In der Fremde fühlt sie sich zuhause. Das sagte Lucy Fricke im Gespräch mit dem WDR. Sie war unter anderem in Krakau, Istanbul, Kyoto und jetzt ab Sommer in Bonn. Diese Ortswechsel seien für ihr Schreiben zentral, weil sie an anderen Orten eine Neugier empfinde, die sie nach 25 Jahren in Berlin nicht mehr spüre.
Bonn als Kulisse für neuen Roman
In Bonn wird Lucy Fricke an ihrem neuen Roman arbeiten. Dabei soll die Stadt selbst zur Kulisse werden, denn es wird in dem Buch eine Figur geben, die in Bonn bei der GIZ arbeitet. Was sie daran reizt, wie bei so vielen ihrer Romane: Was macht das mit einer Figur, wenn sie viel unterwegs ist? Kann man dennoch an einem Ort verwurzelt sein?
Das Stipendium in Bonn empfindet Lucy Fricke als Geschenk. Geplant seien einzelne Veranstaltungen, aber das wunderbare - gerade an diesem Stipendium - sei, dass es ihr Zeit gebe, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Diese Freiheit biete nicht jedes Programm. Denn häufig seien solche Schreib-Aufenthalte gekoppelt an Verpflichtungen.
Eine Beobachterin der Menschen
Der Verein "Lese-Kultur Godesberg", der das Bonner Stipendium vergibt, lobte Lucy Fricke als bedeutende Autorin. Sie behandle in ihren Romanen gesellschaftlich und politisch relevante Themen und vertiefe Fragen von Verantwortung, Identität, Freundschaft und darüber, wie Menschen in Krisen handeln.
Im WDR sagte die 52-Jährige, dass ihr Schreiben immer sehr aus dem Inneren komme. Sie sei froh, dass sie heute keine junge Autorin mehr sei. Denn der Markt sei noch härter geworden, und der Druck gerade für junge Leute hoch. Es gebe viele junge Autorinnen und Autoren, die ein, zwei Bücher schreiben und dann ihre Karrieren beenden müssten.
Man muss dieses Schreiben auch finanzieren. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt dabei. Oder man braucht einen Brotjob. Aber das macht es auch immer schwierig, dann wirklich konzentriert Romane zu schreiben, wenn man acht Stunden am Tag etwas anderes macht. Lucy Fricke, Autorin
Karrierestart mit Anfang dreißig
Lucy Fricke selbst, hat erst spät angefangen zu schreiben. Geboren wurde sie in Hamburg und als junge Frau hat sie zunächst beim Film gejobbt. Unter anderem bei dem Film "Absolute Gigangten". Erst mit Ende zwanzig hat sie angefangen am Literaturinstitut in Leipzig zu studieren.
2007 erschien ihr Debütroman "Durst ist schlimmer als Heimweh". Bekannt wurde sie einige Jahre später mit "Töchter", eine Geschichte über Freundschaft, Väter und das Leben mit Vierzig. Das Buch war ein Bestseller und wurde für das Kino verfilmt. Die Hauptrolle spielt Birgit Minichmayr.
Das Wesen von Literatur oder auch von Filmen ist natürlich, unsere Gefühle anzusprechen. Das erfoderte von denjenigen, die diese texte oder Filme verfassen, eine große Offenheit im Umgang mit ihren eigenen Gefühlen. Lucy Fricke, Autorin
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Lucy Fricke
Sendung: WDR 3, Resonanzen, 08.07.2026, 19.10 Uhr