Friedrich Merz besucht Waldbrandgebiet | WDR aktuell
Bildquelle: WDR/ Ingo WagnerWDR. 04:56 Min.. Verfügbar bis 22.08.2028.
Merz ist der erste Vertreter der Bundesregierung in dem Waldbrandgebiet. Allerdings waren schon mehrere Vertreter der NRW-Landesregierung da. Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hatte dafür seinen Urlaub unterbrochen.
Bewohner erinnern sich an die Evakuierung
Als die Flammen in der Nacht auf den 14. August dem kleinen Ortsteil Gey der Gemeinde Hürtgenwald immer näher kamen, war Ortsvorsteher Paul Bolz der erste, der von der bevorstehenden Evakuierung erfuhr.
Ortsvorsteher Paul Bolz freut sich über den Kanzlerbesuch
Bildquelle: WDR / Ingo Wagner"Kurz vor vier Uhr war der Bürgermeister von Hürtgenwald dran. Der sagte mir: Paul, wir können Gey nicht mehr halten." Kaum eine halbe Stunde später waren die fast 2.000 Einwohner von Gey auf dem Weg nach Düren, wo die meisten bei Freunden und Verwandten unterkamen.
Ortsvorsteher Paul Bolz lobt die Ruhe und Umsicht mit der die Evakuierung vor sich ging: "Fast so, als wenn wir es geübt hätten." Älteren und kranken Menschen wurde geholfen. Und es meldeten sich sofort Freiwillige, um die Feuerwehr zu unterstützen, die alles tat, um Gey vor den Flammen zu retten, die bis auf wenige Meter an das Dorf herangekommen waren.
"Es gab Leute, die haben hunderte Meter Schläuche aufgerollt und sie in den Wald gefahren, damit die löschen konnten. Das ist echtes Miteinander, das ist Leben, das ist Dorf." Paul Bolz, Ortsvorsteher
Dank an die Hilfskräfte ist den Einwohnern wichtig
Der Ortsvorsteher begrüßt den Besuch des Bundeskanzlers: "Ich finde auch den Zeitpunkt absolut richtig so. Weil die Feuerwehrleute jetzt tatsächlich mal Zeit haben, mit dem Bundeskanzler zu sprechen."
Wenn so ein Besuch erfolgt wäre, während die Feuerwehr gegen den größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens kämpfte, wären die meisten Einsatzkräfte kaum in der Lage gewesen, ihn überhaupt wahrzunehmen.
Gudrun Rössler freut sich, dass den Einsatzkräften gedankt wird
Bildquelle: WDR / Ingo WagnerDas sieht auch Gudrun Rössler so. Der 79-Jährigen ist vor allem wichtig, dass der Bundeskanzler den Einsatzkräften dankt. Gurdrun Rössler, die mitten in Gey wohnt, steht noch ganz unter dem Eindruck der Ereignisse: "Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke, wie nahe die Flammen uns gekommen sind und wir dann so schnell wie möglich unsere Häuser verlassen mussten."
Die Einsatzkräfte sagt sie, hätten unglaubliches geleistet. "Ich möchte, dass die Feuerwehrleute und all die anderen Helfer die verdiente Anerkennung durch den Bundeskanzler bekommen."
Kritik am Kanzlerbesuch
Dank an die Einsatzkräfte ist auch Lena Stückgen wichtig. Aber sie hat kein Verständnis dafür, dass der Bundeskanzler Gey erst besucht, nachdem er seinen Urlaub beendet hat. "In Belgien hat König Philipp seinen Urlaub unterbrochen und ist direkt ins Brandgebiet im Hohen Venn gekommen und hat mit den Helfern gesprochen. Das ist ein größeres Vorbild als der Bundeskanzler."
Lena Stückgen findet, der Kanzler kommt zu spät
Bildquelle: WDR / Ingo WagnerAuch Ruth Willms findet, der Bundeskanzler hätte viel früher da sein müssen. "Diejenigen, denen gedankt werden sollte, sind größtenteils nicht mehr da, denn viele Helfer sind ja schon in ihre Heimatorte zurückgekehrt", sagt die 45-Jährige. "Sein Besuch kommt zu spät und dann hätte er es eigentlich auch ganz lassen können."
Kritik auch von der Opposition: Wo war Merz?
Kritik kam auch von Vertretern der Opposition. Sie hatten dem Kanzler in den vergangenen Tagen vorgeworfen, mit Blick auf die Brände, aber auch auf die Hitze in Deutschland untätig zu sein.
"Brutale Hitze, tausende Tote. Der Kanzler schweigt. Brennende Wälder, der Kanzler informiert sich und tut ansonsten nichts." Katharina Dröge (Bündnis 90 / Die Grünen)
Merz in Hürtgenwald: Feuerwehr spricht von "großer Anerkennung"
Anders auf das Thema blickt Timo Pleuß von der Freiwilligen Feuerwehr Hürtgenwald. "Während eines Einsatzgeschehens kann ich einen Politiker nicht gebrauchen, weil er hält mir keinen Schlauch fest", sagte er im Gespräch mit dem WDR. Doch im Nachhinein sei es eine große Anerkennung, dass der Bundeskanzler zu Besuch komme.
Kampf gegen den Waldbrand im Hürtgenwald.
Bildquelle: WDR / dpa / Christian KniepsFeuer im Hürtgenwald: größter Brand in der NRW-Geschichte
Der Waldbrand in der Eifel war nach Einschätzung der Landesregierung der größte in der NRW-Geschichte. Nach einer Woche gab der Bürgermeister von Hürtgenwald, Stephan Cranen, am Donnerstag bekannt, das Feuer sei gelöscht.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Interview mit Timo Pleiß in der Lokalzeit Aachen
- Meldung der WDR-Hörfunknachrichten
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR 5, Nachrichten, 22.08.2026, 09:00 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 22.08.2026, 12.45 Uhr
