Der Wald brennt - das ist immer ein Problem und eine Herausforderung für die Feuerwehr. Aber: Waldbrand ist nicht gleich Waldbrand. Und die Art des Brandes ist entscheidend für die Arbeit der Feuerwehr - und wie schwer es für die wird, den Brand unter Kontrolle zu bekommen.
Es ist ein Wipfelfeuer - diese Info machte der Feuerwehr beim Waldbrand in Hürtgendwald Sorgen und war ein Grund dafür, dass der Ortsteil Gey am Freitagmorgen evakuiert wurde. Denn: Waldbrände beginnen in der Regel als Bodenbrand - werden sie zum Wipfelbrand wird es gefährlicher. Warum?
Der Standard: Bodenbrand (oder Lauffeuer)
Als erstes brennt im Wald die bodennahe Vegetation und abgestorbenes Material in diesem Bereich. 75 Prozent der Waldbrände in Deutschland fallen in diese Kategorie. Sie breiten sich meist in eine Richtung aus, in der am meisten Sauerstoff verfügbar ist.
Der Waldbrand in Hürtgenwald am Donnerstag.
Bildquelle: Jan Ohmen/dpaDie Flammen werden dabei in der Regel nicht höher als zwei Meter und der aktiv brennende Teil des Feuers, der Feuersaum, ist ein bis zwei Meter breit.
Die Eskalation: Vollfeuer
Ein Vollfeuer entsteht, wenn das Feuer vom Boden auf die höheren Bereiche der Bäume übergreift. Dabei entzündet sich entweder trockene Borke, tief hängende Äste oder tote Stämme. Im Kronenbereich der Bäume gibt es dann reichlich Sauerstoff und das Feuer kann sich schnell ausbreiten.
Weil es viel Sauerstoff verbraucht, entsteht ein starker Luftzug im Bodenbereich - dadurch wird eine Ausbreitung in alle Richtungen möglich mit Flammen, die bis zu 50 Meter hoch werden können.
Der Problemfall: Wipfelfeuer
Vor allem bei stärkerem Wind kann das Wipfelfeuer in den Kronen dem Bodenfeuer vorauseilen. "Wir hatten in der Nacht die Situation, dass das Feuer als Kronenfeuer sehr schnell die Richtung wechselt", erklärt der Dürener Landrat Rald Nolten am Freitagmorgen mit Blick auf den Waldbrand in Hürtgenwald.
Die Flammen erreichen die Wipfel der Bäume bei Gey.
Bildquelle: Federico Gambarini/dpaBeim Wipfelfeuer, teils auch Kronenfeuer genannt, breitet sich das Feuer in den oberen Ebenen des Waldes quasi im Flug aus - so können auch neue Brandherde und Feuer entstehen. "Die Löschzüge versuchen zum Wald hin einen Wasserschleier zu halten", so Nolten. So soll in der Eifel verhindert werden, dass sich durch den Wind Wipfelfeuer ausbreiten: "Denn dann ist es nur noch schwer zu stoppen."
Unsere Quellen:
- Wald und Holz NRW
- Waldwissen - Informationsplattform der Forstwirtschaft
- Feuerwehr Lernkompass
- Handbuch Vegetationsbrandbekämpfung des Innenministeriums von Thüringen
- WDR-Interview mit Ralf Nolten, Landrat von Düren
Sendung: WDR Hörfunk, WDR 5-Nachrichten, 9 Uhr, 14.08.2026