Medizinische Ursachen für Autounfälle von Senioren | WDR aktuell
02:09 Min.. Verfügbar bis 28.10.2027.
Senioren am Steuer: Autounfälle haben oft medizinische Ursachen
Stand:
Wenn Senioren schwere Unfälle im Straßenverkehr verursachen, dann liegt das offenbar häufig an medizinischen Notfällen.
Von Uli Spinrath
Ohnmacht, Herzinfarkt, Zuckerschock: Solche medizinischen Notfälle sind oft die Ursache für schwere Autounfälle, die Seniorinnen und Senioren verursacht haben - also Unfälle, bei denen Menschen verletzt wurden oder sogar gestorben sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Björn Steiger Stiftung.
Unter der Leitung des Unfallforschers Siegfried Brockmann hat das Team die Daten von 230.000 von der Polizei aufgenommenen Unfällen ausgewertet.
Unfallrisiko bei jungen und alten Fahrern am höchsten
Diesen Daten zufolge fahren ältere Menschen zwar weniger Kilometer im Jahr als jüngere Menschen, weil sie zum Beispiel nicht mehr jeden Tag zur Arbeit fahren. Setzt man die Fahrleistung aber ins Verhältnis, haben ältere Menschen ein ähnlich hohes Risiko, einen schweren Unfall mit Personenschaden zu verursachen, wie die bekannte Hochrisikogruppe der jungen Fahrer von 18 bis 24.
Allerdings seien überwiegend nicht - wie häufig angenommen - kognitive Einschränkungen die Ursache, sondern medizinische Notfälle. Wie die Studie ergab, geht es also oft nicht um eine altersbedingte Überforderung beim Abbiegen oder Abstandhalten, sondern um das Risiko eines medizinischen Notfalls, das im Alter steigt.
Fahren oder nicht fahren? Das sagen Senioren in Bochum
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Diese Erkenntnisse könnten auch die oft geführte Debatte über verpflichtende Fahrtests für Seniorinnen und Senioren verändern oder weiten. Die Tests würden nämlich solche Ereignisse nicht vorhersagen. Deshalb hält es Studienleiter Brockmann auch für richtig, dass es solche Tests in Deutschland bislang nicht gibt. Kognitive Einschränkungen stellen nur einen Teil des Problems dar. Die EU hat sich ebenfalls erst kürzlich darauf geeinigt, keine verpflichtenden Tests für alle Mitgliedsländer einzuführen.
Risikopersonen identifizieren
Stattdessen sei es wichtig, gefährdete Personen zu identifizieren, so Brockmann. Das könnten am besten die Hausärzte leisten, die ihre Patienten auch medikamentös einstellen könnten. Neben dem Erkennen kognitiver Schwächen müsse der Fokus deshalb in Zukunft auch auf medizinische Risiken gelegt werden, zum Beispiel mit Hilfe von einheitlichen Screenings. Denn kognitive Defizite könnten Seniorinnen und Senioren durch eine angepasste Fahrweise ausgleichen. Medizinische Probleme, die plötzlich auftreten, aber nicht.
Smartwatches könnten behilflich sein, kritische Zustände zu erkennen, bevor es zu einem Unfall kommt. Hoffnung setzt Brockmann auch in die besser werdenden KI-Fähigkeiten von Autos, die im Notfall selbstständig reagieren können.
Freiwillige Fahrtests für Senioren
Der ADAC und auch die Vekehrswacht NRW bieten Fahrtrainings speziell für Seniorinnen und Senioren an. Dabei kooperieren sie häufig mit örtlichen Fahrlehrern, die den älteren Autofahrern nach einer Testfahrt eine Einschätzung über deren Fähigkeiten geben. Diese Einschätzung bleibt aber vertraulich und wird beispielsweise nicht an Behörden weitergegeben. Und die Test sind freiwillig.
Unsere Quellen:
- Studie Björn Steiger Stiftung
- Interview mit Unfallforscher und Studienleiter Siegfried Brockmann
- WDR-Umfrage in Bochum