Trockenheit und Dürre im Kölner Beethovenpark (21.07.2026)

Viele Städte und Gemeinden in NRW kämpfen mit der Rekordhitze

Bildquelle: WDR / Karsten Schöne

Hitzewelle in NRW Wie die Zülpicher Börde den Temperaturen trotzt

Stand:

Die Zülpicher Börde gehört zu den heißesten Regionen NRWs. Auch in dieser Woche wird es dort wieder heiß. Wie gehen die Städte und Gemeinden dort mit den Rekordtemperaturen um?

Von Ingo Neumayer, Judith Reuber, Monika Fliegner-Król

Als am 26. Juni die bislang höchsten Temperaturen in diesem Jahr gemessen wurden, schafften es laut WDR-Wetter-Unit gleich zwei Orte der Zülpicher Börde in die Top 5 des Landes NRW: In Nörvenich wurden 39,9 Grad gemessen, in Weilerswist 39 Grad.

Hitze wie unter einem Deckel eingeschlossen

Auch in Zülpich selbst klettern die Temperaturen regelmäßig in große Höhen. Im Juni zeigte das Thermometer in der Messstation von Karl-Josef Linden sogar 41 Grad an. Linden war früher Geografielehrer und kümmert sich seit fast 40 Jahren um die Wetterstation in Zülpich. Die Station gehört nicht zum Netz des Deutschen Wetterdienstes (DWD), arbeitet aber nach seinen Richtlinien.

"Die Zülpicher Börde ist eine Vertiefung, die stammt aus der Zeit, als hier die Braunkohle abgebaut wurde", sagt Karl-Josef Linden dem WDR. Er kennt auch den Grund, warum es hier in der Gegend oft so heiß wird. Die "Hitzeglocken" sind Schuld - ein meteorologisches Phänomen, bei dem ein Hochdruckgebiet über einer Region liegt und die heiße Luft wie unter einem Deckel einschließt. Aufgrund der Begebenheiten vor Ort merke man diese in und um Zülpich besonders stark, zuletzt Ende Juni, erklärt er.

Schwammstadt-Prinzip gegen Hitze

Was macht eine Stadt mit Rekorden, auf die man gut und gerne verzichten könnte? In Zülpich versucht man sich anzupassen und denkt an die Zukunft. So wurden auf der Römerallee im Frühjahr 68 Feldahornbäume gepflanzt, weitere 70 sollen bald folgen.

Dazu kommt: Die Stadtplaner berücksichtigen das sogenannte Schwammstadt-Prinzip. Im Wesentlichen bedeutet das: Wasser, das zu viel ist, wird aufgesaugt und wie in einem Schwamm gespeichert. Später, wenn es Bedarf gibt, wird das Wasser dann abgegeben - z. B. durch Wiedernutzung bei der Bewässerung.

Jan Blatzheim von der Stadt Zülpich berichtet, wie das in der Stadt umgesetzt wird: "Dabei wird das Regenwasser durch tiefere Gruben und durch ein besonderes Bodensubstrat unter den Wurzeln abgespeichert, anstatt dass es direkt ins Abwasser geht."

Zülpich setzt auf Bäume

Das entlaste zum einen die Kanalisation und zudem könnten die Bäume noch besser langen Hitze- und Trockenperioden standhalten. Außerdem sollen die Feldahornbäume an der Römerallee künftig Schatten spenden. Doch bis sie groß genug sind, wird es noch dauern.

Nörvenich: Umgebaute Spielplätze und mehr Wasser

Auf das Schwamm-Prinzip setzt auch Nörvenich im Kreis Düren. Zwei entsprechende Baumbewässerungssysteme sind noch für 2026 geplant. Außerdem hat die Gemeinde mehrere Spielplätze so umbauen lassen, dass dort jetzt viele Sträucher und andere Pflanzen wachsen. Bald sollen Sonnensegel hinzukommen.

Spielplatz in Dachsberg

In Nörvenich sollen Sonnensegel auf Spielplätzen für Abkühlung sorgen

Bildquelle: WDR/ Julia Wulf

Nörvenichs Nachhaltigkeitsmanager Lars Richter erklärt, dass auch der Neffelbach renaturiert wurde. Er bildet jetzt eine Auenlandschaft. Das Wasser fließt nicht mehr geradeaus, sondern in Schleifen - und dadurch langsamer. Das sorgt für mehr Abkühlung als vorher.

Viel Versiegelung und wenig Schatten in Euskirchen

Neben der aufgeheizten Zülpicher Börde liegt Euskirchen. Im aktuellen Hitze-Check der Deutschen Umwelthilfe schneidet die Kreisstadt schlecht ab. Sie hat von allen NRW-Städten seit 2018 die meisten Flächen versiegelt. Außerdem gibt es hier im Vergleich zu anderen Städten weniger Bäume, die Schatten spenden, und die Hitzebelastung für die Menschen ist hoch.

Menschen laufen durch die Fußgängerzone von Euskirchen

In Euskirchen gibt es viele versiegelte Flächen

Bildquelle: WDR

Dem WDR erklärt die Stadt Euskirchen, sie habe mehrere Maßnahmen durchgeführt, um die Hitze besser bekämpfen zu können. Dazu gehöre die Grünfläche des Klostergartens in der Innenstadt, die nach dem Abriss des City-Forums größer wurde und als solche erhalten bleiben soll. Außerdem seien mehr Grünflächen durch die Erneuerung der Fußgängerzone entstanden.

Orte mit kostenfreiem Trinkwasser

Auch hier wird nach eigenen Angaben zum Hitzeschutz auf neu gepflanzte Bäume gesetzt und darauf geachtet, dass keine neuen Schottergärten mehr entstehen. Seit zwei Jahren gibt es eine Karte mit kühlen Orten in der Stadt und Stellen, an denen man kostenfreies Trinkwasser bekommen kann.

Wie die Zülpicher Börde den Temperaturen trotzt

WDR 13.08.2026 01:09 Min. Verfügbar bis 14.08.2028

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Unsere Quellen:

  • WDR-Wetter Unit
  • Stadt Euskirchen
  • Stadt Zülpich
  • Bundesumweltamt
  • Karl-Josef Linden, Betreiber einer Messstation
  • Lars Richter, Nachhaltigkeitsmanager der Gemeinde Nörvenich

Sendung: WDR.de, Zülpicher Börde kämpft regelmäßig gegen Rekordhitze, 14.08.2026, 05:00 Uhr

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