Kölner Bühnen: Sanierung ist Lehrstück eines Desasters
Bildquelle: Oper Köln / Jann HöferWDR. 3 Min. 19 Sek.. Verfügbar bis 08.09.2028.
Aus geplanten 253 Millionen Euro sind es fast 1,5 Milliarden Euro geworden - Baukosten und die Finanzierung zusammengerechnet. Statt einer Premiere im November 2015 findet sie jetzt - elf Jahre später - im September 2026 statt.
Kölner Bühnen: hoher Anspruch an Denkmal-Sanierung
Zu Beginn der Sanierung sind alle Beteiligten optimistisch, sprechen von einem engen, aber machbaren Zeitplan. Ziel ist es, das denkmalgeschützte Ensemble aus Oper und Schauspielhaus als herausragendes Beispiel für die Nachkriegsmoderne zu modernisieren und vor allem den Brandschutz auf den heutigen Stand zu bringen.
Neben der Sanierung der 1957 eröffneten Oper und dem Schauspielhaus aus dem Jahr 1962 werden auch neue Spielstätten geplant: eine Studiobühne und eine eigene Kinderoper sowie einen alle Gbeäude verbindenden Anlieferungsbereich im Kellergeschoß.
Baufirmen gehen während Sanierung pleite
Eine Drohnenaufnahme der Kölner Bühnen.
Bildquelle: WDRDass es eine komplexe Baustelle wird, war allen Beteiligten von Anfang an klar. Aber erst nachdem Oper und Schauspielhaus ausgezogen sind, machen die Bauleute die Wände auf und untersuchen die Fundamente genauer. Ergebnis: Der Zustand der Gebäude ist weit schlechter als erhofft. Und auch die Bauarbeiten gestalten sich schwierig. Während der Bauzeit gehen mehrmals Firmen in die Insolvenz. Die Leistungen müssen neu ausgeschrieben werden.
Chronologie des Bau-Desasters
- 2011
- 2012 - 2014
- 2015
- 2016 – 2018
- 2019 – 2022
- 2023 – 2026
Kölner Bühnen: Absage der Premiere im Jahr 2015
Vor allem aber läuft die Planung der technischen Ausstattung für die Lüftungstechnik oder den Brandschutz komplett aus dem Ruder. Mitte 2015 wird die für den November geplante Premiere abgesagt. "Ich befinde mich seit gestern in einer Art Alptraum", kommentiert sichtlich geschockt der damalige Schauspiel-Chef Stefan Bachmann die Situation. Die Stadt zieht die Reissleine und kündigt dem Planer der technischen Anlagen.
Kabelgewirr im Opernhaus 2017.
Bildquelle: WDRSelbst für Laien ist offensichtlich, dass diese Baustelle so nicht zu Ende gebracht werden kann. Es gibt chaotische Zustände auf der Baustelle, mit heraushängenden Kabelsträngen, Schutzklappen, die nicht geöffnet und Türen die nicht geschlossen werden können. Der Brandschutz wird nicht oder fehlerhaft montiert.
Viel Aufwand für denkmalgerechte Sanierung
Durch den Denkmalstatus der Gebäude muss die neue Technik in den bestehenden Bau integriert werden. Foyers, Treppen, Sichtbetonfläche, Holzvertäfelungen: alles muss erhalten und saniert werden. Was denkmalgerechte Sanierung bedeutet, zeigt das Beispiel der Türen zum Zuschauerraum. Sie werden aufgeschnitten, eine neue Lärmdämmung eingebaut und spezielle Technik, damit die Türen im Brandfall automatisch schließen können.
Neuplanung der Kölner Bühnen sorgt für steigende Kosten
Zwei Jahre lang tut sich fast nichts auf der Baustelle. Die Kosten steigen dadurch immer weiter: Neue Planer müssen engagiert und neue Gutachten erstellt werden. Und währenddessen werden Ausweichspielstätten für die Bühnen angemietet und umgebaut. Eine lange Liste. Alleine die Baukosten steigen auf fast achthundert Millionen Euro.
Kölns ehemalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Jahre 2017.
Bildquelle: WDRWer dieses Baudesaster verursacht hat, ist bis heute nicht klar. "Es war die Missorganisation die zu dem Knäuel geführt hat", sagt die damalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker im Jahr 2017. Die Planungsfirma und die Stadt verklagen sich gegenseitig. Bis heute liegt der Streitfall vor Gericht und wird noch Jahre dauern.
Verantwortung für das Bau-Desaster unklar
Wer letztlich für das Bau-Desaster verantwortlich ist, will der Stadtrat mit einer Prüfung durch das städtische Rechnungsprüfungsamt klären. Das kommt zu einem weitgehend schon bekannten Ergebnis: Stadt, Planer und Baufirmen haben unkoordiniert nebeneinanderher gearbeitet. Trotz alledem stehen nun die Kölner Bühnen kurz vor ihrer Wiedereröffnung, an die in Köln viele nicht mehr geglaubt haben.
Unsere Quellen:
- Reporter im Gespräch mit am Bau Beteiligten (Architekt, Planungsfirma, Baufirmen)
- Stadt Köln
- Bühnen der Stadt Köln
Sendung: wdr.de, Kölner Bühnen: Sanierung ist Lehrstück eines Desasters, 08.09.2026, 05:00 Uhr
