CSD Parade in Köln - Feiern gegen die Anfeindungen

Aktuelle Stunde 06.07.2025 39 Min. 1 Sek. UT Verfügbar bis 06.07.2027 WDR

Kölner CSD: Warum Petra sich noch immer für ihre Freiheit einsetzt

Stand:

Petra Esser ist mit den Queeren Flamingos beim CSD. Die 56-Jährige will nie mehr verprügelt oder angefeindet werden, weil sie eine Frau liebt.

Von WDR-Reporter Andreas PalikAndreas Palik

Der Regen auf der Deutzer Brücke in Köln ist kaum zu hören. Noch bevor die Parade startet, läuft Musik. Die Leute tanzen im Regen, der ein oder andere spannt noch schnell einen Schirm auf oder zieht sich einen Regen-Poncho über.

Petra Esser schenkt sich etwas in den Becher ein.

Auf dem Wagen ist Petra Esser dafür verantwortlich, dass alle eine gute Zeit haben.

Im Trocken steht Petra Esser. Sie schaut auf die Letzten ihrer Gruppe, die gerade über die Laderampe auf den Wagen springen. Mit ihren Freunden und Kollegen des Kölner Karnevals hat sie ein Gruppe organisiert, die schon seit einigen Jahren bei der Kölner Christopher Street Day-Parade mitfährt: die "Queeren Flamingos". Petra Esser passt heute auf alle auf: "Von der Ecke habe ich den Wagen gut im Blick, dass sich die Leute gut benehmen und natürlich auch Spaß haben. Das klappt schon mit denen - aber ich bleibe heute nüchtern."

"Wir sind keine Monster!"

Die Laderampe schließt, die Musik wird lauter und der Wagen fährt zügig an. Alle sind kurz am Schwanken, halten sich aber auf den Beinen. Es geht los. Petra ist nicht nur hier, um eine schöne Zeit zu haben: "Es ist wichtig, für unsere Rechte auf die Straße zu gehen. Wenn ich die Entwicklung sehe, da kriege ich Angst und Bange", erzählt sie.

"Deshalb müssen wir Präsenz zeigen. Wir sind keine Monster, wir sind liebenswert!" Petra Esser, Queere Flamingos

Verprügelt, weil sie eine Frau liebt

Petra ist mit Beate zusammen - eine Liebe zwischen zwei Frauen. Was hier beim CSD ganz normal ist, ist aber nicht immer Alltag: "Ich habe schlechte Erfahrungen mit Leuten aus der rechten Szene gemacht. Das hat mich vier Wochen krank gekostet."

Auf die Nachfrage, ob sie wegen der Psyche solange krank war, antwortet sie: "Nein körperlich, ich wurde verprügelt." Angst hat sie heute aber nicht: "Ich will mich auch nicht von dem rechten Mob einschüchtern lassen!"

Es wird nass

Als würde der Regen die Menschen nicht genug nass machen: Auch vom Wagen gibt es eine Dusche. Es ist hier eine kleine Tradition. Die Menschen an der Straße kennen das und sind darauf vorbereitet. Manche Zuschauer schießen zurück.

Mit Wasserpistolen schießen die Queeren Flamingos in die Menge. Andere schießen zurück.

Mit Wasserpistolen schießen die Queeren Flamingos in die Menge. Das lassen sich aber nicht alle gefallen - und schießen zurück.

Plötzlich geht die Musik aus. Der DJ rennt zu seinem Equipment. Irgendetwas stimmt mit dem Stromgenerator nicht. Ohne Musik, keine richtige Party sagt jemand. "Dann singen wir eben", ruft eine Frau aus der Ecke und stimmt ein Karnevals-Lied an.

Nach ein paar Minuten Singen und Schunkeln knallt die Musik wieder aus den Lautsprechern. Es wird wieder getanzt und laut mitgesungen. Auf dem Wagen wird eine Tüte rumgereicht. Der würzige fleischige Geruch verrät sofort, was es ist: Frikadellen. Sandra greift in die Tüte und nimmt sich eine heraus. Auch sie ist nicht nur zum Feiern hier:

Sandra greift in eine Tüte mit Frikadellen.

Sandra ist sonst im Kölner Karneval aktiv und ist auch gerne beim CSD in Köln dabei.

"Ich habe viele queere Freunde und ich möchte die einfach unterstützen Die Stimmung ist heute auch bei Regen toll. Ich bin überrascht, wie viele Leute hier sind."

"Wir leben nicht anders als ihr."

Auch wenn Petra hier die Aufsicht hat: Alle benehmen sich, und natürlich kann sie mit den anderen genau so feiern. Sie schaut mit ihrer Partnerin in die Menge und ist begeistert, was hier los ist: "Das gibt mir ein gutes Gefühl, dass noch nicht alles verloren ist."

Petra und Beate küssen sich. Mehere Menschen winken von dem Wagen.

Auf dem Wagen wird gefeiert und dabei fällt auch der ein oder andere Kuss.

Noch ein paar Stunden haben die Queeren Flamingos vor sich, in denen noch ordentlich gefeiert wird. Was Petra und die anderen aber damit zeigen wollen: "Ey Leute, wir leben nicht anders als ihr."

Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Gespräche mit dem Team von "Queere Flamingos"

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