Jahrzehntelang leisteten Zehntausende Menschen Widerstand gegen die Braunkohletagebaue im Rheinischen Revier. Aktivisten und Bürger sorgten mit ihren Protestaktionen letztendlich für einen früheren Ausstieg aus der Braunkohle als ursprünglich geplant. Doch wie umgehen mit diesem Teil der Geschichte des Rheinischen Braunkohlereviers nach dem Ende der Kohlegewinnung?
Knapp 60 Menschen haben am Wochenende an einem Diskussionsforum in Alt-Berverath am Braunkohletagebau Garzweiler II teilgenommen. Unterschiedliche Meinungen sind dabei zutage gekommen. Volker Mielchen vom Zweckverband Landfolge Garzweiler unterstrich, dass der Aspekt Widerstand seinen Platz im geplanten Dokumentationszentrum in Erkelenz-Holzweiler erhalten wird.
Neues Dokumentationszentrum Geschichte der Braunkohle
Eröffnet wird das Dokumentationszentrum im kommenden Jahr. Millionen Euro von Bund und Land fließen in das Projekt. Aus verschiedenen Perspektiven soll auf die Geschichte der Braunkohle geblickt werden. "Das Thema Protest ist dabei ein wichtiges Thema. Das taucht vor allem im Zusammenhang mit der Umsiedlung auf", erklärt Mielchen. Aber das sei ein Thema von vielen in der geplanten Dauerausstellung.
Aus Protest gegen die Kohle wird Geschichte
Den meisten Teilnehmern dieses Workshops reicht das aber nicht. Sie finden, dass auf die Protestbewegung ein größerer Fokus gelegt werden sollte. "Wir haben die ethische Aufgabe, Geschichte zu schreiben", sagt zum Beispiel Elisabeth Hoffmann-Heinen, die schon in den 1980er Jahren im Widerstand gegen die Braunkohle aktiv war. Und auch die Grünen-Landtagsabgeordnete Antje Grothus befürwortet ein eigenes Museum zum Thema Protest im Rheinischen Braunkohlerevier.
Jahrzehntelang leisteten Menschen Widerstand gegen die Braunkohletagebaue Doch was folgt nun nach dem Kohle-Ausstieg?
Bildquelle: WDR / Thomas WenkertRWE soll keinen Einfluss nehmen nach Garzweiler
Und sie betont in diesem Zusammenhang, dass der RWE-Konzern als Bergbaubetreiber keinen Einfluss auf eine solche Ausstellung nehmen dürfe. "Ich habe leider manchmal das Gefühl, dass RWE Einfluss nimmt, gerade bei der Planung des Dokumentationszentrums", erklärte die Grünen-Politikerin. Volker Mielchen vom Zweckverband Landfolge Garzweiler widersprach dem: "Wir sind im Dialog mit RWE, RWE bestimmt aber nicht mit", so Mielchen.
Giulia Fanton vom Landschaftsverband Rheinland kann sich mit einem eigenen Standort für eine Ausstellung über die Proteste im Rheinischen Revier anfreunden. "Diese Protestkultur ist Teil eines kulturellen Erbes dieser Region", sagt Fanton. Dokumentationszentren zeigen einen vielseitigen Einblick in die Geschichte der Braunkohle im Rheinischen Revier, ein solches Besucherzentrum kann kein Protestmuseum sein.
Aktivisten fordern Mitsprache
Eine wichtige Forderung kam auch aus der Klimagerechtigkeitsbewegung. Man wolle mitbestimmen, wie der Protest dargestellt wird, erklärte eine Aktivistin. Es geht uns ja nicht nur um das Klima bei diesen Protesten, sondern auch um einen kritischen Blick auf das kapitalistische System.
unsere Quellen:
- Interview Volker Mielchen, Zweckverband Landfolge Garzweiler
- Interview Giulia Fanton, Landschaftsverband Rheinland
- Eindrücke des Reporters vor Ort
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Aachen, Eifel und die Euregio, 31.08.2026, 8:30 Uhr
