Kai Stänicke (2026)

Aus Werdohl ins Kino Kai Stänickes Debüt "Der Heimatlose"

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Vierzehn Jahre war Hein fort. Als er in sein Heimatdorf zurückkehrt, will ihn dort niemand erkennen. Der aus Werdohl stammende Regisseur Kai Stänicke macht daraus in "Der Heimatlose" eine ungewöhnliche Geschichte über Identität, Erinnerung und die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit.

In "Der Heimatlose" kommt Hein mit dem Boot in einem abgelegenen Fischerdorf auf einer Insel an. Doch weder seine demente Mutter noch seine jüngere Schwester oder sein bester Freund aus Jugendtagen scheinen zu wissen, wer er ist. Die eingeschworene Dorfgemeinschaft hält den Rückkehrer für einen Fremden und fordert einen Prozess. Hein soll beweisen, dass er tatsächlich derjenige ist, für den er sich ausgibt.

Der Prozess spaltet das Dorf. Gleichzeitig zwingt er Hein dazu, sich mit Erinnerungen und einem Leben auseinanderzusetzen, das er eigentlich hinter sich lassen wollte. Aus der rätselhaften Heimkehr entwickelt sich so eine Parabel über Zugehörigkeit, verdrängte Vergangenheit und die Frage, wer über die Identität eines Menschen bestimmen darf.

Regisseur aus dem Sauerland

Die absurde Geschichte hat auch einen persönlichen Ursprung: Kai Stänicke wurde 1986 in der kleinen Gemeinde Werdohl im Sauerland geboren, studiert hat er in Dortmund, inzwischen lebt er in Berlin.

"Für große Teile meiner Kindheit und Jugend hatte ich dort oft das Gefühl, dass ich nicht ich selbst sein kann und dass ich Teile von mir erst aktzeptieren konnte, als ich diesen Ort verlassen habe." Kai Stänicke, Regisseur

Bei Besuchen in seiner sauerländischen Heimat habe er zunehmend das Gefühl gehabt, auf ein früheres, weit entferntes Leben zurück zublicken: "Als könnte ich nicht mehr zurück in dieses Leben."

Aus diesem Gefühl sei die Grundidee des Films "Der Heimatlose" entstanden, Stänickes erster abendfüllender Spielfilm, für den er auch das Drehbuch schrieb. In den Hauptrollen spielen unter anderem Paul Boche, Philip Froissant und Emilia Schüle.

Ein Dorf wie eine Theaterkulisse

Gedreht wurde im Herbst 2024 auf Sylt und Norderney. Das Dorf wirkt dabei bewusst künstlich: Sichtbar hölzerne Kulissen und offene Räume erinnern an eine Theaterbühne. Eigentlich eine Folge eines zu kleinen Budgets für eine ganze historische Welt, aber Stänicke nutzt die reduzierte Gestaltung, um das Verhalten der Dorfgemeinschaft in den Mittelpunkt zu stellen. "In so einer kleinen Gemeinde ist alles offen, es gibt keine Geheimnisse, jeder weiß alles über jeden, alles ist offen für eine Beurteilung", sagt Stänicke.

Mit der Künstlichkeit der Kulissen unterstreicht Stänicke auch die Erinnerungslücken des "Heimatlosen": "Er kommt zurück zu einen Ort, an dem er sich nur fragmentiert erinnert, und so sind auch die Häuser nur Fragmente."

Mehrfach ausgezeichnetes Debüt

Seine Weltpremiere feierte "Der Heimatlose" im Februar 2026 bei der Berlinale. Dort eröffnete der Film den Wettbewerb "Perspectives" für Spielfilmdebüts und erhielt den Jury Award des queeren Filmpreises Teddy. Weitere Auszeichnungen folgten unter anderem beim Neiße Filmfestival, beim Provincetown International Film Festival und beim Frameline Festival in San Francisco. Am 27. August startet "Der Heimatlose" in den deutschen Kinos. Für Kai Stänicke führte der Weg zum ersten Langfilm damit von Werdohl und Dortmund über internationale Festivals bis auf die große Leinwand.

Radikal: Spielfilmdebüt "Der Heimatlose" von Kai Stänicke

Bildquelle: Florian Mag

Westart 22.08.2026 4 Min. 30 Sek. UT Verfügbar bis 22.08.2028 WDR Von Jörg Laaks

Unsere Quellen:

  • Westart-Beitrag "Der Heimatlose"
  • Produktionsinfos von Nordmedia

Sendung: WDR Fernsehen, Westart, 22.08.2026, 18:15 Uhr 

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