Eine Drohnenaufnahme der Kölner Bühnen

Eine Drohnenaufnahme der Kölner Bühnen

Bildquelle: WDR

Sanierung der Kölner Bühnen War es das wirklich wert?

Stand:

Von Miriam Berger
1

Worüber sich alle einig sind

Die Sanierung von Oper und Schauspielhaus ist zu teuer geworden. Viel zu teuer. Sie hat 14 Jahre gedauert. Sie war ganz offensichtlich von vorneherein nicht ausreichend durchdacht. Sie war unzureichend geplant und umgesetzt. Bei all dem dürfte wohl niemand ernsthaft über den Verlauf des Projekts glücklich sein. Aber: Hat es sich am Ende gelohnt? Darf man bei der angespannten Haushaltslage eineinhalb Milliarden in städtische Bühnen stecken? An dieser Stelle gehen die Meinungen auseinander. Hier sind zwei davon.

2

Bärbel Hildebrand vom Bund der Steuerzahler: "Am meisten erbost hat uns die Kampagne zur Wiedereröffnung."

"Kunst und Kultur gehören in unsere Gesellschaft, da gibt es nichts zu diskutieren. Aber die Kosten, die durch massive Fehler bei der Sanierung der Kölner Bühnen entstanden sind, sind nicht mehr zu rechtfertigen. Diese Kulturmittel hätten in Museumsprojekte, den Tanz oder die freie Szene fließen können.  

Die Stadt hat sich von Anfang an in unterschiedlichen Zuständigkeiten verheddert. Zu Beginn haben die Bühnen selbst die Sanierung geplant und waren Bauherrin, während die Projektleitung bei der Gebäudewirtschaft lag. Es hat viel zu lange gedauert, bis die Zuständigkeiten geklärt und neu verteilt wurden.

Für Oper und Schauspiel hätte es einen gut durchdachten Plan gebraucht. Dieses Drauflosbauen und Abblasen und dann wieder Drauflosbauen, das hat letztlich über die Jahre hinweg zu einem Desaster geführt. 

Bärbel Hildebrand

WDR 15.09.2026 39 Sek. Verfügbar bis 10.09.2028 WDR Online

Am meisten erbost hat uns die Kampagne zur Wiedereröffnung der Bühnen. Mal ehrlich: Gibt es irgendjemanden, der nicht mitbekommen hätte, dass die Oper jetzt wieder am Offenbachplatz öffnet? Eine Pressekonferenz hätte völlig ausgereicht. 

Stattdessen: Eine wochenlange Kampagne und jetzt auch noch zwei Tage Riesensause - für insgesamt dreieinhalb Millionen! Das ist rausgeschmissenes Geld. Die freie Szene hätte jahrelang von einer solchen Summe profitiert. 

Vielleicht sollten wir in Zeiten, in denen das Geld nicht mehr so locker sitzt, überhaupt mehr auf interkommunale Zusammenarbeit setzen. Wo sind Kooperationen möglich? Auch: Wo könnten wir Opernhäuser zusammenlegen? 

Frau schaut ernst in die Kamera
Vielleicht sollten wir in Zeiten, in denen das Geld nicht mehr so locker sitzt, überhaupt mehr auf interkommunale Zusammenarbeit setzen. Wo sind Kooperationen möglich? Auch: Wo könnten wir Opernhäuser zusammenlegen?  Bärbel Hildebrand, Bund der Steuerzahler

Das ist nicht leicht, weil natürlich keine Stadt ein Haus, das sie hat, gerne aufgeben möchte. Aber das sind Möglichkeiten, die wir grundsätzlich in Erwägung ziehen sollten. Man kann nicht jedem seine persönliche Oper neben die Haustür bauen. 

Unterm Strich freuen wir uns natürlich, dass dieses Trauerspiel nun ein Ende hat."

3

Frank Deja von der Initiative "Köln kann auch anders": "Am Ende war die Sanierung für Köln die beste Lösung."

"Kulturbauten sind mehr als Gebäude. Wir sehen es aktuell an der Ukraine: Wer die Identität eines Landes zerstören will, bombardiert zuerst die Kulturstätten. Oper und Schauspiel sind ein Teil Kölner Identität, sonst hätten wohl kaum über 50.000 Menschen für den Erhalt des Ensembles unterschrieben.

Es war schließlich eine bewusste Geste nach dem Krieg, die Bühnen mitten in die Kölner Innenstadt zu setzen – mit einer Architektur, die nicht triumphal auftritt wie die der Nazis, sondern zurückhaltend, aber durchdacht.

Die Abrissgenehmigung für das denkmalgeschützte Schauspielhaus galt ohnehin nicht mehr, als klar wurde, dass der geplante Neubau die funktionalen Mängel des alten Hauses nicht überwinden kann.

Frank Deja

WDR 15.09.2026 31 Sek. Verfügbar bis 10.09.2028 WDR Online

Am Ende war die Sanierung für Köln die beste Lösung – sie wurde nur völlig unzureichend geplant und umgesetzt. Erst nach fünf Jahren hat man festgestellt, dass die Baufirmen unkontrolliert drauflos gebaut haben. Vorne und hinten hat nichts mehr zusammengepasst und musste wieder rausgerissen werden. Das hat viel Geld und Zeit gekostet.

Es ist eine berechtigte Frage, ob man dieses Geld nicht auch anderswo hätte gebrauchen können – natürlich hätte man das. Ich glaube andererseits nicht, dass die Stadt das Geld andernfalls für Kitas oder die freie Theaterszene ausgegeben hätte.

Frank Deja schaut ernst in die Kamera
Es ist eine berechtigte Frage, ob man dieses Geld nicht auch anderswo hätte gebrauchen können – natürlich hätte man das. Ich glaube andererseits nicht, dass die Stadt das Geld andernfalls für Kitas oder die freie Theaterszene ausgegeben hätte. Frank Deja von der Initiative "Köln kann auch anders"

Trotz allem, das Ergebnis hat sich gelohnt: Die funktionalen Mängel des "alten" Schauspielhauses sind überwunden, was der Neubau nicht hätte leisten können. Und die geschätzten Betriebskosten sind mit der Integration beider Häuser deutlich niedriger.

Dann wäre da der ökologische Vorteil: Wir haben gerade wieder einen Hitzesommer hinter uns. Neubauten sind mit einem riesigen CO2-Fußabdruck verbunden - sowas überlegt man sich heute dreimal.

Jetzt freue ich mich auf die Wiedereröffnung der Kölner Bühnen. Das Opernhaus hat im Vergleich zum Ausweichquartier im Staatenhaus eine viel bessere Akustik. Das Schauspiel wird von den logistischen Verbesserungen für den Spielbetrieb profitieren.

Die mit der Sanierung verbundene Kostenexplosion wäre allerdings vermeidbar gewesen. Ich würde mir wünschen, dass man daraus lernt."

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Bärbel Hildebrand und Frank Deja
  • Einschätzungen der WDR-Reporterin

Sendung: WDR.de, Kölner Bühnen: Sanierung ist Lehrstück eines Desasters, 08.09.2026, 5:00 Uhr

Mehr Theaterrezensionen

1 / 2