Viele Altkleidercontainer in NRW werden abgebaut: Das sind die Gründe
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Altkleidercontainer stehen an Supermarktparkplätzen, an Straßenrändern, neben Glascontainern – noch. Denn immer mehr verschwinden. Gründe sind wirtschaftliche Probleme, Vermüllung und Vandalismus. In einigen Kommunen in Nordrhein-Westfalen wird das Sammeln von Kleidung deswegen zur Herausforderung.
Wer seine gebrauchte Kleidung loswerden möchte, konnte sie bisher zu eigens dafür aufgestellten Containern bringen. Doch wer seine alten T-Shirts oder Hosen spenden will, steht vielerorts plötzlich vor leeren Stellplätzen. Denn überall in Nordrhein-Westfalen werden derzeit immer mehr Sammelbehälter abgebaut.
Eine aktuelle Befragung des WDR unter allen NRW-Kommunen zeigt, wie verbreitet der Schwund dieser Sammelstellen ist. Insgesamt haben 153 Kommunen aus NRW an der Befragung teilgenommen. 60 von ihnen haben angegeben, dass sie im laufenden Jahr Container abgebaut haben: 654 Stück insgesamt.
Die Umfrage wurde für die WDR-Fernsehsendung "Markt" durchgeführt, dort gibt es heute ab 20.15 Uhr einen ausführlichen Beitrag zum Thema.
Qualität der Textilien wird schlechter
Früher war der Markt für gebrauchte Kleidung lukrativer: Sammler, Sortierer und Verwerter haben mit Secondhand-Ware gutes Geld verdient. Doch heute ist das kaum noch möglich.
Ein Grund: Die Qualität vieler Textilien hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Immer mehr Kleidung, vor allem aus der sogenannten Fast-Fashion-Branche, besteht aus Mischfasern, lässt sich kaum recyceln und ist nach kurzer Zeit unbrauchbar. Hinzu kommen gestiegene Energie- und Transportkosten, strengere Umweltauflagen und ein internationaler Gebrauchtwarenmarkt, der von Massenware überschwemmt ist.
Das Sammeln von Altkleidern lohnt nicht mehr
Für viele private und gemeinnützige Sammler lohnt sich die Arbeit deshalb nicht mehr. Die Erlöse decken die Kosten nicht, die Verträge mit Verwertern brechen weg. Das berichtet etwa das Deutsche Rote Kreuz in Aachen.
Für viele Sammler lohnt sich die Arbeit nicht mehr (Archivbild).
Bildquelle: WDR/dpa/Armin WeigelEinige Unternehmen und Verbände sind inzwischen insolvent oder haben sich ganz aus der Sammlung zurückgezogen, darunter zwei Tochtergesellschaften des Textilrecyclers Texaid. Für die Kommunen bedeutet das: Weniger Partner, höhere Kosten und mehr Aufwand, die Sammelpflicht zu erfüllen.
Vermüllung und Vandalismus erschweren den Betrieb
Neben wirtschaftlichen Problemen sind Vandalismus, illegale Müllablagerungen und Fehlbefüllungen zentrale Gründe für den Rückbau von Altkleidercontainern. Viele Standorte werden regelmäßig als Müllabladeplätze genutzt. Oft landen Sperrmüll und Restabfälle in den Containern.
Vor vielen Containern, wie hier in Düsseldorf, sammelt sich der Müll.
Bildquelle: picture alliance / Norbert SchmidtMitarbeiter der Leverkuser Reloga haben berichtet, dass auch schon Mal Reste von geschlachteten Tieren in den Textilcontainern anzutreffen waren. Auch überfüllte Behälter und aufgebrochene Container sind keine Seltenheit.
Standorte sind kaum noch zu betreiben
Was früher als unkomplizierte Spendenmöglichkeit galt, ist für viele Städte und Kommunen heute ein Ärgernis geworden. Die Reinigung, Wartung und Reparatur verursachen zusätzliche Kosten und machen die ohnehin angespannte Lage noch schwieriger. Einige Kommunen berichten, dass sie Container abgebaut haben, weil die Standorte kaum noch zu betreiben sind.
Damit verstärken sich die Probleme gegenseitig: Die zunehmende Vermüllung erschwert den Betrieb weiter, senkt die Wirtschaftlichkeit und treibt so den Rückgang der Altkleidercontainer voran.
Weniger Sammelstellen für Altkleider in NRW
Für Bewohnerinnen und Bewohner in Nordrhein-Westfalen wird es daher zunehmend schwieriger, ihre gebrauchte Kleidung wohnortnah abzugeben. Vielerorts verschwinden Container einfach, ohne dass klar ist, wo Alternativen zu finden sind. Wer Kleidung spenden möchte, muss häufig längere Wege in Kauf nehmen oder sich erst auf den Internetseiten der Kommune informieren, wo noch Sammelstellen bestehen.
Einige Gemeinden reagieren bereits: Sie überarbeiten Standortkonzepte, vergeben Sondernutzungserlaubnisse neu oder planen, selbst kommunale Container aufzustellen. Mancherorts übernehmen gemeinnützige Organisationen oder Inklusionsbetriebe die Sammlung.
Unklar, wie es weiter geht
In Wuppertal etwa haben der örtliche Entsorger und die gemeinnützige Gesellschaft Gesa eine Boutique eröffnet, in der Kleidung aus den Containern wieder in den Kreislauf gebracht wird.
Trotz dieser Versuche, Ordnung in das System zu bringen, ist die bequeme Abgabe um die Ecke längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Wie sich das Sammelsystem künftig entwickelt, hängt von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, gesetzlichen Vorgaben und nicht zuletzt vom Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher ab.
Unsere Quellen:
- WDR-Umfrage unter 153 Kommunen in NRW, 2025
- Interview mit Thomas Ahlmann, Fairwertung
- Informationen der Verbraucherzentrale NRW
- Informationen der Altkleidersammlung Köln
- Pressemitteilung von DGW-Recycling
Über das Thema berichten wir am 29.10.2025 auch im WDR Fernsehen: Markt um 20.15 Uhr.