Für Umwelt und Meere: Neues Plastik-Abkommen

Aktuelle Stunde 05.08.2025 9 Min. 39 Sek. UT Verfügbar bis 05.08.2027 WDR

Plastikmüll: Wie die Recycling-Quote steigen kann

Stand:

Wie den Plastikmüll-Berg reduzieren? Darüber verhandeln in Genf die UN-Staaten. Eine Möglichkeit ist es, die Recycling-Quote zu erhöhen.

Manche Hochrechnungen gehen davon aus, dass im Jahr 2050 - gemessen am Gewicht - mehr Plastikteile als Fische im Meer sind. Ein weltweites Plastikabkommen soll helfen, die Plastikflut einzudämmen. Darüber verhandeln mehr als 160 UN-Staaten, darunter Deutschland, seit Dienstag in Genf.

Eine Stellschraube, um das Ziel zu erreichen, ist die Wiederverwertung: Derzeit werden nach Angaben des UN-Umweltprogramms UNEP weltweit etwa 460 Millionen Tonnen Plastik pro Jahr hergestellt, aber nur weniger als zehn Prozent des Plastikmülls werden recycelt.

Wie hoch ist die Recycling-Quote?

Im weltweiten Vergleich schneidet die EU zwar besser ab - wie die aktuellsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2022 zeigen. Damals lag die Recycling-Quote für Kunststoffabfälle nach Angaben des EU-Parlaments bei mehr als 40 Prozent. Und in Deutschland erreichte sie sogar mehr als 51 Prozent. Aber das bedeutet auch: Hierzulande wird nur rund die Hälfte des Kunststoffverpackungsabfalls recycelt.

Wie viel Plastikmüll wird pro Kopf wiederverwertet?

Im Jahr 2022 verursachte statistisch gesehen jede Person in der EU durchschnittlich gut 36 Kilogramm Plastikverpackungsmüll. Aber nur knapp 15 Kilogramm davon wurden recycelt - weniger als die Hälfte. Zwar werden laut dem EU-Parlament seit 2005 jährlich immer mehr Kunststoffverpackungen recycelt, aber zugleich steigt fast kontinuierlich auch der jährlich erzeugte Plastikabfall.

Warum ist die Recycling-Quote nicht höher?

In weiten Teilen der Welt fehlt es an der Infrastruktur für ein effektives Recycling. Doch selbst in Deutschland sei es häufig nur schwer möglich, Plastik wiederzuverwerten, sagte Professor Stefan Krause, Ökohydrologe an der Universität Birmingham, am Dienstag im WDR.

"Häufig ist das Recycling von Plastikprodukten dadurch erschwert, dass sie sehr komplex sind." Die Produkte enthalten demnach nicht nur eine Plastikart, sondern mehrere. Zudem seien viele Farb- und andere Zusatzstoffe drin, die das Recycling zusätzlich erschwerten. Solche Vielfach-Plastikprodukte seien kaum noch trennbar, so Krause.

Wie kann die Wiederverwertung erleichtert werden?

Neben einer verbesserten Infrastruktur, die ein systematisches Recycling überhaupt ermöglicht, kann auch am Produkt Plastik noch geschraubt werden. Es gibt die Idee, sich für eine verbesserte Kreislaufwirtschaft auf nur vier oder fünf Plastikarten zu beschränken und dabei auf reine Kunststoffe ohne Zusatzstoffe zu setzen.

Für Verpackungen sollen zum Beispiel drei Kunststoffe ausreichen, so Kreislaufforscher Professor Michael Braungart gegenüber dem WDR. Er nannte Nylon als Beispiel für einen Kunststoff, der sich in die ursprünglichen chemischen Substanzen zurückwandeln lasse und dann zu einem gleichwertigen neuen Kunststoff werden könnte. Ziel müsse es daher sein, die Summe der Plastiksorten und der weit mehr als 10.000 Bestandteile des Plastiks, radikal zu reduzieren.

Recycling oder Verbot? Wirksame Plastikpolitik

WDR Studios NRW 05.08.2025 3 Min. 28 Sek. Verfügbar bis 05.08.2027 WDR Online


Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur DPA
  • WDR-Hörfunk-Beitrag "Recycling oder Verbot? Hebel für eine wirksame Plastikpolitik" vom 05.08.2025
  • Informationen des Europäischen Parlaments

Mehr Nachrichten