Ehemaliger Pfleger aus Würselen: Hat er noch mehr Patienten getötet?

Bildquelle: WDR/Thomas Wenkert

02:42 Min. Verfügbar bis 28.08.2027

Ehemaliger Pfleger aus Würselen: Hat er noch mehr Patienten getötet?

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Der angeklagte ehemalige Pfleger vom Rhein-Maas-Klinikum wird verdächtigt, den Tod weiterer Patienten verschuldet zu haben.

Von Thomas Wenkert

Derzeit steht Ulrich S., ehemaliger Pfleger am Rhein-Maas-Klinikum in Würselen, vor dem Landgericht Aachen. Ihm wird vorgeworfen, neun Patienten getötet zu haben, in 34 weiteren Fällen soll er das versucht haben. Doch offenbar gibt es viel mehr Opfer. Jedenfalls bereitet die Staatsanwaltschaft Aachen eine weitere Anklage vor. Es könnte also zu einem weiteren Prozess gegen den 44-Jährigen kommen.

Im aktuellen Prozess werden nur Taten verhandelt, die zwischen Dezember 2023 und Mai 2024 passiert sein sollen. Doch Ulrich S. war schon seit 2020 Pfleger auf der Palliativstation in Würselen. Deshalb haben die Ermittler nun auch die Akten von Herbst 2020 bis Dezember 2023 unter die Lupe genommen. Und vieles deutet darauf hin, dass Ulrich S. offenbar für eine der umfangreichsten Mordserien in der deutschen Kriminalgeschichte verantwortlich ist. 

Eine weitere Anklage wahrscheinlich

Auf Anfrage des WDR erklärt die Aachener Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts, dass derzeit noch in alle Richtungen ermittelt werde. "Es gibt gewisse Anhaltspunkte und natürlich hier und da ein Anfangsverdacht", erklärt die Staatsanwaltschaft Aachen.

Aber, dass es zu einer weiteren Anklage kommen werde, das sei sehr wahrscheinlich. Wie ernst der Verdacht ist, zeigt auch, dass weitere Exhumierungen stattgefunden haben. Mittlerweile im hohen zweistelligen Bereich. Die Ermittler hoffen, in den sterblichen Überresten Spuren von Medikamenten zu finden, die der Angeklagte für seine Taten benutzt haben soll.

Skrupellos und empathielos

Nach bisherigen Erkenntnissen soll der 44-Jährige den Patienten stark sedierende Medikamente gespritzt haben, in Kombination mit Schmerzmitteln. Vor allem das Beruhigungsmiittel Midazolam hat der ehemalige Pfleger häufig verabreicht. Die meisten Opfer waren über 80 Jahre alt, an Krebs erkrankt oder Demenzkrank.

Mögliches Motiv: der Pfleger wollte während seines Nachtdienstes seine Ruhe haben. Zeugen und Kollegen haben den Angeklagten während des Prozesses als empathielos und skrupellos beschrieben. Der Angeklagte selbst bestreitet die Vorwürfe. Er wollte die Patienten nicht töten, sondern ihre Schmerzen lindern, sagte er in dem laufenden Prozess. Er sei sich keiner Schuld bewusst. 

Leid der Angehörigen

Mittlerweile haben auch einige Angehörige der Opfer in dem Prozess ausgesagt. Es waren ergreifende Aussagen. Eine 29-Jährige erzählte von ihrem Großvater, der auf der Palliativstation verstorben ist. "Es sei geplant gewesen, dass er nach Hause entlassen werden sollte. Auf den Bauernhof seines Sohnes, wo er lebte. Hier wollte er sterben. Er wollte die Pferde sehen, wenn er die Augen zumacht", erzählt die Zeugin von ihrem letzten Gespräch mit ihrem Opa. Stunden später war er tot. Auch für diesen Tod soll der Angeklagte verantwortlich sein, so die Staatsanwaltschaft.

Weitere Ermittlungen im Klinikum 

Die Staatsanwaltschaft prüft derzeit auch das Verhalten anderer Mitarbeiter des Klinikums. Es bestehe ein Anfangsverdacht, heißt es. Aber derzeit nicht gegen konkrete Personen, sagt Oberstaatsanwältin Katja Schlenkermann-Pitts. Auch das Rhein-Maas-Klinikum Würselen hat sich auf Anfrage des WDR geäußert. "Man arbeite weiterhin vertrauensvoll mit den Ermittlungsbehörden zusammen", heißt es. Das Klinikum sei sehr an einer Aufklärung interessiert.

Urteil im November

Im aktuellen Prozess soll Anfang November das Urteil gesprochen werden, eigentlich war dies schon für Juni vorgesehen. Es wird aber offenbar nicht das letzte Urteil gegen Ulrich S. sein. Sollte es eine weitere Anklage geben, dann kommt es zu einem weiteren Prozess. Wann dieser beginnt, das steht noch nicht fest.

Unsere Quellen:

  • Staatsanwaltschaft Aachen
  • Rhein-Maas-Klinikum Würselen

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