Briefwahlpanne | Aktuelle Stunde

02:27 Min. Verfügbar bis 24.09.2027

Briefe an „Max Mustermann“ – Pannen vor der Stichwahl in NRW 

Stand:

Die einen erhielten keine Wahlunterlagen zur Stichwahl, andere viel zu viele – Bärbel Künz aus Köln gleich eine ganze Postkiste voll.

Von Rainer StriewskiRainer Striewski

Was die einen zu viel haben, haben andere zu wenig. Gemeint sind hier: Wahlunterlagen. Denn die werden spätestens am Sonntag wieder wichtig, wenn die Wählerinnen und Wähler in der Stichwahl bestimmen können, wer nun endgültig an der Spitze ihrer Gemeinde, Stadt oder des Kreises stehen soll.

Überall dort, wo am 14. September keine Bürgermeister- oder Landrats-Kandidatin oder kein -Kandidat die nötige 50-Prozent-Mehrheit erreicht hat, müssen die beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen in einer Stichwahl noch einmal gegeneinander antreten.

Doppelte Stimmzettel in Hagen

147 Stichwahlen gibt es am Sonntag in NRW. Und schon jetzt ist klar: Dabei lief nicht alles glatt. So etwa in Hagen. Hier haben rund 30.000 Wählerinnen und Wähler Briefwahlunterlagen beantragt – wie viele andere in NRW auch. Doch einige Hundert von ihnen werden sich bei Erhalt der Wahlunterlagen kräftig gewundert haben.

Hagens Stadtsprecher Michael Kaub

Stadtsprecher Kaub: "Am besten einen Stimmzettel entsorgen"

Denn statt nur einem fanden sie zwei Stimmzettel für die Wahl des Hagener Oberbürgermeisters in ihren Unterlagen. "Auch ein gut geschultes Team macht leider manchmal Fehler", kommentiert Stadtsprecher Michael Kaub die Panne – und rät: "Am besten sollten die Betroffenen einen Stimmzettel entsorgen und nur einen zurücksenden." Wer beide Stimmzettel unterschiedlich ausgefüllt zurücksendet, dessen Stimme wird ungültig. Etwa 300 bis 400 Briefwähler sollen von der Panne betroffen sein.

Briefe an "Max Mustermann" in Köln

Bärbel Künz aus Köln

Insgesmt 173 Wahlunterlagen erhielt Bärbel Künz

In Köln war von einer ganz speziellen Panne zwar nur eine Wählerin betroffen, dafür aber gleich vielfach. Denn Bärbel Künz erhielt kürzlich nicht nur die erwarteten Wahlunterlagen für sich und ihren Sohn, sondern gleich eine ganze Postkiste voll mit 171 weiteren Briefen. "Ich dachte, das kann nicht wahr sein", berichtet Künz dem WDR.

Die Briefe waren zwar alle an ihre Adresse, aber auf den Namen "Max Mustermann" ausgestellt – ein Versehen beim Druckdienstleister, heißt es bei der Stadt Köln. Ein Mitarbeiter des Wahlamtes hat die falschen Wahlunterlagen inzwischen abgeholt. Und Bärbel Künz hat ihre Briefwahlunterlagen ausgefüllt beim Wahlamt abgegeben.

Kölnerin bekommt 173 Briefwahlunterlagen

WDR Studios NRW 24.09.2025 00:41 Min. Verfügbar bis 24.09.2027 WDR Online


Nicht-Briefwähler in Bonn

Auch in Bonn lief es im Vorfeld der Stichwahl nicht reibungslos. Der General-Anzeiger (GA) berichtet etwa, dass einige Wählerinnen und Wähler ihre Stimme nicht im Rathaus abgeben konnten, weil sie in der Wählerliste als Briefwähler eingetragen waren.

Sonntagnachmittag kündigte die Stadt an, dass in den Wahlbüros der Bezirksrathäuser gewählt werden könne, auch wenn zuvor Briefwahl beantragt worden sei. Dafür müssten aber die Briefwahl-Unterlagen für ungültig erklärt werden. "Mit dieser Regelung haben ab Montag alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, in einem der vier Wahlbüros zu wählen, auch wenn sie eigentlich Briefwahl beantragt haben", erklärte Wahlleiter Wolfgang Fuchs.

Pannen nicht ungewöhnlich

Dass es derzeit zu Pannen beim Versand der Briefwahlunterlagen kommt, ist nicht ungewöhnlich. Schließlich liegen zwischen der Kommunalwahl und der Stichwahl nur zwei Wochen, in denen die Unterlagen gedruckt und zugestellt werden müssen.

Politikwissenschaftler Stefan Marschall (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Marschall: "Pannen unvermeidlich"

"Eine Kommunwahl insgesamt ist ein riesen logistisches Unternehmen", erklärt der Düsseldorfer Politikwissenschaftler Stefan Marschall. Pannen seien dabei nahezu unvermeidlich. "Es gibt auch ehrlich gesagt keine Wahl, bei der es nie zu einer Panne gekommen wäre."

"Pannen sind Teil von Wahlen, das passiert immer wieder." Politikwissenschaftler Stefan Marschall

Sollten sich Pannen häufen, so dass sie vielleicht auch Auswirkungen auf ein Wahlergebnis haben, dann könne man die Wahl wiederholen, so Marschall.

Auch im Vorfeld der ersten Runde der Kommunalwahlen am 14. September hatte es einige Probleme gegeben, die in Summe aber kaum einen Einfluss auf die Wahl hatten:

Keine neue Wahlbenachrichtigung

Wer zur Stichwahl keine Briefwahlunterlagen beantragt hat, kann übrigens am Sonntag mit der Wahlbenachrichtigung vom 14. September wählen gehen. Wer diese nicht mehr hat, muss einem gültigen Personal- oder Identitätsausweis vorlegen.

Grundsätzlich findet die Stichwahl in denselben Wahlräumen statt wie die Hauptwahl. Wer erst nach dem 14. September wahlberechtigt wird, kann laut NRW-Innenministerium aber nicht an den Stichwahlen teilnehmen.

Über dieses Thema berichten wir am Mittwoch (24.09.) unter anderem im Fernsehen in der Aktuellen Stunde ab 18.45 Uhr.

Unsere Quellen:

  • Stadt Hagen
  • Stadt Köln
  • Stadt Essen
  • Stadt Bonn
  • Gespräch mit Politikwissenschaftler Stefan Marschall
  • Gespräch mit Bärbel Künz aus Köln
  • Innenministerium NRW
  • General-Anzeiger Bonn

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