Medizinische Ursachen für Autounfälle von Senioren | WDR aktuell

02:09 Min. Verfügbar bis 28.10.2027

Senioren am Steuer: Autounfälle haben oft medizinische Ursachen

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Wenn Senioren schwere Unfälle im Straßenverkehr verursachen, dann liegt das offenbar häufig an medizinischen Notfällen.

Von Uli Spinrath

Ohnmacht, Herzinfarkt, Zuckerschock: Solche medizinischen Notfälle sind oft die Ursache für schwere Autounfälle, die Seniorinnen und Senioren verursacht haben - also Unfälle, bei denen Menschen verletzt wurden oder sogar gestorben sind. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Björn Steiger Stiftung.

Unter der Leitung des Unfallforschers Siegfried Brockmann hat das Team die Daten von 230.000 von der Polizei aufgenommenen Unfällen ausgewertet.

Unfallrisiko bei jungen und alten Fahrern am höchsten

Diesen Daten zufolge fahren ältere Menschen zwar weniger Kilometer im Jahr als jüngere Menschen, weil sie zum Beispiel nicht mehr jeden Tag zur Arbeit fahren. Setzt man die Fahrleistung aber ins Verhältnis, haben ältere Menschen ein ähnlich hohes Risiko, einen schweren Unfall mit Personenschaden zu verursachen, wie die bekannte Hochrisikogruppe der jungen Fahrer von 18 bis 24.

Allerdings seien überwiegend nicht - wie häufig angenommen - kognitive Einschränkungen die Ursache, sondern medizinische Notfälle. Wie die Studie ergab, geht es also oft nicht um eine altersbedingte Überforderung beim Abbiegen oder Abstandhalten, sondern um das Risiko eines medizinischen Notfalls, das im Alter steigt.

Fahren oder nicht fahren? Das sagen Senioren in Bochum

Norbert Kleschies

Norbert Kleschies: "Ich fahre selber nicht mehr Auto. Es war zu riskant. Ich bin 82 Jahre alt. Schon vor 15 Jahren habe ich einen Stent bekommen. Da wird man etwas vorsichtiger. Wenn man bei manchen Leuten sieht, wie sie ins Auto einsteigen oder aussteigen, wundert man sich, dass sie noch fahren können."

Günter Siersch: "Ich tue alles dafür, dass ich geistig und körperlich fit bleibe. So lange sollte man das auch machen dürfen und es sollte nicht gesetzlich reglementiert werden. Das muss der Einzelne für sich entscheiden." Angelika Siersch: "Wenn ich den Eindruck hätte, dass ich mich und andere gefährde, würde ich den Führerschein abgeben. Das Problem ist, dass viele Senioren darauf angewiesen sind, um Einkäufe zu erledigen, um mobil und unabhängig zu bleiben. Das ist eine sehr schwierige Entscheidung."

Norbert Kleschies: "Ich fahre selber nicht mehr Auto. Es war zu riskant. Ich bin 82 Jahre alt. Schon vor 15 Jahren habe ich einen Stent bekommen. Da wird man etwas vorsichtiger. Wenn man bei manchen Leuten sieht, wie sie ins Auto einsteigen oder aussteigen, wundert man sich, dass sie noch fahren können."

Angelika Zeyer: "Ich fahre schon seit meinem 18. Lebensjahr und ich denke, dass die alten Leute oft besser fahren als die jungen, die gerade den Führerschein gemacht haben. Mir fällt auch auf, dass im Moment blinken völlig out ist, wenn man abbiegt. Also ich denke, man sollte da nicht so misstrauisch sein gegenüber den alten Leuten."

Hagen Seibt: "Ich bin 81. Ich fahre nicht mehr Auto. Ich habe zwar noch einen Führerschein, aber es geht nicht mehr. Ich kann das nicht mehr verarbeiten. Ich bin Psychologe und habe solche Untersuchungen durchgeführt. Das liegt nicht an der Reaktionszeit, die lässt auch nach, dafür haben wir Alten mehr Erfahrung. Aber die Nervenleitung wird schwach, deshalb sind wir Senioren häufig verzögert."

Diese Erkenntnisse könnten auch die oft geführte Debatte über verpflichtende Fahrtests für Seniorinnen und Senioren verändern oder weiten. Die Tests würden nämlich solche Ereignisse nicht vorhersagen. Deshalb hält es Studienleiter Brockmann auch für richtig, dass es solche Tests in Deutschland bislang nicht gibt. Kognitive Einschränkungen stellen nur einen Teil des Problems dar. Die EU hat sich ebenfalls erst kürzlich darauf geeinigt, keine verpflichtenden Tests für alle Mitgliedsländer einzuführen.

Risikopersonen identifizieren

Stattdessen sei es wichtig, gefährdete Personen zu identifizieren, so Brockmann. Das könnten am besten die Hausärzte leisten, die ihre Patienten auch medikamentös einstellen könnten. Neben dem Erkennen kognitiver Schwächen müsse der Fokus deshalb in Zukunft auch auf medizinische Risiken gelegt werden, zum Beispiel mit Hilfe von einheitlichen Screenings. Denn kognitive Defizite könnten Seniorinnen und Senioren durch eine angepasste Fahrweise ausgleichen. Medizinische Probleme, die plötzlich auftreten, aber nicht.

Smartwatches könnten behilflich sein, kritische Zustände zu erkennen, bevor es zu einem Unfall kommt. Hoffnung setzt Brockmann auch in die besser werdenden KI-Fähigkeiten von Autos, die im Notfall selbstständig reagieren können.

Freiwillige Fahrtests für Senioren

Der ADAC und auch die Vekehrswacht NRW bieten Fahrtrainings speziell für Seniorinnen und Senioren an. Dabei kooperieren sie häufig mit örtlichen Fahrlehrern, die den älteren Autofahrern nach einer Testfahrt eine Einschätzung über deren Fähigkeiten geben. Diese Einschätzung bleibt aber vertraulich und wird beispielsweise nicht an Behörden weitergegeben. Und die Test sind freiwillig.

Unsere Quellen:

  • Studie Björn Steiger Stiftung
  • Interview mit Unfallforscher und Studienleiter Siegfried Brockmann
  • WDR-Umfrage in Bochum

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