Dieser Sommer hat Bilder erzeugt, wie man sie selten sieht, auch für den Theatermacher Lothar Kittstein. Er ist Historiker und Dramaturg und hat sich in seinen Arbeiten für die Bühnen in Köln und Bonn viel mit der Klimakrise auseinandergesetzt. Unter anderem hat er in der Bonner Inszenierung "Recht auf Jugend" die Anliegen der Letzten Generation auf die Bühne gebracht. Aber dass der Rhein in seiner Heimatstadt Bonn einmal derart trocken sein würde, dass man ihn zu Fuß überqueren kann, das hätte auch er nicht gedacht.
Der Frosch im Wassertopf
Aber was bleibt von diesen Bildern, wenn der Sommer vorbei ist? Muss man das gesehen haben, um die Klimakrise besser zu verstehen? Lothar Kittstein meint: Jein. "Einerseits sollte das helfen, weil die Zeichen so unübersehbar geworden sind. Andererseits benimmt sich die Menschheit seit Jahren wie der berühmte Frosch im Wassertopf, der langsam erhitzt wird und nicht rausspringt, weil er es nicht merkt."
Für das Theater sei die Auseinandersetzung mit der Klimakrise eine Herausforderung. In der Kunst konzentriere man sich gerne auf das Individuum, gerade wenn es darum gehe, Emotionen zu erzeugen. Die Klimakrise sei jedoch kein individuelles Problem, sondern ein strukturelles. Auch deshalb würden viele Theater das Thema für ihre Bühnen scheuen.
Was soll der Scheiß auf der Bühne?
Lothar Kittstein ist eine der wenigen Ausnahmen im Theater. Er hat nicht nur mit Menschen aus der Gruppe "Die letzte Generation" zusammengearbeitet. Er hat Leichensäcke auf die Bühne knallen lassen, als Symbol für Klimaflüchtlinge. Allerdings kann er auch verstehen, dass sich das Publikum vor solchen Stücken scheut. Doch negative Reaktionen nimmt er gerne in Kauf.
Ich bin auch sehr zufrieden, wenn die Leute rausgehen und sagen: 'Was soll der Scheiß auf der Bühne? Lothar Kittstein, Historiker und Dramaturg
Was wir aktuell brauchen, meint Lothar Kittstein, ist die Auseinandersetzung. Und genau da könne die Kunst ansetzen. Sie könne die Menschen aufrütteln, wütend machen und auf diesem Weg Veränderungen anstoßen. Mit der Selbstzufriedenheit, mit der wir in Europa immer noch glauben, wir seien die Guten, müssen wir seiner Meinung nach dringend aufhören. Wenn er mit seinem Theater etwas dazu beitragen kann, dann habe er seinen Beitrag erfüllt.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Lothar Kittstein
Sendung: WDR 3, Resonanzen, 31.08.2026, 18:10 Uhr