vor der Kamera in einem U-Bahn-Ambiente, das manch einer aus der Metropole Seoul kennen könnte. Währenddessen hallt koreanische Popmusik durch den Laden. Amanda Kappes heftet einen frischen Fotostreifen an die bereits volle Wand. Ein normaler Arbeitstag in einem koreanischen Photobooth-Store in Düsseldorf.

Photobooths-Studios als Treffpunkt für K-Pop-Fans

In Südkorea gehören Photobooth-Studios zum Alltag junger Menschen. Sie sind mehr als nur ein Ort, um mit Freunden witzige Bilder zu machen. Hier lernt man auch neue Leute kennen. Das Konzept hat längst Düsseldorf erreicht: Auch im Photobooth-Studio an der Klosterstraße entstehen beim Warten auf den Fotostreifen erste Gespräche.

K-Pop-Idol KISU zu Besuch in Düsseldorf

K-Pop-Idol KISU zu Besuch in Düsseldorf.

Bildquelle: WDR / Tolga Sert

Regelmäßig finden K-Pop-Events und Fantreffen mit angehenden Popkünstlern aus Südkorea statt. Bei solchen Veranstaltungen kommen Besucher schnell ins Gespräch und tauschen sich über Südkorea aus. Nicht selten machen sie gemeinsame Erinnerungsfotos in den Fotostudios, ab sieben Euro pro Streifen.

"Es ist so, als hätte ich mein Hobby zum Job gemacht." Amanda Kappes, Korea-Fan
Drei Menschen in einem Fotostudio im U-Bahn-Ambiente

Jenny, Baku und Amanda (v.l.) posieren im U-Bahn-Ambiente

Bildquelle: WDR / Tolga Sert

Auch Amanda und ihre besten Freunde Jenny und Baku haben sich in dem Fotobox-Laden kennengelernt. Die drei arbeiten in dem Geschäft, machen gemeinsame Fotos und kommen mit den Kunden ins Gespräch. Wie die meisten Leute, die das Photobooth-Studio besuchen, interessiert sich Amanda nicht nur für K-Pop, sondern auch für Serien und Kosmetik aus diesem ostasiatischen Land.

Der Hype um Korean Skincare

Wer sich mit südkoreanischer Popkultur beschäftigt, kommt an koreanischen Beauty-Produkten nicht vorbei. Besonders auf Social Media und in den Geschäften der Innenstädte gibt es einen Hype um Korean Skincare, also südkoreanische Hautpflege, auch in Düsseldorf.

Kosmetikgeschäft mit bunten Regalen und auffälligen Produkten.

Auffälliger K-Beauty Store mit bunten Regalen

Bildquelle: WDR / Tolga Sert

Typisch für K-Beauty-Stores sind bunte Regale mit auffälligen Pflegeprodukten, dazu ein frischer, klarer Duft und Musik von südkoreanischen Popbands. Jedes Detail ist Teil des Marketingkonzepts der Kosmetikindustrie.

Laut dem Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) wächst der deutsche Hautpflegemarkt seit Jahren stetig, zuletzt besonders in den Kategorien Haut- und Gesichtspflege. Auch das Interesse an koreanischer Pflege hat den Angaben zufolge spürbar zugenommen.

Junge Frau im K-Beauty-Store in Düsseldorf.

K-Beauty-Verkäuferin Lisa Ring im Beauty-Store

Bildquelle: WDR / Tolga Sert

Verkäuferin Lisa ist auch privat von koreanischen Masken, Seren und Cremes überzeugt. Das Versprechen der Produkte: eine langfristige Stärkung der Haut durch natürliche Inhaltsstoffe.

Ob Korean Skincare-Produkte wirklich besser wirken als herkömmliche Hautpflege, lässt sich aus wissenschaftlicher Sicht nicht sagen. Zurzeit gibt es nämlich keine seriösen Untersuchungen speziell zu koreanischer Pflege.

Cafés mit besonderer Atmosphäre

Ähnlich bunt wie K-Beauty-Stores geht es in den Cafés zu - mit koreanischem Gebäck und Getränken. Besonders beliebt: Der Black Sesame Latte, ein cremiges Kaffeegetränk aus warmer oder kalter Milch und schwarzer Sesampaste, das in der letzten Zeit immer öfter auf Social Media auftaucht.

Erdbeer Latte und Matcha Latt mit Gebäcl

Erdbeer Latte, Matcha Latte und dazu Kuchen

Bildquelle: WDR / Tolga Sert

In Düsseldorf gibt es mittlerweile mehrere koreanische Cafés. Typisch für sie sind ein modernes Ambiente, leise koreanische Musik aus den Lautsprechern und ein buntes Publikum. Meistens sind es Kreative, die zeichnen, Paare sowie Studierende, die am Laptop an ihrer nächsten Hausarbeit sitzen.

Düsseldorf als Anlaufstelle für K-Pop, Anime, Manga und Games

Der Hype um Südkorea ist ein soziologisches Phänomen: "Hallyu", auf Deutsch die "Koreanische Welle", bezeichnet die weltweit ansteigende Beliebtheit südkoreanischer Popkultur. Aber auch Popkultur aus anderen ostasiatischen Ländern wie Japan, China, Taiwan und Hongkong wird sichtbarer.

Wand mit K-Pop Light Sticks

Teil der Ausstellung: K-Pop Light Sticks. Fans halten sie bei Konzerten in der Hand.

Bildquelle: WDR / Tolga Sert

Um die Vielfältigkeit zeitgenössischer Kultur aus Ostasien abzubilden, startet am Donnerstag, dem 17. September, die Ausstellung "ASIA POP" im NRW-Forum in Düsseldorf. Durch Pappaufsteller von K-Pop-Sängern und Anime-Figuren soll auch die ostasiatische Massenkultur zum Ausdruck kommen, wie Kuratorin Charlotte Ickler sagt.

In der Ausstellung soll es aber nicht nur um die positiven Seiten gehen, sondern auch um die Schattenseiten der Industrie: Unrealistische Schönheitsideale, Druck durch Social Media und exzessiven Konsum.

Kuratorinnen Nana Tazuke-Steiniger und Charlotte Ickler (v.l)

Kuratorinnen Nana Tazuke-Steiniger und Charlotte Ickler (v.l.)

Bildquelle: WDR / Tolga

Großes Interesse für diese Kultur hat auch die Mitarbeiterin des Photobooth-Studios, Amanda Kappes - sie hat chinesische Wurzeln. Als Kind habe sie mit Vorurteilen gegenüber ihrer Kultur zu kämpfen gehabt. Umso mehr freut sich die 18-Jährige über die "ASIA-POP"-Ausstellung. Bis Mai 2027 können Besucher im NRW-Forum in die Welt von K-Pop, Anime und Games eintauchen.

"Ich freue mich sehr, dass Leute in Deutschland mehr von unserer Kultur sehen können." Amanda Kappes, Korea-Fan

Düsseldorfs "Little Tokyo" als Zentrum für asiatische Communitys

In Düsseldorf lebt mit etwa 8.400 Japanern die größte japanische Gemeinde Deutschlands. Die Landeshauptstadt besitzt zudem das deutschlandweit einzige Japanviertel mit eigener Infrastruktur. Als "Little Tokyo" ist das Viertel mittlerweile auch die Basis weiterer asiatischer Communities, etwa der südkoreanischen.

Anders als die japanische Community kamen in den 1960er-Jahren viele Südkoreanerinnen und Südkoreaner durch ein Anwerbeabkommen als Krankenschwestern und Bergarbeiter nach Deutschland. Hinzu kamen später Mitarbeiter südkoreanischer Firmen. Laut Angaben der Stadt leben knapp 2.200 Staatsbürger der Republik Korea in Düsseldorf.

Die japanische und südkoreanische sind zwei eigenständige Communities, die sich in Düsseldorf dieselben Räume teilen. Während Düsseldorf einen der größten Japan-Standorte Europas darstellt, ist das Pendant für Südkorea die Region um Frankfurt am Main.

Südkorea erleben in Düsseldorf

WDR 11.09.2026 58 Sek. Verfügbar bis 10.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Stadt Düsseldorf
  • Visit Düsseldorf
  • Industrieverband für Körperpflege- und Waschmittel
  • Quarks.de
  • Universität Bremem
  • NRW-Forum

Sendung: WDR.de, Südkorea erleben in Düsseldorf, 14.09.2026, 04:55 Uhr.

Weitere Beiträge aus Düsseldorf

1 / 2