Die Euphorie des Eröffnungsfestes ist kaum verpufft, schon gibt die Oper Köln neuen Anlass zur Sorge.
Bildquelle: WDR / Bernd-Michael MaurerAm Donnerstag wird die Eröffnung der Kölner Bühnen mit einem Festakt gefeiert. Am Freitag findet die Premiere im Schauspielhaus statt. In dem Stück "In bester Lage" geht es um fehlgelaufene Sanierungen. Am Sonntag gibt es dann im Opernhaus die Premiere des "Rosenkavalier" mit der Musik von Richard Strauss.
Mängel bei Podien und Licht
In den Bühnen wurde alles eingebaut, was der Markt für Bühnentechnik hergibt. Podien, die nach unten und oben fahren können, die schräg gestellt werden können, die sich um die eigene Achse drehen können und jede Menge Strahler an den 18 Traversen über der Bühne. Doch bei der Opernpremiere können nicht alle technischen Möglichkeiten, die es gibt, genutzt werden.
Grund ist, dass die Technik nicht zuverlässig funktioniert und es sowohl mechanische als auch Softwareprobleme gibt. Schon bei den Eröffnungstagen für die Bürger am vergangenen Wochenende waren die Podien und Lichter nicht in Bewegung. Zur Verwunderung und auch Enttäuschung der Besucher. Die Begründung vor Ort waren die bereits aufgebauten Kulissen für den "Rosenkavalier".
Besucher beim Eröffnungsfest der Bühnen im Zuschauersaal der Oper
Bildquelle: WDR / GleisbergAuf WDR-Nachfrage schreiben die Bühnen: "Bei einem Sanierungsprojekt dieser Größenordnung ist es realistisch, dass es in den ersten Wochen und Monaten zu technischen Störungen, notwendigen Nachjustierungen oder einzelnen Ausfällen kommen kann." Nach einer Generalsanierung ließe sich das trotz aller vorherigen Prüfungen erst unter den "Bedingungen eines tatsächlichen Proben- und Vorstellungsbetriebes vollständig erproben."
Inszenierung wurde verändert
Die technischen Probleme haben dazu geführt, dass die Oper die Inszenierung des "Rosenkavalier" verändert hat. Die Nachfrage des WDR, ob dies eine Folge der Sorge um die Zuverlässigkeit der Technik sei, ließen die Bühnen offen.
Opernintendant der Oper Köln Hein Mulders
Bildquelle: WDR / Jens GleisbergFür Opernintendant Hein Mulders sei es das Wichtigste, dass eine Premiere mit wunderbaren Inszenierungen gefeiert werden könne. Das hatte er bereits im Vorfeld gesagt. Lieber etwas technisch abspecken, als bei der Premiere ein Problem haben.
Enttäuschung in der Kulturpolitik
Brigitta von Bülow, die als langjährige kulturpolitische Sprecherin von B90/Grüne die Bühnen-Baustelle begleitet hat, zeigt Verständnis für die aktuellen technischen Probleme. Trotzdem sei sie auch enttäuscht, dass zur groß angekündigten Premiere nach 14 Jahren Baustelle nicht alles funktioniere. "Man hätte einfach vorher anfangen müssen zu erproben. Der Termin jetzt ist schon richtig, weil jetzt überall die Saison beginnt, aber es hätte einen längeren Vorlauf geben müssen."
Das Problem: Die Bühnen haben erst die letzte Spielzeit zu Ende gebracht, sind dann in die Theaterferien gegangen und stehen jetzt vor den Problemen.
"Opern-Desaster nicht herbeiskandalisieren"
Die kulturpolitische Sprecherin der SPD im Stadtrat, Maria Helmis-Arend, kann nachvollziehen, dass die Bürger eine hohe Erwartung an die Bühnen haben, nach den langen Jahren der Sanierung. "Und gleichzeitig muss ich auch sagen, dass wir jetzt nicht aus jeder technischen Störung das nächste Opern-Desaster herbeiskandalisieren dürfen. Das ist ein Riesentanker, der jetzt hochgefahren wird."
Arbeit auf Hochtouren: Bauarbeiter auf der Drehbühne in der Oper in Köln
Bildquelle: WDR / GleisbergAnders sieht das der Opernexperte Richard Lorber. Für ihn ist es eine Fortsetzung des Desasters um die Bühnensanierung. Dass Teile der Podien hoch- oder runtergefahren werden können, sei aber nicht zwangsläufig ein wesentlicher Bestandteil einer guten Inszenierung. Er sei gespannt auf die Premiere des "Rosenkavalier".
Bühnen wollen Probleme angehen
Auf die technischen Probleme angesprochen, sagten die Bühnen dem WDR, dass sie gerade angesichts des engen Terminplans, kurz vor der Premiere und dem Festakt zur Eröffnung, kein Interview geben können. Schriftlich heißt es zu den Mängeln:
"Die Bühnen Köln sind darauf vorbereitet und werden auftretende Probleme gemeinsam mit den beteiligten Fachfirmen und technischen Partnern so schnell wie möglich analysieren und beheben." Bühnen der Stadt Köln
Das gilt auch für die Gebäudetechnik. Denn auch der Lastenaufzug, mit dem die Bühnenbilder transportiert werden, bleibt immer wieder stehen.
Unsere Quellen:
- Bühnen der Stadt Köln
- Mitarbeiter, Bühnen der Stadt Köln
- Mitarbeiter von beteiligten Firmen
- Brigitta von Bülow, kulturpolitische Sprecherin von B90/Grüne
- Maria Helmis-Arend, kulturpolitische Sprecherin der SPD
- Richard Lorber, Opernexperte
Sendung: WDR.de, Technikprobleme in der Oper, 23.09.2026, 05:05 Uhr
