Fit im Kreis Heinsberg
WDR. 02:38 Min.. Verfügbar bis 16.07.2028.
Erst seit wenigen Wochen ist die App BeMyPT jetzt live, über die Teilnehmer der Initiative "Fit im Kreis" ihre Bewegung tracken. Schon 1.200 Menschen aus allen zehn Kommunen des Kreises Heinsberg sind aktiv dabei. Die WHO empfiehlt mindestens 2,5 Stunden Bewegung pro Woche, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen von "Fit im Kreis" kommen im Schnitt auf 5,8 Stunden. Jeder Dritte der Angemeldeten ist regelmäßig aktiv, sagt Simon Wittig, Projektleiter bei BeMyPT, der App-Firma hinter "Fit im Kreis".
Heinz-Wilhelm "Doc" Esser
Wie groß die Begeisterung ist, zeigte sich auch am Donnerstag: Rund 350 Menschen kamen zu "Fit im Kreis LIVE" in die Festhalle Oberbruch, mit TV-Arzt Doc Esser und NRW-Staatssekretärin Andrea Milz. Doc Esser sprach in seinem Impulsvortrag über Bewegung im Alltag, danach ging es im Talk mit Milz weiter. Drumherum waren einige Krankenkassen mit Ständen da, ebenso der Kreissportbund Heinsberg und das Kreisgesundheitsamt. Dazu gab's eine Verlosung mit Gewinnen.
„Ich hätte niemals gedacht, dass aus einer kleinen Idee einmal so etwas Großes entsteht." Simon Wittig, Projektleiter BeMyPT
Simon Wittig ist entsprechend stolz auf die Entwicklung, vor allem weil "Fit im Kreis" mittlerweile sogar vom Land NRW gefördert wird. Die Rückmeldungen der Teilnehmenden seien toll, so Wittig, und er sei stolz, dass man mit dem innovativen Ansatz Menschen in Bewegung bringe, die zuvor nicht aktiv gewesen seien. Von Sportvereinen bis zu regionalen Anbietern ist alles dabei. "Sport verbindet", so Wittig. Er ist überzeugt: Das sei erst der Anfang.
Das Interesse reicht mittlerweile weit über den Kreis hinaus: Wittig bekommt Anfragen aus den USA, wo Bewegungsmangel noch ein größeres Thema ist als hierzulande, und auch andere Kreise schauen sich das Heinsberger Modell an. Die Sponsorenliste wird länger und länger: Banken, Krankenkassen, das Land NRW, dazu viele lokale Unternehmen.
Landrat setzt auf Prävention
Landrat Stephan Pusch setzt auf Prävention
Initiator ist Landrat Stephan Pusch. Er freut sich über die Resonanz, vor allem darüber, dass jetzt alle Bürgerinnen und Bürger mitmachen können, nicht nur Unternehmen wie im Pilotjahr. Sein Punkt: Bewegung und Gesundheit sollen Spaß machen und in den Alltag passen, genau das will "Fit im Kreis" schaffen.
Der eigentliche Anlass ist ernster. Die Krankenstände im Kreis Heinsberg sind hoch, das liegt auch an der Altersstruktur und am Ärztemangel in der Region. Pusch setzt deshalb auf Prävention: mehr Bewegung, mehr Eigenverantwortung, mehr Lebensqualität.
Gesundheitsreport zeigt Dringlichkeit
Dass ausgerechnet Heinsberg bei Prävention ansetzt, kommt nicht von ungefähr. Ein Blick in den aktuellen AOK-Gesundheitsreport für Rheinland und Hamburg zeigt: Beim Anteil der Typ-2-Diabetiker, die Medikamente nehmen müssen, liegt der Kreis an der Spitze aller verglichenen Regionen. Auch bei der reinen Diabetes-Häufigkeit liegt er über dem Durchschnitt. Bei koronarer Herzkrankheit ist der Kreis auch in den obersten Reihen.
Am deutlichsten wird es bei den Jüngsten im Kreis: Bei Adipositas im Alter von 3 bis 17 Jahren führt die Region Heinsberg/Wassenberg das Ranking an. Auch Hückelhoven liegt hier klar über dem Schnitt. Genau das ist der Punkt, an dem Pusch ansetzen will: hohe Krankenstände, befördert durch Altersstruktur und Ärztemangel, könnten durch Prävention gemindert werden.
Ein Landwirt bewegt
Wie sehr die Idee mittlerweile im Kreis verwurzelt ist, zeigt eine Aktion von Landwirt Karl-Heinz Krebs: Direkt neben seinem Hof Gut Schenkelieck in Heinsberg-Aphoven hat er mit dem Mähdrescher das "Fit im Kreis"-Logo ins Maisfeld gefahren. In seinem eigenen Bauernladen setzt Krebs auf regionale Lebensmittel, selbstgemachte Nudeln und eine eigene Metzgerei.
"Die ganze Idee ist gut, und zu Prävention gehört auch gesunde Ernährung." Landwirt Karl-Heinz Krebs
Auch Staatssekretärin Andrea Milz war voll des Lobes: "Die Förderung von Sport, Bewegung und Gesundheit ist ein zentrales Anliegen des Sportlands Nordrhein-Westfalen. Umso mehr freue ich mich über den ersten Erfolg der Initiative "Fit im Kreis", die im Kreis Heinsberg mit innovativen Ansätzen echte Maßstäbe setzt." Die Ausweitung auf alle Bürgerinnen und Bürger zeige, wie Bewegung Menschen verbinde, Gesundheit stärke und Gemeinschaft entstehen lasse.
Wie geht's weiter?
Viel Bewegung bei der Veranstaltung
Am meisten bewegt wird sich durch die App gerade in Selfkant, Geilenkirchen und Erkelenz. Der Erkelenzer Bürgermeister zeigte sich in einem Instagram-Reel schon siegessicher. Schließlich treten lokale Teams in den Kommunen in einem Wettbewerb gegeneinander an. Der Wettbewerb läuft noch bis Ende November, im Dezember werden die Sieger auf dem Weihnachtsmarkt Heinsberg gekürt. Bis dahin gibt's über die App monatlich Preise von lokalen Sponsoren zu gewinnen, z.B. Tickets fürs Electrisize Festival in Erkelenz.
Mitmachen und bewegen
Über www.fit-im-kreis.de können sich Menschen im Kreis Heinsberg kostenfrei bei der Initiative anmelden und bekommen dann Zugang zur App. Auch Menschen aus anderen Kreisen können das, die können dann aber nicht am Wettbewerb teilnehmen. Beworben wird "Fit im Kreis" weiter auf Stadt- und Sportfesten, dazu sind die Gesundheitsmobile der Krankenkassen mit kostenlosen Angeboten unterwegs.
Unsere Quellen:
- Simon Wittig, Projektleiter BeMyPT
- Kreis Heinsberg
- Landrat Stephan Pusch, CDU
- Gesundheitsreport AOK
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 16.07.2026, 19:30 Uhr