Als er in den 70er Jahren anfing Schwulen-Comics zu zeichnen, galt Homosexualität als etwas worüber kaum gesprochen wurde. "Ich habe mir da keine Gedanken drum gemacht. Ich war jung, dumm und geil", sagt er dem WDR. Für ihn ist die Auszeichnung überraschend, da seine knollnasigen Figuren mit viel Sex und Satire die Öffentlichkeit provozierten.
Ausgezeichneter Tabubruch
Es ist mehr als ein Anstecker: Es ist der Verdienstorden des Landes NRW. Ralf König, so heißt es in der Begründung, hat mit seinen gesellschaftskritischen Cartoons Debatten über Sexualität, Religion, Politik und Rollenbilder angestoßen und sich für Kunstfreiheit und Menschenrechte engagiert.
Anlässlich des 80. Landesgeburtstages hat Ministerpräsident Hendrik Wüst am Montag den Verdienstorden des Landes NRW verleihen. Ebenfalls geehrt wurden unter anderem Magdalene Arndt, Mitgründerin des Trägervereins des Frauenhauses Paderborn, und auch Schauspielerin Veronika Ferres.
Weniger Biss, mehr Shitstorm
Dem WDR gegenüber beklagt König, dass bissige Comics heute selten geworden sind. Der Kapitalismus sauge jede Rebellion schnell auf, sagt er. Und die Angst vor Shitstorms bremse junge Zeichnerinnen und Zeichner.
"Heute würde man wahrscheinlich, wenn man nicht sofort durchstartet erstmal ’nen riesen Shitstorm kriegen. Und da haben die Meisten wahrscheinlich Manschetten vor" Comic-Zeichner Ralf König
Die Empfindlichkeiten seien größer geworden, bei Themen wie Sexualisierung oder Rassismus. Er selbst habe als "alter Sack" so etwas wie einen Freibrief, die Jüngeren weniger.
"Ein bisschen Schweinkram"
Begeistert von amerikanischen Underground-Comics, von Fritz the Cat und Robert Crumb, schuf er Comics für Erwachsene mit "ein bisschen Schweinkram". Dass daraus einmal gesellschaftsprägende Kunst werden würde, war nicht geplant. Eine dieser Debatten: die AIDS-Zeit. König ließ seine Figur Paul HIV-positiv werden - ein Schritt, der Leserinnen und Leser berührte.
Seit den 70er Jahren hat er mit seinen Comics zur sexuellen Aufklärung und politischen Schwulenbewegung beigetragen und damit Tabus gebrochen. Mit seinem Engagement für Kunstfreiheit und Menschenrechte hat er zudem gesellschaftliche Verantwortung übernommen, sagt das Ministerium.
Unsere Quellen:
- Land NRW
- WDR-Interview
- Website von Ralf König
Sendung: WDR3, Mosaik, 24.08.2026, 8 Uhr.