Haushaltslücke in der Städteregion Aachen
Bildquelle: WDR / BäckWDR. 7 Min. 6 Sek.. Verfügbar bis 01.09.2028.
Es sind vor allem die steigenden Sozial-, Personal- und Sachkosten, die der Städteregion Aachen zu schaffen machen. Im Haushaltsentwurf für 2027 fehlen rund 74 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Dabei geht es vor allem um Aufgaben für die Daseinsversorgung, beispielweise in der Pflege oder auch im Bereich Soziales, Jugendhilfe und Gesundheit.
Der Grund: steigende Fallzahlen und auch steigende Kosten. Insgesamt verzeichnet die Städteregion einen Zuwachs bei den Sozialausgaben von gut 11 Prozent. Für 2027 wird allein im Bereich Soziales ein Fehlbetrag von 52 Millionen Euro in der Städteregion erwartet.
Steigende Umlage bringt Kommunen in Finanznot
Städteregionsrat Tim Grüttemeier (CDU) bezeichnet die Lage als dramatisch, denn die ohnehin klammen Kommunen müssen jetzt die Mehrkosten tragen. Im Haushaltsentwurf der Städteregion plant die Kämmerei im kommenden Jahr einen allgemeinen Umlagensatz von 44,87 Prozent. Gegenüber dem laufenden Jahr bedeutet das einen Anstieg um 6,17 Prozentpunkte für die Kommunen des Altkreises und um 4,28 für die Stadt Aachen.
Würselens Bürgermeister Roger Nießen (CDU) sieht den kommunalen Frieden gefährdet.
Bildquelle: WDR / Birgitta BäckHinter den Prozentwerten stecken Beträge, die weh tun, rechnet Würselens Bürgermeister Roger Nießen (CDU) vor: „Man muss sich mal die Dimension vor Augen führen. Die 5,5 Millionen, die Würselen mehr zahlen müsste, sind schon die Hälfte des Grundsteueraufkommens der Stadt. Das kann man gar nicht kompensieren.“ Mängel zu verwalten, statt zu gestalten, demotiviere außerdem. Es sei jetzt schon schwierig, ehrenamtliche Ratsleute zu bekommen.
Wenn der Spielraum für die kommunale Selbstverwaltung noch kleiner wird und man noch weniger gestalten kann, dann ist damit auch der kommunale Friede gefährdet. Roger Nießen; Bürgermeister Würselen
Auch die durch die Flut gebeutelte Stadt Stolberg muss trotz eines zweistelligen Millionendefizits in diesem Jahr bald eine höhere Umlage an die Städteregion zahlen. 9,2 Millionen Euro stehen für die Kupferstadt im Haushaltsentwurf. Bürgermeister Patrick Haas (SPD) sieht keine Lösung, wie er das Geld in seiner Stadt auftreiben soll.
Fürchtet um die Selbstverwaltung: Stolbergs Bürgermeister Patrick Haas (SPD)
Bildquelle: WDR / Birgitta BäckSchon jetzt würden nur die nötigsten Ausgaben getätigt, schon jetzt seien Schönheitsreparaturen nicht mehr drin. Genau wie der Würselener Bürgermeister erwartet auch Haas von der Städteregion: "Der Appell aus der Städteregion muss ganz klar Richtung Berlin gehen. Dort muss die Not der Kommunen erkannt und umgesteuert werden, sonst ist unsere Selbstverwaltung bald nicht mehr möglich."
Allein durch Sparen lässt sich das Problem nicht lösen
Trotz eingeleiteter Sparmaßnahmen, wie Nullrunden beim Personalzuwachs oder Kürzungen bei Zuschüssen, bleibt die Finanzlücke riesig und steigt. 2028 wird mit noch mehr Kosten gerechnet und eine weitere Umlagensteigerung erwartet. Damit die Kommunen in der Städteregion Aachen handlungsfähig bleiben können, fordert Tim Grüttemeier, dass der Bund gegensteuert. Ohne die gesetzlich festgeschriebenen Standards bei den Sozialleistungen zu kürzen, gehe es nicht mehr weiter, so Grüttemeier.
Wir sind noch nicht im nächsten Jahr am Abgrund, aber wir haben auch keine fünf Jahre mehr Zeit. Tim Grüttemeier, Städteregionsrat
Der Haushaltsentwurf der Städteregion wird im Herbst beraten. Kurz vor Weihnachten dann soll der Etat verabschiedet werden. Die zugehörigen Kommunen können angesichts der unausweichlichen Umlagensteigerung schon jetzt in ihre Haushalte schauen, wo sie noch mehr den Rotstift ansetzen können.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 01.09.2026, 19:30 Uhr
Unsere Quellen:
- Städteregion Aachen
- Bürgermeister Würselen
- Bürgermeister Stolberg
