Lutz heißt der rote Campingbus, mit dem Josephine Japke aus dem Spreewald nach Rurberg gereist ist. Rund 14 Stunden haben die beiden gebraucht. Unterwegs fiel auch noch die Klimaanlage aus - ausgerechnet bei mehr als 40 Grad. Für die 34-Jährige kein Grund, aufs Campen zu verzichten.
Josephine Japke aus Berlin steht vor ihrem Campingbus
"Mein Bus ist ein Stück Zuhause. Ich habe ihn mir richtig gemütlich gemacht - mit Kunstblumen und meinem eigenen Bett. So etwas habe ich im Hotel nicht." Josephine Japke, Camperin aus dem Spreewald
Aus einem Transporter wurde ein Zuhause
Josephine Japke in der Beauty-Ecke ihres Campingbusses
Ursprünglich war Lutz ein Transporter. Josephine hat ihn selbst ausgebaut - mit Herd, Kühlschrank und sogar einer kleinen Beauty-Ecke in der Hecktür. Vor dem Bus genießt sie jetzt ihr Frühstück - mit Kaffee und allem, was dazugehört.
Frühstück lässt auf sich warten
Jack Robinson aus England auf dem Campingplatz in Rurberg
So viel Glück hat Jack Robinson gleich nebenan nicht. Ihm knurrt der Magen. Seine beiden Freunde sind seit mehr als einer Stunde unterwegs, um Frühstück zu besorgen. Bislang sind sie nicht zurück.
Die drei kommen aus England und reisen mit dem Zelt. Lebensmittel kühlen können sie nicht. Trotzdem liebt Jack diese Art von Urlaub.
"Zelten ist ziemlich romantisch, besonders wenn nachts der Regen aufs Zeltdach prasselt." Jack Robinson, Camper aus England
Fast 380.000 Übernachtungen im vergangenen Jahr
Mit fast 380.000 Übernachtungen im vergangenen Jahr wurden hier nach Auskunft des Statistischen Landesamtes in Düsseldorf so viele Gäste wie nie zuvor gezählt. Insgesamt gibt es in der Städteregion Aachen sowie den Kreisen Heinsberg, Düren und Euskirchen rund 50 Campingplätze. Hinzu kommen Wohnmobilstellplätze, unter anderem in Aachen und Alsdorf.
Branche ist im Umbruch
Doch die Branche ist im Umbruch, sagt der Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland, BVCD. So werden zunehmend Dauerstellplätze in touristische Angebote umgewandelt. Wo Camper früher wochen- oder sogar monatelang blieben, wechseln die Gäste zunehmend schneller. Der Trend, so der BVCD, macht sich seit zwei Jahren zunehmend bemerkbar.
Mehr Tagesgäste statt Dauercamper
Auch rund um Monschau und Simmerath ist der Trend zu spüren. Hier setzen Stellplatzbetreiber zunehmend auf Mischmodelle, oder stellen komplett um. So verfügte das Camp Hammer in Simmerath vor Jahren noch über 90 Dauerstellplätze und 25 Touristenplätze. Doch die Zahl der Dauercamper sinkt auch hier. Dauerstellplätze, die aufgegeben werden, werden zu Stellplätzen für Wohnwagen und Wohnmobile umgewandelt. Ihre Zahl stieg in den vergangenen Jahren von 25 auf über 100, sagt Stellplatzbetreiberin Katja Ellinger.
Weniger Bürokratie? Was dahintersteckt
Was dahintersteckt? Mehr Einnahmen und weniger umständliche Genehmigungsverfahren, sagen die Campingplatzbetreiber. Auch die Brandschutzbestimmungen sind bei Plätzen für Dauercamper deutlich höher. Dennoch gibt es immer noch Plätze, die weiterhin auf Dauercamper setzen. Langzeitgäste bedeuten nämlich auch weniger Bürokratie, weniger Präsenz für den Betreiber vor Ort und weniger An- und Abreisen.
Warum an die Küste, wenn das Urlaubsziel vor der Türe liegt?
Doch egal, ob Dauercamper oder Kurzzeitgast. Alle stimmen in einem überein. Kurze Wege lassen den Campingboom in der Eifel weiter wachsen. Denn: Wer in Aachen oder Düren wohnt, für den zählt vor allem eins: Die Nähe. In rund einer Stunde ist man am Effelder Waldsee, am Rursee oder sonstwo. Hotel und Strand, das brauchen viele nach eigenen Worten nicht mehr. Sie sagen: Warum auf dem Weg zur Küste im Stau stehen, wenn das Beste nur eine halbe Stunde entfernt liegt?
Unsere Quellen:
- Satistisches Landesamt NRW
- Campingplatzbetreiber in Simmerath
- Bundesverband der Campingwirtschaft in Deutschland
Sendung: WDR 2 Aachen und die Region, Lokalzeit, 29.06.2026, 14:31 Uhr
