So gehen Kitas in Aachen mit der Hitze um
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028.
Wenn sich Kita-Leiterin Yvonne Grossmann mit einer Flasche Sonnencreme nähert, verzieht der vierjährige Jonas angewidert das Gesicht. "Das ist so klebrig", sagt er. Weil er aber kein Baby mehr sei, wie er uns versichert, lässt er das Prozedere tapfer über sich ergehen.
Jonas ist eines von 43 Kindern in der Kita Königshügel in Aachen. Das bedeutet: 43 Kinder eincremen - und das mehrmals am Tag. Neben allen anderen Aufgaben, die die Erzieherinnen ohnehin haben. Und das bei Temperaturen von mehr als dreißig Grad. Beim Blick auf die Wettervorhersage der kommenden Tage bekomme sie schon Bauchschmerzen, sagt Yvonne Grossmann.
"Die Kinder nass geschwitzt, die Kolleginnen nass geschwitzt - die laufen mit nassen Handtüchern im Nacken herum. Da denkt man schon: Wann wird es endlich mal ein paar Grad kühler?" Yvonne Grossmann, Kita-Leiterin
Wenn die Kita zum Backofen wird
In den vier Gruppenräumen herrscht seit Tagen Dämmerlicht. Jeden Morgen werden die Sonnenschutzrollos heruntergelassen. Ohne sie klettern die Temperaturen in den Räumen auf bis zu zweiundreißig Grad. Mit ihnen sind es immerhin noch 27 Grad. "Die Rollos haben wir erst im vergangenen Jahr bekommen, weil wir gesagt haben: Ohne geht es nicht mehr", sagt Grossmann.
Endlich Abkühlung: Jonas unterm Wasserstrahl
Wie belastend die Hitze für Kinder sein kann, hat die Kita bereits erlebt. Im vergangenen Sommer musste ein Kind von seinen Eltern abgeholt werden.
"Das Kind lag auf dem Sofa, war rot angelaufen und völlig verschwitzt. Es konnte gar nicht mehr sagen, ob es ihm gut oder schlecht geht." Yvonne Grossmann, Kita-Leiterin
Stadt sucht nach Lösungen
Räume kühlen, regelmäßig trinken, Kappen tragen und Sonnencreme auftragen - das sind einige der Maßnahmen, die die Stadt Aachen den Kitas empfiehlt.
Plant mit der Stadt Hitzschutz für Kitas: Jens Hasse.
Unter dem Namen "Klimafolgenanpassungskonzept" entwickelt die Stadt Strategien für immer heißere Sommer. Manche Maßnahmen wirken sofort, andere werden erst in einigen Jahren sichtbar.
"Wir erfassen gerade alle Außenbereiche und schauen, wo zusätzliche Bäume gepflanzt werden können, wo Flächen entsiegelt werden und wo vielleicht auch Sonnensegel sinnvoll wären." Jens Hasse, Stadt Aachen
Hitzefrei für Kita-Kinder ist allerdings nicht geplant. Viele Familien seien auf die Betreuung angewiesen. Außerdem sei es in manchen Wohnungen ähnlich heiß wie in den Einrichtungen.
Vielen Eltern gehen die Pläne nicht schnell genug
Jennifer Michels hat zwei Kinder in der Kita Königshügel und sitzt im Elternbeirat. "Mobile Klimaanlagen wären wichtig - zumindest in den Schlafräumen, damit die Kinder dort einmal richtig zur Ruhe kommen können." Wenn sie ihre Kinder derzeit aus der Kita abholt, seien sie oft völlig erschöpft.
Jennifer Michels wünscht sich Klimaanlagen für Kitas.
"Abends sind die einfach platt. Die muss man dann ganz früh ins Bett stecken." Jennifer Michels, Elternbeirat Kita Königshügel
Die Sprenkleranlage als Rettung
Hat so ein heißer Sommertag denn überhaupt etwas Gutes? Für Jonas ist die Antwort eindeutig. "Die Sprenkleranlage!", ruft er begeistert und strahlt unter seinem Spiderman-Käppi hervor.
Für die Erzieherinnen bedeutet das allerdings zusätzlichen Aufwand. Die Kinder müssen aus den normalen Kleidern heraus und in wasserfeste Sachen hinein. Wenig später geht das Umziehen wieder von vorne los. Bei Temperaturen von mehr als 30 Grad ist das schweißtreibend. Doch das Kreischen und Jubeln der Kinder unter den feinen Wasserstrahlen entschädigt offenbar auch die Erwachsenen.
Unsere Quellen:
- Stadt Aachen
- Elternbeirat der Kita Königshügel
- Leiterin der Kita Königshügel
- Beobachtungen der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR 2 Aachen und die Region, Lokalzeit, 25.06.2026, 09:31 Uhr
