Für viele Lego-Verrückte ist es kein Hobby, sondern Lebensmittelpunkt. Schnell werden viele hundert Euro investiert, um Todessterne, Gebäude oder Sportwagen Stein für Stein möglichst originalgetreu nachzubauen.
Verrückt? Vielleicht aber auch eine schlaue Geldanlage. Denn seltene Sets können beim Wiederverkauf kräftig an Wert zulegen. So wird aus dem Spielen plötzlich ein lukratives Geschäft mit bunten Klemmbausteinen.
Ein einzigartiges Lego-Sammlerstück kam am Freitag in der Kunsthalle Barmen unter den Hammer: Der ATLAS-Detektor. 9.500 Lego-Teilchen zählt das Modell.
Mit dem echten Detektor werden physikalische Experimente durchgeführt. Er gehört zum berühmten Teilchenbeschleuniger am Kernforschungszentrum CERN in der Schweiz.
Lego-Modell für Physiker
Genau diesen Detektor haben Physikerinnen und Physiker 2014 an der Bergischen Universität Wuppertal im Maßstab 1:50 aus Lego nachgebaut. Warum das Ganze? Mit dem Modell konnten Schulklassen und Besucher des Physikinstituts einen Eindruck von dem Messgerät bekommen.
Welchen Erlös erzielt das Lego-Sammlerstück?
Martin Kneesch ist ein Wuppertaler Lego-Verrückter, privat sogar organisiert in einem Lego-Verein. Kneesch sagt, dass Lego-Bauen für viele einen Kult- und Sammlerstatus habe. Er sagt, bei dem Lego-CERN-Detektor handele es sich um "ein schönes Stück Wissenschaft".
"Das einzige was hindert, ist die Phantasie - technisch ist alles möglich." Martin Kneesch, Lego-Enthusiast
Es seien oft "diese bekloppten, netten, süßen Erwachsenen, die Lego bauen und sammeln, wie Briefmarken-Verrückte eben auch", sagt er augenzwinkernd. Der ganz alte Star-Wars-Todesstern sei ein gutes Beispiel. Bei einem Kaufwert von nur 250 Euro habe das Set auch schon schlappe 1.000 bis 1.200 Euro eingebracht.
Das ATLAS-Modell ist kein Serienprodukt. Denn der Bauplan wurde von einem Physiker, der das Originalexperiment studiert hatte, entworfen. Nachbauen kann es aber theoretisch jeder, der den Bauplan hat.
Das einzige Gebot kam am Freitagabend dann online rein - damit ging das Modell für lediglich 430 Euro über den Tisch. Hier hatte man sich deutlich mehr erhofft, weil alleine der Materialwert bei etwa 2.000 Euro lag. Der Erlös geht nun in jedem Fall an die Kunsthalle Barmen.
Pläne für neues Modell mit 20.000 Teilen
In der Realität ist der "echte" Detektor mehrere Stockwerke hoch, tonnenschwer und mit hochpräziser Elektronik versehen. Hier werden die Teilchenkollisionen aufgezeichnet, mit denen 2012 erstmals das berühmte Higgs-Teilchen nachgewiesen werden konnte – ein Meilenstein für die moderne Physik.
Dieser Detektor wird allerdings nun umgebaut, so dass auch das Modell der Universität in Wuppertal veraltet ist. Das Physikinstitut möchte daher nun ein neues, aktualisiertes Modell das Detektors bauen - das soll dann sogar aus 20.000 Lego-Teilchen bestehen.
Unsere Quellen:
- Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
- Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Wagner
Sendung: WDR.de, Versteigerung von seltenem Sammlerstück, 11.09..2026, 15:30 Uhr

