Der Künstler inszeniert sich selbst im Anzug mit Ballettschuhen. Vor seinem Kunststudium wollte Jörg Immendorf Tänzer werden.
Bildquelle: WDR / Helge DrafzRevoluzzer, Malerfürst, Skandalkünstler : Jörg Immendorffs Lebenswerk im Kunstpalast
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Erst war Jörg Immendorff kommunistischer Revoluzzer und Aktionskünstler an der Kunstakademie. Dann großspuriger und erfolgreicher Maler-Star, der die Nähe der Schönen und Reichen suchte. Er machte Schlagzeilen als Skandalkünstler, den die Polizei mit viel Kokain und neun Prostituierten in einem Luxushotel erwischte. Jetzt zeigt der Kunstpalast bis zum 10. Januar 2027 zum ersten Mal seit Jahrzehnten das Werk dieses Ausnahmekünstlers.
Es gibt viel zu sehen in dieser Ausstellung, die zum ersten Mal in Düsseldorf seit 1982 wieder einen Überblick über das Schaffen eines Malers gibt, der seit seinem Studium in Düsseldorf zu Hause war und als einer der wichtigsten deutschen Künstler seiner Generation gilt. Jörg Immendorff malte große, wandfüllende Bilder, die sich durch einen immensen Detailreichtum auszeichnen: Portraits, Symbole, Anspielungen.
Sein großes Thema seit den 70er Jahren: das durch die Teilung zerrissene Deutschland. Und sein berühmtestes Werk: der 16teilige Zyklus "Café Deutschland". Jedes einzelne Bild dieser Reihe zeigt eine Caféhaus-Szene mit immer anderen zusammen sitzenden Menschen.
Großformatige "Wimmelbilder" in fast allen Räumen
Überdimensionale wandfüllende "Wimmelbilder" mit zahlreichen Portraits, Symbolen und Verweisen waren Immendorffs Markenzeichen.
Bildquelle: WDR / Helge DrafzImmendorff wollte die Trennung der Menschen aufheben durch Kommunikation, sagt die Kuratorin Filicity Korn, die mit einer Kollegin die Ausstellung vorbereitet hat. Die Lösung für viele Konflikte und Probleme habe Immendorff im persönlichen Austausch gesehen und das Café sei für ihn ein symbolträchtiger Ort gewesen. Für sie sei es heute gar nicht einfach, in diesen riesigen "Wimmelbildern" jedes Detail zu deuten und jedes Portrait zu erkennen.
Weil Immendorff in einer Zeit, als abstrakte Minimal- und Concept-Art die Kunstszene prägten, gegenständlich, bunt und großformatig malte, zählten Kunstkritiker und Museumsleute ihn schon ab 1980 zu den so genannten "neuen Wilden".
Vom Propagandakünstler zum Maler der deutschen Teilung
Bis Immendorff das Thema seines Lebens fand, hatte er eine lange Strecke zurückgelegt. Sein Studium begann er in der Bühnenbild-Klasse der Kunstakademie, wechselte dann aber schnell zu Joseph-Beuys. Der Star-Professor jener Jahre beeinflusste den jungen Immendorff mit seinen Ideen von der gesellschaftsverändernden Kraft der Kunst maßgeblich.
In den 70er Jahren war Immendorf bekennender Kommunist. Seine Bilder aus dieser Zeit: Agitation und Propaganda.
Bildquelle: WDR / Helge DrafzSo wurde Jörg Immendorff in den wilden 70er Jahren Mitglied einer kommunistischen Splitterpartei und begann, Propaganda-Kunst im Stil des sozialistischen Realismus zu malen. Erst die Begegnung mit Künstlerfreunden aus der DDR öffnete ihm die Augen und die Zerrissenheit Deutschland und seiner Menschen wurde sein Thema.
Kurz vor seinem Tod illustrierte Immendorff eine Bibel
Jörg Immendorff bei der Arbeit im Atelier.
Bildquelle: WDR / Helge DrafzDie Ausstellung im Kunstpalast lässt durch die chronologische Struktur die Entwicklung Immendorffs nachempfinden und führt schließlich zum Spätwerk des Malers, das er schon stark von seiner tödlichen Krankheit beeinträchtigt schuf. Weil er nicht mehr auf einer Leiter an großen Gemälden arbeiten konnte, schuf er kleinformatige Bilder, Zeichnungen auf Papier, und illustrierte zum Beispiel eine Bibel.
Am 28. Mai 2007 starb Jörg Immendorff an der amotryphen Lateralsklerose (ALS), einer tödlichen Nervenkrankheit.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des Reporters in der Ausstellung
- Gespräche mit Felicity Korn, Kuratorin der Immendorff-Ausstellung, und Felix Krämer, Generaldirektor des Kunstpalasts
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 24.09.2026, 19.30 Uhr