Die Schriftstellerin Karosh Taha steht während des Internationale Literaturfestivals Berlin - 21. ilb, im Hof des "silent green Kulturquartiers".

Longlist veröffentlicht Karosh Taha mit Chancen auf Deutschen Buchpreis

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"Gulistan“ ist schon jetzt ein Erfolg. Doch der kurdisch-deutschen Schriftstellerin ist etwas anderes deutlich wichtiger.

Karosh Taha spürt den Zauber des Neuanfangs. Zwar sei "Gulistan" schon ihr dritter Roman. Doch nach langen Phasen des Nachdenkens und Schreibens fühle sich die Veröffentlichung für die in Köln lebende Schriftstellerin an wie ein Debüt.

Die Schriftstellerinnen Sharon Dodua Otoo (2.v.l), Maaza Mengiste (Mitte), Karosh Taha (2.v.r) und Sasha Marianna Salzmann sitzen während des Internationalen Literaturfestivals Berlin - 21. ilb, auf der Bühne im "silent green Kulturquartier".

Der Roman ist aus dem Stand erfolgreich. Am Tag seiner Veröffentlichung schafft es "Gulistan" direkt auf die Longlist des Deutschen Buchpreises, der Anfang Oktober zu Beginn der Frankfurter Buchmesse verliehen wird.

Husseins Diktatur zerstört Beziehung

Hauptfigur des Romans ist die Kurdin Gulistan. Zusammen mit ihrem Mann Ciya lebt sie in einer fiktionalen Diktatur, die der im Irak unter Saddam Hussein ähnelt. Das Paar wird politisch verfolgt. Als ihr Mann spurlos verschwindet, macht sich Gulistan auf die Suche, begegnet ihm in einer Menschenmasse und traut ihren Augen nicht.

Denn Ciya trägt die Uniform des Diktators als dessen Doppelgänger. Eine ganz bewusste Wendung, erzählt Autorin Karosh Taha im Interview mit dem WDR. Beim Schreiben habe sie besonders interessiert, wie Diktaturen in die intimsten Beziehungen eingreifen könnten: "Sie können den Menschen, den man am meisten liebt, so sehr verfremden, dass man sich vor ihm erschreckt und fürchten kann."

Autorin aus NRW auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis

WDR 3 Resonanzen 11.08.2026 10 Min. 17 Sek. Verfügbar bis 11.08.2027 WDR 3

Die Macht der Sprache

Im Roman beginnt Gulistan trotz ihrer Verhaftung eine starke innere Widerstandskraft zu entwickeln. Autorin Taha ist überzeugt, dass auch Literatur Diktaturen die Stirn bieten kann: "Durch das Erzählen, aber auch vor allem durch das Erfinden von Sprache." Sich der Herrschersprache zu widersetzen und eine eigene Sprache zu finden, ist für die kurdisch-deutsche Autorin eine gelebte Form des Widerstands.

Ob in literarischer Form oder im Gespräch - Sprache könne auch in Deutschland viel verändern, meint Taha und spricht aus eigener Erfahrung der vergangenen zehn Jahren. Denn das Standing von Autorinnen und Autoren mit ausländischen Wurzeln habe sich hierzulande verbessert. Der Literaturbetrieb habe sich reflektiert und geöffnet, freut sich Taha. Doch noch immer müssten sie und andere kämpfen.

"Noch immer gibt es viele Autoren mit migrantischen Biografien, die nicht die Anerkennung und Aufmerksamkeit bekommen wie deutsch-deutsche Autoren." Karosh Taha, kurdisch-deutsche Schriftstellerin aus NRW

Lesereise wichtiger als Auszeichnung

Karosh Taha freut sich über die Aufmerksamkeit und die Anerkennung für ihre Arbeit durch die Jury des Deutschen Buchpreises. Sie freue sich deshalb auf der Longlist zu stehen, aber wichtiger sei ihr im Moment ihre anstehende Lesereise ab Ende August.

Die Schriftstellerin Karosh Taha sitzt während des Internationalen Literaturfestivals Berlin - 21. ilb, auf der Bühne im "silent green Kulturquartier".

Ihr letzter Roman "Im Bauch der Königin" erschien mitten in der Corona-Pandemie. Die geplante Lesereise fand damals nur digital vor der Webcam statt. Jetzt freue sich Taha bei ihren anstehenden Lesungen darauf, mit ihrem Publikum ins Gespräch zu kommen: "Ich freue mich, dass dieses Buch, wofür ich echt lange gebraucht habe, jetzt Aufmerksamkeit bekommt und auf Gespräche mit den Menschen darüber."

Unsere Quellen:

  • Interview mit Autorin
  • Börsenverein des Deutschen Buchhandels

Sendung: WDR3, Resonanzen, Interview mit Karosh Taha, 11.08.2026, 18:07 Uhr 

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