Trotz Elektrozaun: Wölfe reißen wiederholt Schafe im Kreis Düren
Bildquelle: Christian CharisiusLokalzeit aus Aachen. 26.05.2025. 02:22 Min.. Verfügbar bis 26.05.2027. WDR. Von Birgitta Bäck.
Trotz Elektrozaun: Wölfe reißen wiederholt Schafe im Kreis Düren
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Gleich zwei Mal innerhalb weniger Tage hat vermutlich ein Wolf oder gar ein Wolfsrudel eine Schafsherde in Hürtgenwald gerissen. Insgesamt sieben Tiere wurden getötet. Der Elektro-Schutzzaun rund um die Weide war laut Experten mit 1,20 m hoch genug.
Der Anblick auf der Weide grausam: nur die Gerippe der gerissenen Schafe und Ziegen sind übrig. Das Biß- und Fraßverhalten ist laut Wolfsberater Hermann Carl eindeutig: "Vor allem wegen der Menge des verzehrten Fleischs ist von mehreren Wölfen auszugehen", sagt er.
Wolfsberater geht von mehreren Wölfen aus
Ein totes Lamm auf einer Wiese wird mit Handschuhen untersucht.
Bildquelle: WDR/ Birgitta BäckDer erste Wolfsangriff ereignete sich auf dem Lohscheidhof in Hürtgenwald im Kreis Düren vergangenen Mittwoch. Sieben Ziegen und Schafe waren dabei getötet worden. Gesehen hat den Vorfall keiner. Es muss aber nachmittags am helligten Tag passiert sein.
Genauso wie der zweite Angriff am Sonntag, bei dem zwei weitere Tiere gerissen wurden. Dieses Mal schlägt der Hofhund aber Alarm und die Landwirtin kann den Wolf aus dem Fenster beobachten. "Es war grausam", sagt Julia Nießen, "der Wolf hat die Schafe in die Kehle gebissen und regelrecht zerfleischt. Als ich geschrien habe, hat er sich erschrocken und ist über den Zaun gesprungen und weggelaufen."
Friedel und Julia Nießen vom Lohscheidhof in Hürtgenwald inmitten ihrer Schafherde
Bildquelle: WDR/ Birgitta BäckFamilie Nießen ist geschockt. Sie hatten extra zum Schutz gegen den Wolf den Zaun mit zwei Elektrodrähten gesichert. Außerdem ist die Absperrung mit 1,20 Meter höher als die Vorgabe vom Land NRW, die nur 90 cm vorsieht. Der Wolf oder die Wölfe sind dadurch allerdings nicht aufgehalten worden.
Spielplatz in der Nähe der Weide
Die Ortsvorsteherin Iris Hürtgen (CDU) ist auch deshalb beunruhigt, weil nur wenige Meter entfernt von der betroffenen Weide ein Kinderspielplatz ist. Zusammen mit Bürgermeister Stephan Craenen (parteilos) fordert sie nun Konsequenzen und wendet sich an das Land NRW. Nachdem das EU-Parlament Anfang Mai für eine Änderung des Schutzstatus des Wolfs gestimmt hat, fordern sie, dass Wölfe, die Nutztiere reißen, gejagt werden dürfen.
Wolfspopulation nimmt jährlich zu
Der Wolf galt bis zur Jahrtausendwende in Deutschland als ausgestorben. Dann tauchten vereinzelt Wolfsmeldungen auf. In den vergangenen sechs Jahren allerdings gab es allein in der Nordeifel 70 Wolfsrisse. Und die Häufigkeit nimmt zu. Der Wolfsberater Hermann Carl geht davon aus, dass jedes Jahr die Zahl der Wölfe um ein Drittel zunimmt.
Familie Nießen holt die Schafe nachts nun lieber in den Stall. Eine Dauerlösung ist das allerdings nicht. Vor allem weil beide Wolfsangriffe tagsüber stattgefunden haben.
Unser Quellen:
- Reporterin vor Ort
- Wolfsberater Hermann Carl