Kunstwerk von Niki de Saint Phalle:  Temperance, model for the Tarot Garden, 1985.

Ausstellung mit Niki de Saint Phalle Die "Nanas" kommen nach Düsseldorf

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Von Miriam Berger

Niki de Saint Phalles Skulpturen sind wohl der Inbegriff weiblicher Lebensfreude: Rund, bunt und riesengroß, mal tanzend, mal im Kopfstand. Unter dem Motto "Alle Macht den Nanas" machte Niki de Saint Phalle ihre überdimensionierten Polyester-Plastiken zu ihrem Markenzeichen. Das französische "Nana" bezeichnet eine selbstbewusste, erotische Frau.

Dabei platzierte de Saint Phalle ihre Kunstwerke immer wieder bewusst im öffentlichen Raum. In Zürich, Paris und der Toskana, aber auch in der Duisburger Innenstadt. Dort ist 1993 der "Lifesaver-Brunnen" entstanden: Ein riesiger, bunter Vogel thront auf einem Sockel, das Wasser stürzt in weitem Bogen aus seinen Flügeln. An ihn klammert sich eine Frauenfigur.

Der "Lifesaver"-Brunnen von Niki de Saint Phalle in Duisburg

Ausstellung "Dream Machine" in Düsseldorf

Eine neue Ausstellung im Düsseldorfer Kunstpalast präsentiert jetzt die ganze Bandbreite von Niki de Saint Phalle - "Dream Machine" zeigt die vielen Facetten einer Künstlerin, die gesellschaftliche Normen auf den Kopf stellen wollte: "Niki de Saint Phalle wollte Rollenverhältnisse verändern und die weiblichen Themen in den Vordergrund stellen", sagt Heike van den Valentyn, Kuratorin der Ausstellung.

Die Ausstellung "Dream Machine" von Niki de Saint Phalle in Düsseldorf

Der männlich geprägten Kunstszene der Sechziger setzte de Saint Phalle Frauenthemen wie Schwangerschaft, Geburt und die Ambivalenzen der Mutterschaft entgegen. Für Kuratorin van den Valentyn aktueller denn je: "Heutzutage sieht man die große Relevanz ihrer Themen".

Die Künstlerin, die auf ihre Werke schießt 

Die Ausstellung zeigt das Werk von Niki de Saint Phalle in seinen vielen Facetten - denn ihre Kunst war längst nicht immer bunt und fröhlich. Zu sehen sind etwa die ikonischen "Schießbilder": Mit dem Gewehr in der Hand zielte die Künstlerin auf ihre eigenen Kunstwerke und ließ sie bluten – gelbe, rote, violette Farbe. 

Niki de Saint Phalle schießt mit einem Gewehr auf ihr Kunstwerk

Die Künstlerin drückte ihre ganze Wut damit aus. "Das Gewehr zu benutzen ist ein sehr männlich besetzter Akt. Aber im Akt des Zerstörens schafft sie etwas Neues. Diese Ambivalenz zieht sich durch ihr ganzes Werk", so Kuratorin van den Valentyn.

Selbstermächtigung durch Kunst 

Niki de Saint Phalle wurde 1930 im noblen Neuilly-sur-Seine bei Paris geboren und wuchs in New York in einem streng katholischen Milieu auf. Schon früh rebellierte sie gegen das gesellschaftliche Idealbild des braven Mädchens, das ihr Leben auf die Heirat ausrichtet.

1994 berichtete de Saint Phalle in ihrer Autobiographie, dass ihr Vater sie seit ihrem elften Lebensjahr sexuell missbraucht habe. Als junge Frau verbringt sie einige Zeit in der Psychiatrie, unter strenger Aufsicht und mit Elektroschocks. Doch bald entdeckt sie einen Ausweg: ihre Fähigkeit, Wut und Ohnmacht in Kunst zu verwandeln.  

Niki de Saint Phalle Nana mit Flügeln und Hörnern

Mit ihrer Kunst wollte Niki de Saint Phalle auch eine positive Wirkung auf andere Frauen entfalten: "Sie wollte Wege aufzeigen, die positiv sind. Die eine Kraft entwickeln, die es ermöglicht, mit diesen Erlebnissen umzugehen, so wie es ihr selber auch widerfahren ist", sagt Heike van den Valentyn.  

Parallelen zu Yayoi Kusama

Nach der großen Yayoi-Kusama-Schau im Kölner Museum Ludwig ist "Dream Machine" wohl die nächste Blockbuster-Ausstellung in NRW - schon vor Beginn sind fast alle Führungen ausverkauft. Und es gibt durchaus Parallelen: Wie ihre Zeitgenossin Yayoi Kusama verarbeitete auch Niki de Saint Phalle in ihrer Kunst traumatische Erlebnisse.

"Diese kraftvollen Gegenentwürfe in ihren Werken und die große Sichtbarkeit verbinden beide Künstlerinnen", sagt van den Valentyn. "Und auch die intensive Farbigkeit." Denn auch Niki de Saint Phalle hatte bald genug von der Tristesse.

Die Kraft der Lebensfreude 

Statt auf ihre Kunst zu schießen, entdeckte de Saint Phalle eine schier grenzenlose Freiheit in etwas ganz anderem: Freude! Die Formen wurden runder, die Farben bunter und die Künstlerin stellte überrascht fest, dass sie mit einem positiven Weltbild ebenso gut provozieren konnte wie mit einem Gewehr. 

Bunte Nana im Kopfstand

Die Künstlerin wollte, dass das Publikum ihr Werk nicht nur betrachtet, sondern berührt und benutzt. Besonders am Herzen lagen ihr dabei die Kinder, sagt Heike van den Valentyn. "Sie hat auch sehr viele Arbeiten für Kinder gemacht, ob das jetzt Spielorte sind mit einer Rutsche oder die Nana-Ballons." Viele Objekte finden sich auch in der Düsseldorfer Ausstellung wieder, noch dazu gibt es spezielle Führungen für Menschen, die in Kitas oder Grundschulen arbeiten.

Denn es sei wichtig, Menschen möglichst früh mit den Werken Niki de Saint Phalles in Berührung zu bringen, um ein Bewusstsein für die dahinterliegenden Ideen zu wecken: "Ihre Themen sind leider nicht vom Tisch, sondern sie wiederholen sich in den Generationen", sagt van den Valentyn. "Je länger ihr Werk wirkt, desto aktueller wird es." 

Niki de Saint Phalle in Düsseldorf

Westart | WDR 09.09.2026 5 Min. 3 Sek. Verfügbar bis 09.09.2027 WDR Online

Unsere Quellen:

Sendung: WDR 3, Westart09.09.2026, 12:10 Uhr 

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