Zwei Männer in einem Hubwagen in der Luft an einer Gasleuchte

Schwarzbuch der Denkmalpflege Jeden Tag geht ein Denkmal verloren

Stand:

In den vergangenen zwei Jahren waren im ganzen Land mehr als 1.000 Denkmäler betroffen, auch bei uns in NRW.

Die Gaslaternen in Düsseldorf, historische Eisenbahnbrücken in Köln oder andere ehemalige Wahrzeichen. Auch bei uns in NRW sind viele Denkmäler verschwunden oder gefährdet. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz legt mit ihrem Schwarzbuch wieder den Finger in die Wunde. Denn im vergangenen Jahr sind deutschlandweit sogar noch einmal zehn Prozent mehr Denkmäler verschwunden als im Jahr davor.

Düsseldorfer Gaslaternen jetzt mit LEDs

Das wohl prominenteste Beispiel zwischen Rhein und Weser sind die historischen Gaslaternen in Düsseldorf. Mit insgesamt fast 14.000 Laternen handelt es sich laut dem heute erschienenen Schwarzbuch der Denkmalpflege um die größte zusammenhängende Gasbeleuchtung in ganz Europa und etwa jede fünfte Laterne im Stadtgebiet.

"Schwarzbuch Denkmalschutz" beklagt weiteren Verlust von Denkmal

WDR 18.08.2026 00:32 Min. Verfügbar bis 17.08.2028 WDR Online

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Die Relikte der industriellen Revolution mit schummrig gelbem Licht waren erst 2020 unter Denkmalschutz gestellt worden. Durch die Umrüstung auf energieeffizientere LED-Leuchten hätten die Gaslaternen nun aber ihren "Wert als Denkmale der Technikgeschichte" verloren, heißt es im Schwarzbuch. Und das, obwohl das Äußere der Leuchten erhalten blieb und die Lichtstimmung fast die gleiche ist.

"Skandalöse Vorgehensweise" bei Mack-Pyramide in Monheim

Weitere Kritik gibt es an dem Umgang mit der Heinz Mack-Pyramide in Monheim. Der 1990 fertiggestellte Bau ist vielen auch als Scarabaeus-Pyramide bekannt und war als postmodernes Denkmal von der Stadt selbst geschützt worden. Kurz danach habe die Stadt den Status aber widerrufen.

Nordrhein-Westfalen, Monheim am Rhein: Blick auf die sich im Umbau befindliche Mack-Pyramide.

Es folgte ein desaströses Hick Hack um die Erweiterung und weitere Nutzung mit immensen Kosten für den Steuerzahler. Die Stiftung Denkmalschutz bewertet das als "skandalöse Vorgehensweise". Durch den Erweiterungsbau für ein Kulturzentrum sei der ursprüngliche Charakter verloren gegangen, genauso wie der Status als Denkmal.

Bahnbrücken in Köln gefährdet

Vier Eisenbahnbrücken in Köln fallen für die Denkmalschützer seit diesem Jahr in die Kategorie "gefährdet". Die Deutsche Bahn will die Brücken aus Stahl aus dem späten 19. Jahrhundert abreißen und durch Neubauten ersetzen lassen. Das sei "alternativlos", weil die Brücken, die am Bahnhof West in der Nähe des Stadtgartens am "Ende ihrer technischen Nutzungsdauer" angelangt seien.

Der Hans-Böckler-Platz in Köln

Die ersten Bauarbeiten am Hans-Böckler-Platz haben begonnen.

Bildquelle: WDR/ Friederike Müllender

Laut dem Schwarzbuch der Denkmalpflege ist das mindestens problematisch. Denn seit 2012 stehen die Bauwerke unter Schutz als Zeugnisse rheinischer Industriearchitektur und Eisenbahngeschichte.

Beethovenhalle als "Ode an den Denkmalschutz"

Die Beethovenhalle in Bonn sei dagegen als Denkmal gerettet worden. Die seit 35 Jahren geschützte Konzerthalle aus den 50er-Jahren galt als Parkett der Bonner Republik. Das damals sanierungsbedürftige Wahrzeichen der alten Bundeshauptstadt wäre fast einem Neubau zum Opfer gefallen. Nach Problemen mit möglichen Investoren und Protesten aus der Bevölkerung wurde die Beethovenhalle schließlich ab 2016 saniert.

Die Beethovenhalle wurde nach den Plänen und unter der Leitung von Siegfried Wolske gebaut. Im September 1959 wurde sie fertig gestellt und ist seitdem ein Wahrzeichen der Stadt und eines der bedeutendsten Bauwerke der jungen Bundesrepublik.

Im Dezember 2025 konnte die Beethovenhalle schließlich mit einem Konzert wiedereröffnet werden. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz lobt dabei, dass die Halle technisch, akustisch und räumlich ertüchtigt worden sei, ohne den Charakter des Denkmals zu verändern. Solche positiven Beispiele zählen für die Stiftung eindeutig als "Ode an den Denkmalschutz".     

Unsere Quellen:

  • Schwarzbuch der Denkmalpflege 2024/2025
  • Stadt Düsseldorf

Sendung: WDR5, Westart, 18.08.2026, 14:30 Uhr 

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