Die Stadt Euskirchen möchte ein 3D-Modell ihres Straßennetzes

WDR 00:38 Min. Verfügbar bis 28.07.2028

Messfahrzeug in Euskirchen "Die Leute denken, wir sind Google Maps"

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Wenn Sirwan Rashid mit seinem Messfahrzeug durch Euskirchen rollt, erlebt er immer wieder dieselbe Szene: Einige Menschen winken ihm zu, andere drehen sich weg oder beschweren sich. Viele sind überzeugt, das Auto gehöre zu einem bekannten Routenplaner.

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Simon Mead

"Die Leute denken oft, wir seien von Google Maps und sie wollen nicht fotografiert werden", erzählt der Fahrer Sirwan Rashid, Vermessungstechniker von Beruf.

Ziel: Gesamtes Straßennetz digital erfassen

"Dann muss ich aussteigen und erklären, dass wir im Auftrag der Stadt unterwegs sind und die Straßen bewerten - und dass alle Gesichter und Autokennzeichen automatisch anonymisiert werden."

Fahrer Sirwan Rashid im Auto

Sirwan Rashid fährt das Messauto und muss seinen Job oft erklären

Tatsächlich steckt hinter dem Fahrzeug kein globaler Internetkonzern, sondern ein kommunales Projekt: Die Stadt Euskirchen lässt ihr komplettes Straßennetz digital erfassen, um es langfristig besser instandhalten und planen zu können.

Auch Verkehrsinseln und -schilder werden erfasst

In den kommenden fünf Jahren soll das gesamte Straßennetz erfasst und in einem digitalen Modell abgebildet werden. Dabei werden nicht nur die Fahrbahnen erfasst, sondern der gesamte Straßenraum: Gehwege, Straßenbegrenzungen, Verkehrsinseln, Schaltkästen, Bänke, Straßenlaternen und Verkehrsschilder.

Bei der ersten Teilerfassung werden rund 20 Prozent des gesamten Gebiets gescannt. Dabei sind die Orte Oberwichterich, Frauenberg, Elsig, Wißkirchen, Euenheim, Billig, Billiger Wald, Euskirchen-Heide, Stotzheim und Roitzheim.

Von Straßenwärtern zur digitalen Stadtkarte

Ein Bildschirm mit Messdaten

Die Straßen werden einzeln abgefahren und dann zu einem 3D-Modell der Stadt verbunden

Bisher haben in Euskirchen Straßenwärter und Mitarbeitende des Bauhofs Straßenschäden dokumentiert - oder Bürger haben Schlaglöcher gemeldet. "Vorher ist sehr viel händisch passiert", sagt Wolfgang Honecker, Technischer Beigeordneter der Stadt Euskirchen.

Mit dem neuen Verfahren, einem sogenannten "Mobile Mapping", soll diese Arbeit modernisiert werden. Die Verwaltung kann dann vom Bildschirm aus genau prüfen, wo Schäden sind, wie breit ein Gehweg ist oder wo sich eine Verkehrsinsel befindet, erklärt er.

Langfristig soll das dazu führen, dass kleinere Reparaturen früher erfolgen und größere, teurere Sanierungen vermieden werden. Die Stadt Euskirchen will damit Steuergelder gezielter und wirtschaftlicher verwenden.

360-Grad-Kamera und bis zu fünf Objektive

Ein Messgerät, angebracht auf dem Dach eines Autos

Auf dem Heck des Wagens sitzt ein Laser

Das Messfahrzeug, das in Euskirchen unterwegs ist, fällt vor allem durch die Technik auf dem Dach auf. "Wir haben oben eine 360-Grad-Kamera mit vier bis fünf Objektiven, die eine Reichweite von bis zu 200 Metern zur Bilderfassung hat", erklärt Torsten Wershoven von der Stadt Euskirchen.

"Am Heck ist ein Laser befestigt, der sich rund 250 bis 260 Mal pro Sekunde dreht und bis zu 2 Millionen Lichtpunkte aussendet. Damit wird die Straßenoberfläche abgescannt und es entsteht ein 3D-Modell, das den Straßenraum widerspiegelt."

Werden jetzt alle auf der Straße fotografiert?

ein Messgerät angebracht auf dem Dach eines Autos

"Bitte lächeln?" - Nein, Personen und Kennzeichen werden verpixelt

Unterwegs im Messauto mit Sirwan Rashid berichtet der, dass viele Menschen verunsichert reagieren, wenn sie ein Fahrzeug mit Kamera durch ihre Straße fahren sehen. Sie stellen sich Fragen rund ums Thema Datenschutz - zum Beispiel: Werde ich gefilmt? Ist mein Kennzeichen sichtbar? Wer kann das Material sehen? Dazu sagt Wolfgang Honecker von der Stadt Euskirchen:

Das System ist vollständig datenschutzkonform. Es werden vollautomatisiert Autokennzeichen verpixelt, genauso wie Personen, die sich durch das Bild bewegen. Wolfgang Honecker, Technischer Beigeordneter der Stadt Euskirchen

Diesen Hinweis muss auch Fahrer Rashid immer wieder geben. "Ich erkläre den Leuten, dass wir für die Stadt arbeiten, die Straßen bewerten und dass Gesichter und Autokennzeichen automatisch anonymisiert werden", sagt er.

Unsere Quellen:

  • Stadt Euskirchen
  • Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 28.07.2026, 19:30 Uhr

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